Auch für die Abgabe von Kleintieren wie Kaninchen ist eine Gebühr fällig. (Symbolbild)
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Auch für die Abgabe von Kleintieren wie Kaninchen ist eine Gebühr fällig. (Symbolbild)

Tierheim Wiesbaden

Wer sein Tier abgibt, muss zahlen

Das Tierheim Wiesbaden muss seine hohen Kosten reduzieren. Deshalb erhebt es jetzt eine Gebühr von Tierhaltern, die ein Tier abgeben wollen. Katzenschützer fürchten, dass künftig mehr Vierbeiner ausgesetzt werden.

Von Jana Kinne

Das Tierheim Wiesbaden muss seine hohen Kosten reduzieren. Deshalb erhebt es jetzt eine Gebühr von Tierhaltern, die ein Tier abgeben wollen. Katzenschützer fürchten, dass künftig mehr Vierbeiner ausgesetzt werden.

Seit Anfang des Monats kann man Tiere im Wiesbadener Tierheim nicht mehr kostenfrei abgeben. Für Tierhalter, die ihren Schützling nicht mehr behalten können oder wollen, wird eine Abgabegebühr fällig. Zudem will das Tierheim nur noch geimpfte und entwurmte Tiere aufnehmen.

„Wir wollen auch die Tierhalter in die Pflicht nehmen“, erklärt Henriette Hackl, Vorsitzende des Wiesbadener Tierschutzvereins, die Maßnahme. Es könne nicht sein, dass nur diejenigen zur Finanzierung des Tierheims beitragen würden, die dem Tierheim sowieso schon helfen, indem sie ein Tier mit nach Hause nehmen, ergänzt sie. Für einen Hund fällt im Tierheim bei Abholung eine Schutzgebühr von 180 bis 250 Euro an.

Das Tierheim, das im Durchschnitt 100 Hunde, 100 Katzen und 300 Kleintiere beherbergt, hat hohe Kosten. Im vergangenen Jahr waren es 977.000 Euro. Finanziert werden diese zu zwei Dritteln aus Spenden und Erbschaften. Den Rest nimmt der Verein über Gebühren und Mitgliedsbeiträge ein. 110.000 Euro zahlt die Stadt für die Unterbringung der Wiesbadener Fundtiere.

„Die Spenden und Erbschaften kommen nur sehr unregelmäßig“, sagt Hackl, deshalb sei es notwendig, einen Teil der Finanzierung über Gebühren zu stemmen. Zudem habe der Verein in den vergangenen Jahren viel investiert, Ersparnisse seien aufgebraucht worden und das vorhandene Vermögen bringe kaum Zinsgewinne. „Da müssen wir gegensteuern, um die Versorgung auch in Zukunft leisten zu können“, so Hackl.

Die Abgabegebühr ist jedoch umstritten. Während die Tierheime in Frankfurt und Gießen ebenfalls eine Gebühr erheben, kann man in Mainz und Darmstadt kostenlos Tiere im Heim abgeben. „Wir haben schlechte Erfahrungen mit der Gebühr gemacht“, sagt Claudia Gries, Mitarbeiterin des Tierheims in Darmstadt. Nach Einführung der Gebühr vor zwei Jahren seien viel mehr ausgesetzte Tiere gefunden worden. „Deshalb haben wir die Gebühr schnell wieder abgeschafft“, sagt Gries. Auch der Wiesbadener Verein zur Verhütung von Katzennachwuchs (VKN) stellt sich gegen die Gebühr: „Wir befürchten, dass noch mehr Katzen ausgesetzt werden“, sagt die Vorsitzende Renate Weber. Die Aktiven des VKN sind verärgert, dass sie nicht im Vorhinein über die Gebühr informiert wurden. Auch die Regel, dass nur entwurmte und geimpfte Tiere angenommen werden, ist laut Weber nicht immer sinnvoll. Indirekt könnten auch auf die Stadt höhere Kosten zukommen, wenn sich die Zahl der Fundtiere erhöht. Dennoch will Ordnungsdezernentin Birgit Zeimetz (CDU) die Gebühr zunächst nicht bewerten. „Das ist Sache des Tierheims“, sagt die Dezernentin.

Tierhalter zeigen Verständnis

Henriette Hackl glaubt nicht, dass die Gebühr dazu führen wird, dass mehr Menschen ihre Vierbeiner auf die Straße setzen. „Wir haben uns mit Tierheimen ausgetauscht, die diese Erfahrung nicht gemacht haben“, sagt sie. Zudem seien die Gebühren in Wiesbaden mit maximal 70 Euro moderat. In Gießen werden zum Vergleich bei Abgabe eines Hundes rund 200 Euro fällig. „Wir wollen, dass die Besitzer, die ihr Tier loswerden wollen, wenigstens die ersten Tage im Tierheim finanzieren“, sagt Hackl. Ein Hund kostet das Tierheim 12,45 Euro am Tag. Laut Hackl ist die Abgabegebühr im Tierheim noch nicht auf negative Resonanz gestoßen. Die Tierhalter die ihre Vierbeiner in den vergangenen zwei Wochen abgegeben hätten, seien verständnisvoll gewesen.

Rentner, Hartz-IV-Empfänger oder andere Menschen, die sich die Abgabe nicht leisten können, müssen eine Gebühr von fünf Euro oder im Notfall gar nichts zahlen. „Wir werden niemanden abweisen, der sein Tier aus finanzieller Not abgibt“, verspricht Hackl. Es gehe viel eher darum, diejenigen zur Kasse zu bitten, die ihr Tier aus Bequemlichkeit loswerden wollen.

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