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Schuhmacher Andreas Baumbach in der Werkstatt.
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Schuhmacher Andreas Baumbach in der Werkstatt.

Schuhe

Schuhe für den Mann

Von wegen Schuhe interessieren nur Frauen. Andreas Baumbach fertigt Schuhe nach Maß. 98 Prozent seiner Kunden sind Männer, zur Hälfte Geschäftsleute.

Von Mirjam Ulrich

So richtig gut zu Fuß ist in Wiesbaden nur die Minderheit der Menschen. Zumindest beobachtet das Andreas Baumbach immer wieder. Als Schuhmachermeister schaut er automatisch allen auf die Schuhe. Viele Menschen trügen Modelle, mit denen sie keine längeren Strecken zurücklegen könnten, weil die Schuhe nicht bequem seien oder schlecht passen, sagt er. Viele liefen die Absätze so ab, dass sie schief gehen, „da reibt sich der Orthopäde schon die Hände.“

Auf seiner Werkbank liegt ein Paar schwarzer Herrenschuhe mit Lochmuster, die er gerade anfertigt. Für rahmengenähte Schuhe nimmt er beim Kunden Maß und lässt die Leisten aus Harzer Buche machen. Das Leder stammt aus Italien. In Deutschland gebe es keine Lieferanten mehr, die Schäfte in der Qualität liefern könnten. Für Maßschuhe sei das Beste gerade gut genug.

98 Prozent seiner Kunden sind Männer, zur Hälfte Geschäftsleute. Alle eint der Wunsch nach Schuhen, in denen sie sich wohlfühlen. „Viele Schuhe sehen nur im Regal gut aus, sind aber nicht gut tragbar“, weiß Baumbach. Für gewöhnlich kosten handrahmengenähte Schuhe etwa 3000 Euro, doch er entdeckte eine Methode, maßgefertigte Schuhe zu erschwinglicheren Preisen herzustellen: Ab 1050 Euro gibt es ein Paar. Beim ersten Mal kommen noch 400 Euro für die Leisten dazu. „Für Hightech-Produkte wie Kaffeeautomaten und Smartphones geben die Kunden auch viel Geld aus.“ Seine Schuhe halten lang, das mache sich bezahlt.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Maßanfertigung kann der Kunde die Schuhe zwischendurch anprobieren, Änderungen sind möglich. Seine Herstellungsmethode brachte Baumbach in Kursen anderen Schuhmachermeistern bei.

Familientradition seit 1901

Inzwischen sei sie deutschlandweit Standard, berichtet er. Die Nachfrage nach rahmengenähten Schuhen hat sich in seinem Geschäft seitdem mehr als verzehnfacht. Heute fertigt er 30 bis 40 Paar im Jahr an. Mehr schaffe er gar nicht, schließlich gehen die Reparaturen vor. Sie machen etwa 70 Prozent des Geschäfts aus.

Andreas Baumbach stammt aus einer Schuhmacherfamilie. 1901 gründete sein Urgroßvater Conrad Brill an der Moritzstraße eine Schuhmacherei. Zeitweise gab es in Wiesbaden vier Werkstätten, die von Familienmitgliedern betrieben wurden. Als Baumbach sich 1994 im Alter von 29 Jahren in Bierstadt selbstständig machte, waren es drei. Aufgrund der ununterbrochenen Familientradition darf sich sein Betrieb offiziell als älteste Schuhmacherei Wiesbadens bezeichnen. Seit fünf Jahren arbeitet auch seine Frau Monika, eine gelernte Schuhfachverkäuferin, im Betrieb mit.

Eigentlich wollte Baumbach Musiker werden, er spielte Klavier und Keyboard in einer Band. Er entschied sich, zur Sicherheit auch ein Handwerk zu erlernen. Auf dem Arbeitsamt schlug man ihm eine Lehrstelle als Schuhmacher am Staatstheater vor. Die Familie riet jedoch zunächst ab. „Aus den Kindern sollte schließlich einmal etwas Besseres werden“, sagt der 49-Jährige.

Am Theater entdeckte er seine Liebe zum Beruf. Zum einen lernte er dort unterschiedliche Epochen kennen, von der Römersandale bis zum Science Fiction-Schuh war alles dabei. Zum anderen profitierte er von den Fachsimpeleien mit seinen Verwandten. Obwohl er im zweiten Lehrjahr ein verlockendes Jobangebot vom Synthesizer-Hersteller Kawai bekam, blieb er dabei.

Mit 21 Jahren fertigte er sich das erste Paar Maßschuhe an, seither trägt er nur Eigenproduktionen, außer zum Wandern. Selbst dem Schuheputzen, das ihm als Kind so verhasst war, gewinnt er längst etwas ab: Zu seinen Lieblingsarbeiten bei einer Reparatur gehört, einen Schuh zu putzen und zu polieren, „so dass er wieder so aussieht, wie der Designer das gedacht hat.“

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