Auch das Frauenmuseum war ein Tatort: im Bild Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin.
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Auch das Frauenmuseum war ein Tatort: im Bild Gemälde und Plastiken von Cecilia Herrero-Laffin.

Geöffnete Werkstätten beim "Tatort Kunst"

Sehen, wo Kunst entsteht

Galerien, Ateliers und Werkstätten haben am Sonntag ihre Türen für Kunstliebhaber und Interessierte geöffnet. Grund für die Aktion: Der vergleichsweise hohe Altersdurchschnitt in der Landeshauptstadt macht es der Kunstszene dort oft nicht leicht.

Von Fabian Siegel

Der Kopf einer Frau. Simpel gezeichnet, nur ein paar Striche. Plötzlich öffnet das Gesicht den Mund – und schreit. Möglich macht das ein Laptop nebst Beamer, der das Kunstwerk an die Wand des Ateliers in einem projiziert. „Der Film entstand in Zusammenarbeit mit einem jungen Künstler, der meine Zeichnungen zum Leben erweckt hat“, sagt Petra von Breitenbach, eine von über 40 Künstlerinnen und Künstlern, die am Sonntag ihre Ateliers und Werkstätten in der Innenstadt geöffnet hatten.

Zusammenarbeit untereinander und eine bessere Vernetzung – das ist ein positiver Nebeneffekt der „Tatorte Kunst“, welche die Wiesbadener Kunstszene in diesem Jahr bereits zum vierten Mal für Kunstliebhaber geöffnet hatte. „Tatorte“, das sei ganz wörtlich zu nehmen, sagt von Breitenbach. „Die Menschen sollen sehen können, wo die Kunst entsteht.“
Geöffnete Werkstätten, gemeinsame Ausstellungen, volle Galerien, überall im Westen der Innenstadt – bei der Aktion ziehen die Wiesbadener Künstler an einem Strang.

„Das Verhältnis untereinander ist ausgesprochen gut“, sagt von Breitenbach. Das sei wichtig, um die Kunstszene in Wiesbaden immer wieder mit neuer Energie zu versorgen.

Denn das sei gar nicht so einfach, sagt Markus Quiring, der im gleichen Hinterhof, nur ein paar Meter weiter, die Modelle und Entwürfe seiner Arbeitsgemeinschaft präsentiert. Skizzen von Bühnen für öffentliche Parks hängen an den Wänden, das Modell einer Brücke steht auf dem Tisch. „Wir machen Kunst am Bau für den öffentlichen Raum“, erklärt Quiring. Überall in Deutschland haben er und seine Kollegen schon Bauwerke mit sozialer und kultureller Komponente geplant und errichtet – allerdings bislang nicht hier in Wiesbaden.

„Es ist nicht immer einfach, von der Kunst in Wiesbaden leben zu können“, sagt Quiring. Was er hier macht, macht er oft nur aus eigenem Interesse – ohne Auftrag. Eine richtige „Kunstszene“ finde man erst auf den zweiten oder dritten Blick. Der relativ hohe Altersdurchschnitt in der Landeshauptstadt mache es den Künstlern schwer, neue, junge Impulse zu bekommen. „Viele Kollegen ziehen deshalb in Kunstmetropolen wie Berlin, München oder Hamburg.“ Doch auch in Wiesbaden tue sich etwas, sagt Eva Raabe-Lindenblatt.

Ihre „Kunstwerkstatt“, die sie zusammen mit zwei Kolleginnen betreibt, stellt am Sonntag Bilder von Aquarellen bis Ölgemälde aus. Die Räume an der Wörthstraße sind voll mit Kunstinteressierten. „Jahr für Jahr besuchen mehr Leute die Tatorte“, sagt Raabe Lindenblatt. Im vergangenen Jahr waren es über 500. „Die Künstler sehen, gemeinsam können sie etwas bewegen. Und legen die Angst vor der Konkurrenz untereinander ab.“ Und jeder könne vom anderen profitieren.

Wie Petra von Breitenbach. Der Film mit ihren Zeichenfiguren war nur der Anfang, sagt die Künstlerin. Sie sei immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Zeichnungen weiterzuentwickeln. Wenn einer der Kollegen helfen kann, umso besser.

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