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Der Schiersteiner Ortsbeirat wollte in diesem Haus gerne einen Treff für Jugendliche und Vereine einrichten.
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Der Schiersteiner Ortsbeirat wollte in diesem Haus gerne einen Treff für Jugendliche und Vereine einrichten.

Fritz-Brüderlein-Haus

Wut in Schierstein

Der Schiersteiner Ortsbeirat fühlt sich beim angestrebten Verkauf des Fritz-Brüderlein-Hauses von der Stadt Wiesbaden vor den Kopf gestoßen. Von Gaby Buschlinger

Von Gaby Buschlinger

Der gesamte Schiersteiner Ortsbeirat ist wütend. Und zwar auf die Jamaika-Koalition im Rathaus und auf die Rathausspitze. "Das ist ein Skandal, wie mit uns umgegangen wird", findet der stellvertretende Vorsitzende des Stadtteilparlaments, Walter Richters (Grüne). "Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt, nicht mal informiert, sondern erfahren alles erst aus der Presse", schimpft er. Ortsvorsteher Dieter Horschler (SPD) ist "schockiert". Und CDU-Mann Wilhelm Vogel ärgert sich: "Für was kämpfen wir, wenn wir noch nicht einmal gefragt werden?"

Hintergrund für die parteiübergreifende Empörung ist der von der Regierungskoalition im November überraschend beschlossene Verkauf des Fritz-Brüderlein-Hauses in Schierstein, der ehemaligen Saarstraßen-Grundschule, die von der Kerschensteinerschule als Außenstelle genutzt wird. CDU, FDP und Grüne wollen mit dem Verkaufserlös den Atrium-Neubau am Hauptsitz der Schule in der Welfenstraße finanzieren. Aus Geldmangel waren die Arbeiten daran mittendrin gestoppt worden.

Dabei hegen die Schiersteiner seit "mindestens 15 Jahren ", wie Horschler schätzt, den Wunsch, die alte Schiersteiner Schule in einen Treffpunkt für Jugendliche und in ein Haus der Vereine umzuwandeln. In Alt-Schierstein gibt es laut Richters keine Räume, in denen sich Jugendliche ohne Verzehrzwang und ungestört treffen können. In Schierstein-Nord könnten Jugendliche in der Auferstehungsgemeinde immerhin an drei Nachmittagen Billard spielen, kickern oder einen Computer nutzen. "Sowas brauchen wir auch in Alt-Schierstein", sagt Richters. Aber auch Vereine, die über keine Clubhäuser verfügen, und die Volksbildungsstätte könnten die Räume gut gebrauchen, beispielsweise für Kurse, m eint Horschler.

Die Begehrlichkeiten des Schiersteiner Ortsbeirats hat die Rathausspitze aber stets mit dem Hinweis, dass die Kerschensteinerschule die Außenstelle ja noch nutze, zurückgestellt. Doch jetzt, wo das Haus dank des Atrium-Neubaus am Berufsschulzentrum frei wird, guckt der Ortsbeirat in die Röhre. Keine Info, keine Bitte um Stellungnahme, schütteln Richters und Horschler den Kopf. Horschler ist bewusst, dass der Ortsbeirat nur ein Beratungsgremium ist. Aber weil die Koalition, ebenso wie Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), kaum eine Gelegenheit auslasse, um die Bedeutung der Ortsbeiräte hervorzuheben und deren "Kompetenz vor Ort" zu loben, fühlt sich auch Richters richtiggehend veräppelt.

Den Ortsbeirat interessiert, was das halb verschimmelte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude samt dem Schulhof überhaupt einbringen könne. Schließlich müsse ein Investor erst einmal eine erkleckliche Summe hineinstecken, um das Haus auf Vordermann zu bringen. Auch wofür es genutzt werden dürfe, ist unklar.

Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) wusste in Vertretung von Oberbürgermeister Müller auf diese Fragen auch keine Antwort. Welcher Verkaufserlös angepeilt sei und ob es Interessenten gebe, sei unklar, sagt Scholz. Der Ortsbeirat sei aus Zeitmangel übergangen worden. Die Koalition sei auf die Idee der Refinanzierung des Atrium-Neubaus der Kerschensteinerschule durch den Verkauf der Außenstelle gekommen. "Und das musste schnell gehen, damit die nötigen 1,9 Millionen Euro für den Neubau noch in den Haushalt aufgenommen werden konnten", ergänzt die Dezernentin.

Ortsvorsteher Horschler will jetzt eine erneute Erklärung von den Stadtoberen anmahnen. Und Richters will seine grüne Rathausfraktion ins Gebet nehmen: "So sollte und darf ,Jamaika´ nicht mit einem Ortsbeirat umgehen."

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