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Showdown an der Lesselallee

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Von: Arne Löffel

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Seit Jahren wird wegen der Bäume gestritten.
Seit Jahren wird wegen der Bäume gestritten. © Michael Schick

Am Donnerstag machen sich Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) und Vertreter des Ortsbeirats ein Bild vom Zustand der Bäume. Mitglieder und Sympathisanten der „Bürgerinitiative Rettet die Maaraue“ haben sich zum Protest gegen die Fällung der alten Kastanien verabredet.

Die Messer sind gewetzt, die Nerven liegen blank. Schon seit zehn Jahren diskutiert die Stadtgesellschaft darüber, ob die 70 Rosskastanien an der Lesselallee auf der Maaraue fallen sollen oder nicht.

Dieser – von allen Seiten voller Inbrunst geführte – Streit steuert heute einem neuen Höhepunkt entgegen: Von 16 Uhr an werden der Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) und Vertreter des Ortsbeirats mit fachkundiger Unterstützung des städtischen Baum-Gutachters Roland Dengler noch einmal durch die seit Frühjahr abgesperrte Allee wandeln und sich selbst ein Bild vom Zustand der Bäume machen.

Da die Begehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein wird, haben sich die Mitglieder und Sympathisanten der „Bürgerinitiative Rettet die Maaraue“ (Birma) bereits für 15 Uhr zu bunten und wahrscheinlich lautstarken Protestaktionen an dem Zaun verabredet, der die Allee derzeit vom Rest der Welt trennt. Diese Protestaktionen sollen sich dann bis zum Abend hinziehen: Für 19 Uhr ist im Bürgerhaus Kostheim ein öffentlicher Info-Abend angesetzt.

Am Donnerstag keine Entscheidung

Eine Entscheidung über Leben und Tod der nachweislich von einem Wurzelpilz befallenen Rosskastanien ist heute nicht zu erwarten. Diese soll erst nach der parlamentarischen Sommerpause im Umweltausschuss fallen, an den das Parlament die Angelegenheit zur Beschlussfassung überwiesen hat. Die Begehung der Allee dient der Meinungsbildung, die Bürgerinfo der Meinungsäußerung.

Kurz vor dem heutigen Tag verschärfte sich noch einmal der Ton in der hitzigen Debatte: Ursprünglich war geplant, dass neben den umweltpolitischen Sprechern der Rathaus-Fraktionen und dem Stadtverordnetenvorsteher nur der Ortsvorsteher als Vertreter des Ortsbeirats zugelassen ist. Ein Plan, von dem Oliver Franz als Hausherr der gesperrten Allee mittlerweile abgerückt ist. Auch die Fraktionen des Kostheimer Ortsbeirats dürfen ihre Vertreter zum Info-Spaziergang entsenden.

Unnachgiebig zeigte sich Franz allerdings beim Ansinnen von Ronny Maritzen, dem umweltpolitischen Sprecher der Grünen im Rathaus und Vorsitzenden des Umweltausschusses, in Person von Mirko Wäldchen (sic!) seinen eigenen Baum-Experten zu dem Termin mitzubringen. Da außer den genannten Vertretern des Ortsbeirats nur Mitglieder des Umweltausschusses und des Ordnungsamts zugelassen sind, müsse dem Gutachter die Teilnahme untersagt werden. „Herr Wäldchen kann selbstverständlich mit allen interessierten Bürgern an der öffentlichen Informationsveranstaltung im Bürgerhaus teilnehmen“, schreibt Franz in einem Mailverkehr an Maritzen, der dieser Zeitung vorliegt.

Hochkochende Emotionen

Die in der Debatte immer wieder hochkochenden Emotionen werden von beiden Seiten liebevoll gepflegt und befeuert: Franz begründet sein schnelles und bisher kompromissloses Handeln mit seiner persönlichen Verantwortung für die Sicherheit der Bürger. Sollte ein herabfallender Ast einen Menschen, gar ein Kind, verletzen, so werde er als Ordnungsdezernent zur Rechenschaft gezogen. Und während sich Franz mit dieser Argumentation auf das vorliegende Gutachten berufen, die Sperrung und drohende Fällung als quasi alternativlos darstellen kann, muss die Birma an das Mitgefühl der Bevölkerung appellieren.

Es gelte laut Birma, den Charakter der Allee, der Maaraue, für die Nachwelt zu erhalten. Zu viele Erinnerungen der Bürger, weit über die Grenzen von Kastel und Kostheim hinaus, seien mit der Lesselallee verknüpft. Eine neu gepflanzte Allee brauche Jahrzehnte, um ihre heutige Pracht zu entfalten. Außerdem sind die von der Stadt vorgesehenen Flatterulmen bei der Birma aus ästhetischen Gründen durchgefallen.

Besonderen Unmut bei den Gegnern erregt das konsequent eigenmächtige Handeln des Ordnungsdezernenten, das als Basta-Politik gewertet wird. Die Einzäunung der Lesselallee sei eine „Machtdemonstration“ des seit 2013 amtierenden Ordnungsdezernenten, der als zupackend gilt – und gelten möchte.

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