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Schüler schicken Protestbriefe

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Von: Ute Fiedler

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Eigentlich ist Kevin Romano (links)  und Maik Kühne nicht zum Lachen zumute. Fürs Foto machen sie eine Ausnahme.
Eigentlich ist Kevin Romano (links) und Maik Kühne nicht zum Lachen zumute. Fürs Foto machen sie eine Ausnahme. © Rolf Oeser

Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) will die August-Hermann-Francke-Schule, eine Förderschule, schließen. Der Grund: Wiesbaden wird zur Modellregion für Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen.

Ein ganz besonderer, dicker Stapel Papier liegt derzeit auf den Schreibtischen von Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) und Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP). „Ich finde es blöd, dass die Schule vielleicht geschlossen wird“, „Es gibt Kinder, die beste Freunde sind, und wenn ihr die Schule schließt, dann zerbricht die Freundschaft“, „Sie soll nicht abgerissen werden“ heißt es in den Briefen, die Schüler der August-Hermann-Francke-Schule an die beiden Politikerinnen geschrieben haben.

So protestieren die Jugendlichen gegen das Vorhaben von Henzler und Scholz, die Schule zu schließen. Beide wollen, dass Wiesbaden zur Modellregion für Inklusion wird, den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Die Konsequenz: Eine von drei Förderschulen der Landeshauptstadt müsste geschlossen werden, die Lehrer werden an die Regelschulen versetzt und sollen dort für den Ausbau des gemeinsamen Unterrichts zur Verfügung stehen. Henzler hatte sich bereits Mitte Februar für die Schließung der Francke-Schule ausgesprochen, doch darüber entscheidet letztendlich die Stadt.

Das ist der Plan, von dem Eltern, Schüler und Lehrer aus der Presse erfahren haben. „Wir waren geschockt, als wir die Artikel sahen“, sagt Lehrer Manfred Mayer. Und auch vielen Schülern ging dies nahe. „Wir hätten uns schon gewünscht, es auf andere Art und Weise zu erfahren“, sagt Schulsprecher Kevin Romano. Der 17-Jährige besucht seit 2008 die Francke-Schule, war zuvor auf anderen Schulen und kam dort nicht weit. Schwierigkeiten beim Lernen, schlechte Noten brachten ihn an seine Grenzen, er landete auf der Wiesbadener Förderschule. Jetzt macht er im Sommer seinen Hauptschulabschluss und ist glücklich, denn er hat eine Perspektive, die er ohne den Zuspruch seiner Lehrer und das besondere Förderkonzept nicht gehabt hätte. Da ist er sich sicher. Gerade deswegen empfindet er es als „ungerecht“, dass seine Schule jetzt geschlossen und abgerissen werden soll.

Eltern sorgen sich um ihre Kinder

Und so hat er das Schreiben mit zahlreichen Fragen zur Zukunft von Lehrern und Schülern unterschrieben, das irgendwo auf den Schreibtischen der Ministerin und der Schuldezernentin zu finden sein müsste.

„Klar sind nicht alle dafür, dass die Schule erhalten bleiben soll. Vor allem Schülern aus der Grund- und Mittelstufe ist es wahrscheinlich egal, was passiert“, sagt Maik Kühne, Klassensprecher der H3. „Manche wollen auch, dass man sie einfach abreißt, aber das wäre doof.“ Auch der 14-Jährige war zuvor auf anderen Schulen. Er weiß, wie es sich anfühlt, nicht weiterzukommen. „Hier fühle ich mich einfach wohl. Jeder hat die gleichen Stärken und Schwächen, man wird nicht gemobbt“, sagt er. Obwohl Maik seinen Hauptschulabschluss wohl noch an der Francke-Schule machen und von der Schließung nicht betroffen sein wird, will er, dass die Schule erhalten bleibt.

Unterstützung erhalten die Schüler von den Eltern, die sich mit einem offenen Brief unter anderem an Henzler und Scholz gewendet haben. Sie haben Angst, dass ihre Kinder an Regelschulen „gnadenlos untergehen“, dass sie keinen Abschluss schaffen und somit zu Verlierern einer Leistungsgesellschaft werden. Man habe die Kinder nicht zufällig auf eine Förderschule geschickt, sondern deswegen, weil sie eine Förderung brauchen, heißt es.

Eine Antwort haben sie noch nicht bekommen.

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