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Salz reicht nur noch zwei Tage

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Stop ohne Go. Am 18. Dezember ging auf der Wilhelmstraße in Wiesbaden so gut wie gar nichts mehr.
Stop ohne Go. Am 18. Dezember ging auf der Wilhelmstraße in Wiesbaden so gut wie gar nichts mehr. © FR/Hoyer

Der Wiesbadener Winterdienst in Wiesbaden rüstet sich für das angekündigte Schneetreiben am Wochenende - und bibbert, dass es nicht wieder zum Chaos kommt. Von Sonja Jordans

Von Sonja Jordans

Meteorologen warnen bereits seit einigen Tagen: Am Wochenende soll es zu teils heftigen Schneefällen kommen - auch in Wiesbaden. Bis zu 20 Zentimeter Neuschnee sind angekündigt. "Den Höhepunkt des Wintereinbruchs erwarten wir zwar erst für den Freitagabend und die Nacht zum Samstag", erläutert Marcus Beyer, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. "Doch bereits am Freitagmittag können in Wiesbaden Flocken fallen."

Was Schnee in der Landeshauptstadt anrichten kann, dürfte einigen Autofahrern noch lebhaft in Erinnerung sein: Am 18. Dezember - ebenfalls ein Freitag - versank die Stadt pünktlich zum Feierabendverkehr im Winterchaos (siehe Fotostrecke). Über Stunden hinweg ging auf den Straßen in und um Wiesbaden nichts mehr. Der Räumdienst kam kaum voran. Es bildeten sich kilometerlange Staus. Um so einen Ärger diesmal zu vermeiden, bittet die Stadt in einer Mitteilung, heute möglichst auf das Auto zu verzichten. Der Winterdienst werde wegen der zu erwartenden starken Schneefälle vor Probleme gestellt.

"Außerdem ist das Streusalz knapp. Wir können es deswegen nur begrenzt einsetzen", sagt Christian Engel, Leiter des Winterdienstes. Derzeit werde Salz nur noch an Autobahnmeistereien ausgeliefert, nicht mehr an Städte und Gemeinden. "Wir haben in Wiesbaden noch Salz für etwa zwei Tage, dann ist Schluss", so Engel. Der Winterdienst werde deshalb nur auf den Hauptverkehrsstraßen ein Salz-Splittgemisch streuen.

Fahrradwege werden in Wiesbaden gar nicht geräumt. "Es besteht keine Pflicht dazu", betont Engel. "Radfahrer können bei Bedarf auf die geräumten Straßen ausweichen." Das jedoch nennt Norbert Sanden, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Hessen, eine "Unverschämtheit". Denn: "Der geräumte Schnee sammelt sich am Fahrbahnrand, und da müssen dann die Radler durch." Außerdem sei es nicht nachvollziehbar, wieso es eine Radwegenutzungspflicht gebe, die Wege im Winter aber nicht geräumt werden. "Für die Landeshauptstadt ist das ziemlich peinlich", findet Sanden.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz dagegen sieht es anders aus. "Wir halten die Hauptradwege-Achsen frei", erläutert der Radfahrbeauftragte der Stadt, Harry Tebbe. "Schließlich sind viele Menschen auch im Winter auf das Rad angewiesen, sie brauchen freie Wege." Auch in Frankfurt seien die Wege laut Sanden geräumt.

Wiesbaden dagegen möchte die Hauptverkehrsstraßen für Autos freihalten. "Unsere 22 Räumfahrzeuge stehen bereit, und wenn es mit dem Schnee losgeht, fahren auch wir los", verspricht Christian Engel. Mehr Schneeräumer als sonst können allerdings nicht eingesetzt werden. "Es stehen keine weiteren Fahrzeuge und Mitarbeiter zur Verfügung." Denn diese müssten speziell für das Fahren mit den Schneeräumern ausgebildet sein. "Und solche Leute gibt es nicht bei Zeitarbeitsfirmen."

Marcus Beyer vom DWD blickt dennoch gelassen auf die angekündigte Schneefront. "Die Flocken an sich sind nämlich nicht das Tückische", weiß er. "Der Wind ist schlimmer." Teilweise würden stürmische Böen erwartet. Die ließen den Schnee dann so wirbeln, dass es mancherorts zu Schneeverwehungen kommen könne. Starke Beeinträchtigungen im Auto-, Bahn- und Luftverkehr könnten die Folge sein. Beyer rät: "Besonders in der Nacht zum Samstag sollte man am besten zu Hause bleiben."

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