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Schöpfer mit Stift

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Von: Christina Franzisket

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Ob Märchengestalten, Fantasy oder politische Karikaturen: Wiesbadener Studenten präsentieren ihre Werke in einer Comic-Ausstellung auf dem Medien-Campus.

Gegen Ende des 38. Jahrhunderts herrscht Finsternis. Auf dem Kontinenten Eshor wüten Kriege, Barbaren sind auf Beutezug. Die junge Königin Lihaya versucht mit Hilfe ihres Leibwächters, ihr Volk vor der Bedrohung zu schützen. Ihr Gesicht ist ernst, sie wirkt stark. Doch der Blick zu ihrem Leibwächter verrät, wie verletzlich und schwach die junge Königin in ihrem Inneren sein kann.

Lihayas Schöpfer ist der 20-jährige Alexander Völkle. Er studiert Kommunikationsdesign an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und hat beim Comic-Seminar von Professor Boris Röhrl Königin Lihaya auf Papier zum Leben erweckt. „Diese Geschichte schwebt mir schon im Kopf herum, seitdem ich 15 bin“, sagt der Student, der selbst ein großer Comicfan ist.

Im vergangenen November bekamen zehn Studenten, die am Comic-Seminar teilnehmen, die Aufgabe, eine vorhandene oder selbst ausgedachte Geschichte als Comic zu zeichnen. „Die Aufgabe habe ich dieses Mal völlig frei gestellt, die Studenten sollten ihre Phantasie einsetzen und es hat wirklich gut geklappt“, sagt Röhrl. Die wichtigste Grundlage für ein gutes Comic sei eine gute Geschichte. „Sie muss spannend und tiefgründig sein“, sagt Völkle.

Zunächst mussten sich die Studenten also für eine Geschichte entscheiden und sie aufschreiben. Dann ging es an die Umsetzung. Die einen griffen ganz klassisch zu Papier und Stift. Andere, wie Völkle, machten sich mit Hilfe des Computers an die Arbeit. Mit Zeichentablett und Photoshop erschuf Völkle die düstere und brutale Welt um seine Heldin.

Ganz anders dagegen ist das Comic von Isabell Coltmann (25). Sie suchte sich das Märchen vom Däumelinchen aus. „Ich wollte ein Märchen zeichnen, dass noch nicht so oft visualisiert wurde, wie etwa Cinderella“, sagt sie. Mit einem sanften Bleistiftstrich zeichnete sie das winzige Mädchen, das aus einer Tulpe schlüpft, auf Papier. Es wurde so zart und niedlich, dass es jeden Betrachter anrührt und entzückt. „Die Zeichnungen eines Comics müssen eine Stimmung darstellen“, sagt Coltmann.

Für ihr Däumelinchen habe sie sich keiner Vorlage bedient. „Ich habe es so gezeichnet, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Auch Völkle hat seine Figuren selbst entwickelt, hat aber, was die Comic-Technik angeht, Vorbilder. „Den Sin-City-Schöpfer Frank Miller zum Beispiel, oder einige japanische Zeichner“, schwärmt der junge Künstler. Die Ausstellung im Glashaus des Mediencampus zeigt neben dem Däumelinchen und Königin Lihaya weitere spannende Comics der anderen Studenten.

Röhrl hat seinen Studenten bereits die nächste Aufgabe gestellt. „Sie sollen eine politische Karikatur zeichnen“, sagt er. Wegen des kürzlich verübten Terroranschlags in Frankreich auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ war das Geforderte den Studenten sofort ein Begriff. Coltmann freut sich über die Herausforderung. „Für eine Karikatur muss man Menschen genau beobachten und ihre persönlichen Merkmale übertrieben darstellen“, sagt sie. Eine Aufgabe, die einen spitzen Bleistift erfordert.

Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, 4. Februar, montags bis freitags, von 8 bis 18 Uhr, im Medien-Campus, Unter den Eichen 5, zu sehen.

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