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Morscher Dachboden, wellender Fußboden: Auch an der Oranienschule müsste einiges dringend repariert werden. (Symbolbild)
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Morscher Dachboden, wellender Fußboden: Auch an der Oranienschule müsste einiges dringend repariert werden. (Symbolbild)

Schulen in Wiesbaden

Sanierungsstau an Wiesbadener Schulen

  • VonPeter H. Eisenhuth
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Das Bündnis Schulsanierung in Wiesbaden fordert mehr Geld im nächsten städtischen Doppelhaushalt, um den Verfall der Schulen zu stoppen.

In einer Wiesbadener Schule ist ein Großbrand ausgebrochen – und die Feuerwehr bekämpft die Flammen mit einer Handpumpe.

So in etwa stellen sich in der Landeshauptstadt die Schulsituation und die Bemühungen der Politik, der Probleme Herr zu werden, dar. Marode Gebäude, kaputte Dächer, defekte Heizungen, ekelerregende Toiletten: Auf mindestens 400 Millionen Euro beziffert das „Bündnis Schulsanierung“ den derzeitigen Sanierungsstau. Doch der städtische Doppelhaushalt für die Jahre 2018/19, den Kämmerer Axel Imholz (SPD) gestern Abend in der Stadtverordnetenversammlung einbrachte, sieht für die Beseitigung vorhandener Mängel lediglich 9 Millionen vor. „Wenn wir so weitermachen, wächst der Sanierungsstau in den nächsten 25 Jahren auf 700 bis 800 Millionen an“, kritisiert Michael Zeitz vom Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Risse, Schimmel, katastrophale Akustik

Von Rissen in den Wänden, Schimmel in Abzugsschächten der Chemielabore und katastrophaler Akustik wegen mangelhaften Schallschutzes berichtet Jean Velten, Schüler der Friedrich-List-Schule und Mitglied des Stadtschülerrates. „Darunter leidet auch die Motivation beim Lernen“, sagt er. Und darum gehe es den Mitstreitern vor allem, ergänzt Stadtschülersprecher Dominik Schuhmacher: „Wir wollen Bedingungen schaffen, unter denen Schüler gerne lernen.“ Diese Bedingungen seien an den meisten Wiesbadener Schulen nicht gegeben.

Abwiegler und Pädagogen sehr alter Schule mögen einwenden, Lernen solle nicht Spaß, sondern schlaumachen. An Hartmut Bohrers Aufzählung werden aber auch sie nicht vorbeikommen. Der Vorsitzende der Fraktion Linke&Piraten nennt Beispiele wie die Elly-Heuss-Schule, deren Sims wegen Unfallgefahr saniert werden müsse. Oder die Gutenbergschule, der ein zweiter Fluchtweg fehle.

Zwei von mehreren Beispielen, derentwegen das Schulamt, das inzwischen ja auch zum Beritt des Kämmerers gehört, eine Erhöhung der Sanierungsmittel im Doppelhaushalt auf 25 Millionen Euro anmahne. „Und da geht es nur um die überhaupt nicht mehr aufschiebbaren Fälle“, sagt Bohrer, der an die „Schulbauliste“ aus dem Jahr 2013 erinnert. Diese Liste habe das Schulamt auf die ersten 23 Projekte gekürzt – „und die haben schon ein Volumen von 100 Millionen Euro“.

Nicht berücksichtigt seien unter anderem die Oranienschule auf dem 52. Platz mit einem morschen Dachstuhl, eintretendem Wasser und einem sich wellenden Fußboden. Auch nicht die IGS Rheingauviertel mit Löchern im Dach, die Tauben zu Besuchen im Gebäude einladen, porösem Mauerwerk, nassen Wänden und einer Sporthalle, die mangels funktionierender Heizung im Winter geschlossen bleiben müsse. Derlei Mängel reichten nur zum 67. Listenplatz. Im Bündnis Schulsanierung sind sie sich einig: Stadt und Land müssen mehr Geld in die Hand nehmen, um den Verfall zu stoppen. „Unter ökonomischen Gesichtspunkten handelt es sich hier um die Vernichtung von Volksvermögen“, merkt Michael Zeitz an. „Da wäre es doch sinnvoll, Sonderkredite aufzunehmen, um die Gebäude zu retten.“

Harald Holtmann, Elternsprecher des Gymnasiums am Mosbacher Berg, ist einer von bislang 3400 Unterzeichnern der Online-Petition des Bündnisses. „Ich habe ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern“, sagt er. „Wenn ich die unter solchen Bedingungen arbeiten ließe, wie sie an den Schulen herrschen, würde mein Laden dichtgemacht.“

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