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Salam kocht sich in die Herzen

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So lecker und vielfältig war das jüngste Promi-Dinner am 2. Oktober.
So lecker und vielfältig war das jüngste Promi-Dinner am 2. Oktober. © privat

Die katholische Kirchengemeinde Gemeinde St. Peter und Paul gewährt einem von Abschiebung bedrohtem Syrer mehrere Monate Asyl. Dem Asylantrag ist nun stattgegeben worden.

Von Irmela Heß

Er möchte nur „Salam“ genannt werden, nichts weiter. Der 43-jährige Syrer hat wie alle Flüchtlinge eine bewegte Geschichte hinter sich, aber im Gegensatz zu seinen Landsleuten führte sein Weg durch die katholische Kirche. Denn Salam wurde mehrere Monate lang Kirchenasyl gewährt; in der Wiesbadener Gemeinde St. Peter und Paul. Zu verdanken hat der Kurde das der Tatsache, dass er gerne kocht.

Denn da gibt es den Verein „Lobby für Toleranz, Genuss und Vielfalt“ von Benedikt Schwaderlapp, der seit Jahren einen internationalen Party- und Cateringservice betreibt und dort Flüchtlinge beschäftigt. Schwaderlapp, gelernter Theologe und Sozialarbeiter, hatte im Frühjahr die Idee für ein „Promi“-Dinner, bei dem die Flüchtlinge (als Promis) für Gäste kochen. Damals kochte auch Salam mit, der in seiner Heimat Bäcker, aber auch Friseur und Gewürzhändler war. Das Essen war damals übrigens ein voller Erfolg und wird deshalb Anfang November wiederholt. Salam wird dort nicht kochen, sondern eigene Gedichte auf kurdisch vorlesen, die der Kaplan der Gemeinde übersetzt hat.

Man kam ins Gespräch, lernte sich kennen, traf sich hin und wieder – und als Salam, der in einer Flüchtlingsunterkunft wohnte, im Mai die Abschiebung drohte, bat Schwaderlapp die Kirche um Asyl. Mit Erfolg.

„Es gab zwar in der Gemeinde einige Unsicherheiten und Ängste, ob wir uns strafbar machen, aber eine Nachfrage beim Anwalt beruhigte uns“, erzählt Judith Winkelmann, eine von den rund acht Gemeindemitgliedern, die den Kurden von da an unterstützten. „Und wir haben überlegt: Wie schaffen wir es, dass jemand, der eine solche Geschichte hinter sich hat, nicht depressiv wird.“ Aber alles klappte gut: Salam konnte nicht nur eine kleine Wohnung auf Kirchengrund beziehen, sondern dort auch im Garten helfen. Für ihn wurde eingekauft, er bekam Deutschunterricht. Und: Das Bistum schickte ein Härtefalldossier an das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Minijob von Schwaderlapp

Wegen des Krieges waren Salam und seine Familie aus ihrem Heimatort Malekia in die Türkei geflohen. Im September 2014 machte sich der vierfache Familienvater dann von dort allein auf den Weg Richtung Deutschland. In Bulgarien wurde er von den Behörden festgehalten und erfasst, reiste dann weiter und landete in einer Wiesbadener Gemeinschaftsunterkunft.

Das Kirchenasyl konnte er vor kurzem wieder verlassen, denn seinem Antrag auf Asyl wurde stattgegeben. Drei Jahre darf er sich nun in Deutschland aufhalten, darf auch seine Familie zu sich holen. Schwaderlapp hat ihm einen Minijob gegeben.

Ein Happy-End ist das für ihn noch nicht, denn seine Familie lebt nach wie vor in Istanbul. Und die Mühlen der Behörden mahlen langsam. Seine Frau hat jetzt einen Termin bei der deutschen Botschaft in Istanbul erhalten: für September 2016.

Salam lebt wieder in der Gemeinschaftsunterkunft – mit vier Männern in einem Zimmer. Er sucht eine Wohnung, die bezahlbar und groß genug für seine Familie ist. „Die Wohnungssituation ist ein Riesenproblem“, sagt Benedikt Schwaderlapp, selbst Vater von vier Kindern. Er hat er den Verein Lobby Wohnhilfe Wiesbaden gegründet, für den er weitere Mitstreiter sucht. Sein Ziel: ein genossenschaftliches Bauprojekt, das günstigen Wohnraum schafft. Der Verein wird auch die Wohnung für Salam anmieten und, bis seine Familie da ist, einzelne Zimmer untervermieten.

Schwaderlapp ist überzeugt: „Wir brauchen neues und anderes Wohnen in unserem Land. Und wenn die Politik hier versagt, müssen wir es selber in die Hand nehmen.“

Ein weiteres Promi-Dinner hat Schwaderlapp für Freitag, 6. November, 19 Uhr, organisiert. Der kulinarische Abend kostet für Erwachsene 22 Euro, ermäßigt zwölf Euro. Anmeldungen unter promidinner@t-online.de. Infos zum Wohnprojekt per Mail an lobby-wohnhilfe-wiesbaden@t-online.de.

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