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Schiersteiner Brücke wächst

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Von: Arne Löffel

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Das Brückenteil wird  von einem Pontonboot auf dem Rhein zwischen Wiesbaden  und Mainz  zur Schiersteiner Brücke gebracht.
Das Brückenteil wird von einem Pontonboot auf dem Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz zur Schiersteiner Brücke gebracht. © dpa

Auf der Baustelle an der Schiersteiner Rheinbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden wird ein 120 Meter langes Verbindungsstück eingefügt.

Wer ein 2000 Tonnen schweres und 124 Meter langes Objekt bewegen will, braucht Kraft und Zeit. Von beidem reichlich, wie sich am Dienstag beim Einschwimmen eines riesigen Bauteils der Schiersteiner Brücke zeigte. Der Koloss aus Stahl, auf dem später drei Spuren der insgesamt sechsspurigen Fahrbahn asphaltiert werden sollen, überspannt den hier 120 Meter breiten Rhein zwischen dem Wiesbadener Ufer und der Rettbergsaue – einer Insel, von der aus sich ein weiterer Brückenteil auf die rheinland-pfälzische Seite anschließt.

Rund ein halbes Jahr wurde das Brückenbauteil am Wiesbadener Ufer laut Alexander Pilz, regionaler Bevollmächtigter Rhein-Main bei Hessen Mobil, aus vorgefertigten Stahlteilen zusammengesetzt. Es stellt ein wichtiges Verbindungsstück der Brücke dar, die den Verkehr von Wiesbaden nach Mainz aufnehmen soll.

In der Nacht zum Dienstag schoben Arbeiter das gigantische Brückenbauteil mit hydraulischen Pressen im Schneckentempo auf einem Schienensystem über einen am Flussufer liegenden Ponton. Am Dienstagmorgen schließlich, gegen 8 Uhr, wurde das Wasser aus dem Ponton gepumpt, der so das Brückenteil von den Schienen hob und schwimmend unter den Blicken der ersten Schaulustigen seine rund 300 Meter weite Reise in die Mitte des Flusses antreten konnte.

Bewegt wurde der Ponton mit Drahtseilen, die an den vier Ecken montiert und an eigens für die Aktion im Rhein verankerten Pfosten befestigt wurden. Riesige, mehr als 1000 PS starke Winden spannten die Drahtseile und manövrierten den Ponton mit dem Bauteil vom Ufer zur Brücke. Hier wurde es an Kränen befestigt, die es in die finale Position zwischen den bereits fertigen Brückenteilen hievten.

Und weil sich solch schwere Bauteile eben nur langsam bewegen, ist Alexander Pilz gegen 12 Uhr trotz Rückstand im Zeitplan ganz entspannt. „Der Rhein ist in diesem Abschnitt 24 Stunden für die Schifffahrt gesperrt“, sagt er bei Dauerfrost auf der alten Schiersteiner Brücke, die erst abgerissen werden kann, wenn die drei Spuren Richtung Mainz fertig sind.

Noch rauscht hier der Verkehr über die alte Autobahnverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden; 90 000 Fahrzeuge pro Tag. „Die aktuelle Verkehrsprognose geht für das Jahr 2030 von mehr als 100 000 Fahrzeugen aus. Wir rechnen mit einem Zuwachs des Güterverkehrs auf der Straße um 40 Prozent und des Individualverkehrs um 13 Prozent“, berichtet Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium bei einer Begehung der Baustelle. Der Bund finanziert das 216 Millionen Euro teure Bauprojekt, das im Jahr 2019 abgeschlossen sein soll.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erinnerte bei der Eröffnung eines Bürgerfestes anlässlich der spektakulären Bauarbeiten an die infrastrukturelle Bedeutung der Brücke: „Welche Folgen in unserem hoch belasteten Straßennetz der plötzliche Ausfall einer Verbindung haben kann, hat die zweimonatige Sperrung der Schiersteiner Brücke vor einem Jahr gezeigt.“

Nach etwa neun Stunden war das Bauteil provisorisch mit der Brücke verbunden, die eigentlichen Schweißarbeiten werden laut Pilz zwei Monate dauern.

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