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Skandal im Sperrbezirk

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Domina Christina in ihrer "Folterkammer".
Domina Christina in ihrer "Folterkammer". © FR/Müller

Dumm gelaufen: Das Bordell "Villa Royale" macht das Ordnungsamt in der hessischen Landeshauptstadt mit verbotener Plakatwerbung auf sich aufmerksam - jetzt droht das Aus. Von Bastian Beege

Von Bastian Beege

"Sag mal, Du wohnst doch da beim Puff?" Kristina F. (Name geändert, Anm. d. Red.) hat diesen Spruch in letzter Zeit schon oft gehört. Und es stimmt ja auch: Kristina wohnt direkt neben einem Puff - und seit einigen Tagen weiß das auch jeder. Der Grund: Vorne am Gartenzaun der Rheingaustraße 23 hing seit Weihnachten ein großes Werbebanner mit dem Namen des Bordells: "Villa Royale."

Schon seit mehreren Jahren floriert nach Angaben mehrerer Nachbarn das Geschäft mit dem käuflichen Sex im Obergeschoss des Hauses - unter wechselndem Namen. "Das lief immer alles sehr diskret, wir fühlten uns nicht gestört", so Kristina F. - einmal abgesehen von den "Zuhältertypen mit Goldkettchen", die mit ihren "dicken Autos" ab und an vorbeischauen würden.

Doch seit dem Plakat hat sich alles geändert: "An meinem Arbeitsplatz werde ich vor allem von Männern immer wieder belästigt", erzählt Kristina F. "Da kommen ständig Sprüche wie: Wenn Du eines Tages keine Arbeit mehr haben solltest, kannst Du ja gleich bei Dir nebenan anfangen." Und außerdem wohnten in dem betreffenden Schiersteiner Viertel auch viele Familien mit Kindern. "Auch da ist so eine Werbung nicht gerade sinnvoll."Plakatwerbung verboten

Und außerdem verboten, wie das Ordnungsamt auf Anfrage der FR mitteilt. "Grundsätzlich ist Werbung von Bordellen nur im Internet oder anderen Medien erlaubt", erläutert Ehrenfried Bastian vom Ordnungsamt. "Alles andere ist untersagt - nicht zuletzt zum Schutz von Minderjährigen." Doch was noch schwerer wiegt: Die "Villa Royale" in der Rheingaustraße 23 ist nach Angaben des Ordnungsamtes illegal. Denn die Stadt Wiesbaden hat bestimmte Toleranzzonen ausgewiesen, in denen Bordelle stehen dürfen - flächenmäßig machen diese Zonen etwa 12 Prozent der gesamten Stadtfläche aus. "Die Villa Royale befindet sich hingegen im Sperrgebiet", so Bastian.

Betreiber des Bordells ist eine Firma aus Friedrichshafen. "Bei uns geht alles mit rechten Dingen zu", behauptet die örtliche Geschäftsführerin in Wiesbaden. "Wir haben Genehmigungen und es gab noch nie Ärger." Seit Juni befindet sich die "Villa Royale" schon in der Drei-Zimmer-Wohnung an der Rheingaustraße. Auf der eigenen Homepage stellt das Unternehmen ihr umfangreiches Dienstleistungsangebot vor, Fotos und Telefonnummern der beschäftigten Prostituierten gehören ebenfalls zum Info-Service.

Unter der Rubrik "Jobs" können Frauen mit bestimmtem Anforderungsprofil an einem Online-Bewerbungsverfahren teilnehmen. "Wir sind ein ganz normaler Gewerbebetrieb, der auch Werbung machen muss", erklärt die Geschäftsführerin.

Das Ordnungsamt sieht das offensichtlich anders. Ein Gewerbe dürfe in den Sperrbezirken eben gerade nicht existieren, so Ehrenfried Bastian. Lediglich die private Wohnungsprostitution sei erlaubt, wenn also eine Frau, manchmal auch zwei bis drei, ihre eigene Wohnung "freiberuflich" zum käuflichen Sex nutzen.

Stellt sich die Frage, warum die Behörden nicht schon längst gegen die Villa Royale vorgegangen sind. "Wir wussten bislang nichts von dem Geschäft", beteuert das Ordnungsamt. Erst durch die Werbung und den Protest der Anwohner seien sie auf den Fall gestoßen. Und was passiert nun? - "Wir nehmen uns der Sache an", kündigt Ehrenfried Bastian an. "Auf den ersten Blick erscheint die Sache eindeutig." Soll heißen: Aller Voraussicht nach wird die Villa Royale in ihrer derzeitgen Form schon bald der Vergangenheit angehören.

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