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Schneeballsystem gegen Vorurteile

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Von: Ute Fiedler

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Integrationsdezernat bringt Maßnahmen zur Prävention gegen Extremismus auf den Weg.

Die Zuwanderung, die Aufnahme von Flüchtlingen, stellt die Landeshauptstadt vor große Herausforderungen. Es geht nicht nur darum, Wohnraum zu finden und Sprachkurse zu ermöglichen. „Integration kann nur dann passieren, wenn die Menschen miteinander reden, Vorurteile ab- und Brücken aufbauen“, sagte Imam Husamuddin Meyer gestern während einer Pressekonferenz im Rathaus.

Meyer ist Ethnologe und Islamwissenschaftler und arbeitet in der Muslimischen Gefangenenseelsorge. Seit Montag wirkt er zudem in der Kommunalen Beratungsstelle gegen Salafismus. Diese Beratungsstelle ist eines von drei Projekten, die das städtische Integrationsamt in Zusammenarbeit mit den Beteiligten der Plattform Extremismus initiiert hat. Ziel sei, präventiv gegen Extremismus zu wirken, erläuterte Integrationsdezernentin Rose-Lore Scholz (CDU). „Gegen jegliche Form von Extremismus, egal ob sie links-, rechtsextremistisch oder religiös-fundamentalistisch motiviert ist“, fügte sie hinzu.

Schüler und Lehrer präventiv eingebunden

Seit gestern sind nun Meyer oder ein Kollege des Darmstädter Vereins Vibis unter einer Hotline zu erreichen. Eine fixe Sprechzeit der Beratungsstelle gibt es, dienstags von 11 bis 13 Uhr. Außerhalb dieser Zeit sind die Mitarbeiter per Mail zu erreichen. „Innerhalb von 48 Stunden nach Eingang der Nachricht, werden wir antworten“, sagte Meyer. Einen ersten Anruf habe er bereits bekommen. Eine Anruferin habe wissen wollen, wie sie voll verschleierten Frauen begegnen solle, erläuterte er. Er habe geraten, nicht ablehnend zu reagieren, sondern den Kontakt zu suchen. „Sich kennenzulernen ist der beste Weg, um Vorurteile abzubauen.“

Den Akteuren geht es neben dem Abbau von Vorurteilen auch um Akzeptanz. So zielt das Projekt „X-Dream“, das von der Wiesbadener Jugendinitiative Spiegelbild betreut wird, auch darauf, „dass die Menschen sich trauen, ihre Position kundzutun“, sagte Hendrik Harteman von Spiegelbild. So werde diese verhandelbar und man könne sie entkräften oder stärken.

„X-Dream“ richtet sich an Schüler der Berufsschulen sowie weiterführenden Schulen. Dort gibt es laut Meyer bereits einige Verunsicherung. Es gebe Schüler, die mit Parolen wie „Lügenpresse“ provozierten. „Viele Lehrer sind damit überfordert, haben Angst, sich auf eine solche Diskussion einzulassen und sind oftmals auch nicht die Zeit dazu“, sagte Meyer.

Doch Harteman zufolge gehe es nicht ausschließlich um diese Probleme: „Wir gehen auch in die Schulen, weil wir die Menschen dort erreichen“, sagte Harteman, der darauf setzt, dass die Schüler ihre Erfahrungen zu Hause weitergeben. „Durch diese Art Schneeballsystem können wir viele ansprechen“, fügte Scholz hinzu. Der Verunsicherung entgegenwirken und die eigene Position stärken soll auch die dritte Komponente des Maßnahmenpakets: Inhaber der Jugendleitercard (Juleica) sollen zum Themenfeld Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus geschult werden. Die Schulung übernimmt der Verein ufuq.de. Schwerpunkt dabei sei die Förderung eines konstruktiven Umgangs mit religiösen und kulturellen Unterschieden, erläuterte Christian Böß von der Integrationsabteilung.

Fernes Ziel sei es, alle Juleica-Inhaber zu schulen, ebenso wie „X-Dream“ in allen Schulen durchzuführen, sagte Klaus Burgmeier, stellvertretender Leiter des Integrationsamts. Doch werde man zunächst abwarten, wie die Angebote angenommen werden. Man werde „X-Dream“ in diesem Schulhalbjahr während einer Pilotphase an fünf Wiesbadener Schulen anbieten. „Geplant ist zunächst, die Maßnahmen bis Ende 2016 laufen zu lassen. Dann werden wir auch sehen, wie viele Menschen die Beratungshotline angerufen haben, wie die Resonanz ist“, sagte Burgmeier.

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