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Sieh mal, wer da klopft

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Von: Ute Fiedler

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Das Fernglas darf auf keinen Fall fehlen: Die scheuen Vögel nehmen sofort Reißaus, wenn man sich nähert.
Das Fernglas darf auf keinen Fall fehlen: Die scheuen Vögel nehmen sofort Reißaus, wenn man sich nähert. © Michael Schick

Mit dem Naturschutzbund auf Spechtbeobachtung: Das Fernglas darf auf keine Fall fehlen, die scheuen Vögel nehmen sofort Reißaus, wenn man sich nähert. Doch vier von sieben Arten zeigen sich immerhin.

Irgendwie will es heute nicht so recht klappen. Dabei hat es sonst immer funktioniert, beteuert Werner Häuser, spitzt erneut die Lippen und pfeift. Doch nur eine Ringeltaube antwortet, dabei wollte der Nabu-Mann (Naturschutzbund Deutschland) doch für seine Mitwanderer einen Grauspecht anlocken.

Ein kleines zehnköpfiges Grüppchen, geschätzter Altersdurchschnitt 50, um Werner Häuser und Markus Bücker vom Nabu hat sich an diesem Morgen zur Spechtjagd am Kellerskopf in Rambach getroffen. Sie alle wollen endlich mal hören und sehen, wer da so klopft – und wieso überhaupt.

Lange warten müssen die Wanderer nicht. Morgens um 10 Uhr scheinen die Vögel in prächtiger Flirtlaune zu sein. Da wird dort „Tick, tick, tick“ gerufen und da wie wild getrommelt. „Wenn Spechte mehrfach hintereinander ganz schnell klopfen, balzen sie. Wenn sie nur vereinzelt hämmern, dann sind sie auf Futtersuche“, erklärt Bücker.

Vor allem Buntspechte und Mittelspechte sehen die Auflügler, lernen, dass letztere die kleinen Brüder der Buntspechte sind. „Sie müssen die verwaschenen Hosen ihres Bruders anziehen und sind deswegen zartrosa um die Brust. Der Buntspecht hat einen roten Bauch“, erklärt Hans Carlowitz, der heute mit seiner Frau Edeltraud mitgeht.

Er, selbst Nabu-Mitglied, weiß schon einiges über die scheuen Vögel. Doch andere wie Erika Pfab und ihr Mann Horst Wildemann erfahren viel bislang Unbekanntes aus dem Spechtleben. Zum Beispiel, dass der Vogel drei Bäume braucht: zum Brüten, Balzen und zur Futtersuche.

Ein wahres Pfeifkonzert erklingt gratis, denn der Nabu nimmt für diese Führung kein Geld. Sieben Spechtarten gibt es in Hessen. Vertreter vier dieser Arten bekommen die Wanderer während der zweieinhalb stündigen Tour zu sehen beziehungsweise zu hören. Gegen Ende der Wanderung sogar den von Werner Häuser versprochenen Grauspecht, der so heißt, weil er ein graues Köpfchen hat. „Tick, tick, tick“ macht es aus der Ferne, ein leises, schnelles Klopfen ertönt. Und der 60-Jährige ist glücklich.

Doch zu oft pfeifen und die Tiere anlocken soll man nicht, warnt er. „Dann sind sie verwirrt. Sie erwarten ein prächtiges Spechtweibchen und sehen was? Den dicken Häuser. Keinen Specht, na ja, manchmal vielleicht einen Schluckspecht“, sagt er.

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