Kulturelles Zentrum

Schlachthof feiert Richtfest

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Am 16. November wird das erste Konzert im neuen kulturellen Zentrum gegeben

Die Stimmung ist prima. So prima, dass Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) OB-Bürgermeisterkandidat und SPD-Fraktionsvorsitzenden Sven Gerich zu einem Tänzchen auffordert. „Sie strahlen so. Bei der Eröffnung tanzen wir. Das nennt man dann große Koalition.“ Tango sei doch gar nicht so schwer, sagt sie noch zu ihm, als die beiden aus dem Zelt am Schlachthof gehen, um dem Richtspruch des Poliers Benjamin Reidenbach zu lauschen. Doch Gerich winkt ab.

Der Schlachthof feiert Richtfest. Das erklärt die gut gelaunte Menschenmenge, die sich in der Murnaustraße versammelt. Schließlich bedeutet ein Richtfest, dass der Bau gut voran geht und dass sein Ende absehbar ist. „Rechtzeitig zum ersten Konzert am 16. November sind wir fertig“, sagt Andreas Guntrum, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Wiesbaden.

Die SEG betreut das Vorhaben und hatte Ende 2010, als die Veranstaltungshalle wegen zahlreicher Baumängel geschlossen werden musste, innerhalb weniger Tage ein neues Konzept entwickelt. Von einer „genialen Planungsidee“ spricht Guntrum, als er auf den denkmalgeschützten Wasserturm zu sprechen kommt. Der wird in das Konzept eingebunden, dort werden ab 2014 kleinere Konzerte stattfinden und Büroräume angesiedelt.

Man ist sich einig, dass es richtig war, die Tradition des Schlachthofs, laut OB Helmut Müller (CDU) ein Kleinod, weiterzuführen. Auch wenn man dafür neue Wege beschreiten und die alte Halle aufgeben muss. Das weiß auch Gerhard Schulz, Vorsitzender des Vereins Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden.

Man werde sicher noch die ein oder andere Träne vergießen, wenn dann die alte Halle abgerissen wird. „Aber wir trauern nicht um die Schönheit der Gebäude, sondern um die Geschichte, die man zu verlieren glaubt. Die führen wir trotzdem weiter.“ Mittlerweile überwiege jedoch die Freude auf das Neue, sagt er und zitiert einen Freund: „Vorwärts und nicht vergessen“.

Doch noch etwas stimmt Schulz fröhlich: die Signalwirkung, die der Bau des neuen Kulturzentrums hat. „Es ist außergewöhnlich, dass eine Stadt sich für ein solch soziokulturelles Zentrum so weit aus dem Fenster lehnt. Ich bin sicher, viele Städte werden jetzt auf Wiesbaden schauen.“

6,7 Millionen Euro zahlt die Stadt für den Neubau der Veranstaltungshalle. Dazu kommen rund 4,5 Millionen für die Sanierung des denkmalgeschützten Wasserturms. Doch soviel ist das neue Kulturzentrum der Stadt allemal wert. Schließlich sei der Schlachthof mehr als ein Veranstaltungsort. Hier sei die Stadt und das Kulturzentrum zusammengewachsen, sagt Rose-Lore Scholz, bevor sie Sven Gerich zum Tanz auffordert. Der hat noch bis zum 16. November Zeit, Tango tanzen zu lernen. Dann findet im Schlachthof das erste Konzert statt.

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