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Grafik zur sexualisierter Gewalt
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Viele schlimme Erfahrungen

Studie

Sexualisierte Gewalt ist unter Hessens Schüler:innen alltäglich

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Eine repräsentative Befragung von Berufschüler:innen offenbart das hohe Ausmaß an Übergriffen. Tatort ist zumeist nicht die Schule.

Mehr als 40 Prozent der Jugendlichen, die in Hessen eine Berufsschule besuchen, wurden schon einmal körperlich sexuell angegriffen. Das reicht von Antatschen über die versuchte bis hin zur vollzogenen Vergewaltigung. So berichten es die Verfasser der „Speak-Studie“, die sie im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums erstellt haben. Am Freitag wurde diese vorgestellt, die Ergebnisse sind erschreckend.

So berichten 56 Prozent der befragten weiblichen Jugendlichen, schon einmal gegen ihren Willen angefasst worden zu sein, etwa am Busen oder am Po. Bei den männlichen Jugendlichen sind es weit weniger, nämlich elf Prozent. Jede vierte Jugendliche berichtet von einer versuchten Vergewaltigung, jede zwölfte sei tatsächlich vergewaltigt worden. Immerhin vier Prozent der männlichen Jugendlichen gaben eine versuchte Vergewaltigung, ein Prozent eine vollendete zu Protokoll. Zwei Drittel der 16- bis 19-Jährigen erlebten verbale Formen sexueller Gewalt, wurden mit derben Sprüchen angemacht oder genötigt, sich Fotos von Geschlechtsteilen anzusehen.

„Die Opfer leiden häufig lange unter Ängsten, Schlafstörungen, Depressionen und ziehen sich sozial zurück“, erläuterte die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg, die die Studie gemeinsam mit dem Bildungsforscher Ludwig Stecher von der Justus-Liebig-Universität Gießen geleitet hat.

Befragt wurden gut 1100 Jugendliche von 16 bis 19 Jahren, die die Eingangsklassen der beruflichen Schulen besuchten. Die Antworten konnten anonym abgegeben werden. Damit seien die Ergebnisse repräsentativ, so Stecher, auch wenn ursprünglich 1600 Personen befragt werden sollten. Dies sei wegen der Corona-Pandemie nicht mehr möglich gewesen.

Begangen wurden die Übergriffe häufig von „einer fremden männlichen Person“ (37 Prozent), von „Bekannten“ (22 Prozent) oder „dem Freund“ (21 Prozent). Vergleichsweise wenige Taten ereigneten sich an den jeweiligen Schulen. Tatorte waren „eine andere Wohnung oder auf einer Party“ (61 Prozent) oder „der öffentliche Raum“ (54 Prozent). Die Schule war in knapp 18 Prozent der Fälle Ort des Geschehens.

Die aktuelle Speak-Studie über die Berufsschüler:innen ist die dritte, die das Land in Auftrag gegeben hat. 2017 wurden 14- bis 16-Jährige an allgemeinbildenden Schulen befragt, 2018 folgten Förderschüler:innen. Auch sie berichteten in großer Zahl von sexualisierter Gewalt und Übergriffen. Diese gehörten, so Maschke und Stecher, offenbar zur „alltäglichen Erfahrungswelt der Mehrheit der Jugendlichen“.

„Wir müssen die Rolle der Schule als Schutz- und Auffangraum stärken“, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Tatsächlich belegt die Studie auch, dass das Thema dort eher gemieden wird. So beklagten die Jugendlichen häufig, sie wüssten nicht, an wen sie sich dort wenden könnten. Zudem gaben zwei Drittel an, dass im Unterricht noch nie über sexualisierte Gewalt gesprochen worden sei.

Laut Stephan Jeck aus dem Kultusministerium wurden in den vergangenen Jahren die Weiterbildungen für Lehrkräfte und Schulleitungen zu dem Thema ausgebaut. Lorz versprach, dass der Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Ausbildung eine größere Rolle spielen solle.

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