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„Seine Innerlichkeit fasziniert“

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Der Kunsthistoriker Roman Zieglgänsberger ist Kustos für die Sammlung Klassische Moderne.
Der Kunsthistoriker Roman Zieglgänsberger ist Kustos für die Sammlung Klassische Moderne. © Oeser

Das Museum Wiesbaden präsentiert die Werke Alexej von Jawlenskys – allein und in Kombination. Zuständig dafür ist Roman Zieglgänsberger, der im FR-Interview über den berühmtesten Maler Wiesbadens spricht.

Vor 90 Jahren bescheinigte Jawlenskys Agentin Galka Schreyer den Wiesbadenern einen „Jawlenskyfimmel“. Haben die den heute auch noch?

In jedem Fall. Er ist in Wiesbaden eine der ganz großen Persönlichkeiten. Gerade zum 70. Todestag ist es wichtig, dass wir ihn nochmals in einem anderen Zusammenhang zeigen. Wir konzipieren derzeit die Abteilung Klassische Moderne neu, drei große Räume werden ihm gewidmet sein und alle seine Schaffensphasen neu präsentieren. Die Ausstellung eröffnet am 25. März und ich denke, sie wird großes Interesse wecken.

Besonders Frauen förderten Jawlensky. Was machte und macht seine Faszination als Künstler aus?

Ich glaube, die innere Ruhe, die er ausgestrahlt hat. Ganz im Gegensatz zu vielen Künstlern heute, die extrovertiert sind. Er hatte nicht dieses laut nach außen Drängende. Diese Innerlichkeit und das in die Tiefe Gehende – wodurch etwas Heilig-sphärisches entsteht, das auch heute noch anziehend wirkt – machte Jawlensky für viele Leute interessant.

Welche Bedeutung hat er für die Kunstgeschichte?

Kunsthistorisch ist er unter zwei Aspekten bedeutend: Zum einen gehörte er zusammen mit Gabriele Münter und Kandinsky bis 1914 zum Umfeld des „Blauen Reiters“ und hat dort einen wichtigen Begriff geprägt, der die ganze Künstlergruppe vorangebracht hat. Nämlich den Begriff der „Synthese“ – dass man Dinge zusammenfasst und nicht jedes Detail darstellt. Zum anderen hat er mit seinen Serien – angefangen von den Variationen bis zu den Meditationen am Ende seines Lebens – das Serielle in die Kunst hineingebracht. Das haben die amerikanischen Künstler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr wohl wahrgenommen. Er war ein Künstler, der sowohl im Frühwerk Weltbedeutendes geschaffen hat, als auch im Spätwerk nochmals einen anderen Ansatz hatte. Das findet man nicht bei jedem Künstler.

Ende Oktober zeigt das Museum Wiesbaden wieder eine Ausstellung mit Werken von ihm. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Auf eine sehr spannende Gegenüberstellung von Alexej von Jawlensky mit Josef Albers, einem Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bei beiden Malern ist die Farbe das wichtigste künstlerische Medium. Bei den Serien von Jawlensky ist über die abstrakten Farbfelder immer noch ein Gesicht gemalt, Albers arbeitet in seinen Serien dann völlig ohne gegenständliche Aspekte. Seine Werke waren bisher hier in Wiesbaden noch nicht zu sehen, insgesamt zeigen wir etwa hundert Arbeiten der beiden Künstler. Die Ausstellung führt einem sofort ganz klar vor Augen, wie wichtig Jawlensky auch für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war.

Interview: Mirjam Ulrich

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