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Ringen um Schulerhalt

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Das marode Gebäude der Carl-von-Ossietzky-Schule muss 2015 geschlossen oder saniert werden.
Das marode Gebäude der Carl-von-Ossietzky-Schule muss 2015 geschlossen oder saniert werden. © Michael Schick

Mit Leidenschaft setzen sich Lehrer, Eltern und Schüler für die Carl-von-Ossietzky-Schule ein. Im Raum steht eine Zusammenlegung der Oberstufengymnasien. Der Bau in Klarental ist so marode, dass er 2015 geschlossen oder saniert werden muss.

Von Jana Kinne

Es hängt ein Hauch von Revolution in der Luft bei der öffentlichen Sitzung des Schulelternbeirats am Mittwochabend in der Carl-von-Ossietzky-Schule. Es geht um die Zukunft. Und Schüler, Eltern und Lehrer sind bereit zu kämpfen. Banner haben sie gemalt, gelbe Aufkleber mit der Aufschrift pro CvO (Carl-von-Ossietzky Schule) prangen auf Jacken und Pullovern der Versammelten.

Fast scheint es, als würde die Schließung des Oberstufengymnasiums in Klarenthal kurz bevorstehen. Dabei hatte sich die Große Koalition im Juni für einen Erhalt der Schule ausgesprochen. Grund für die Schwierigkeiten ist das marode Schulgebäude. Wegen Baufälligkeit und mangelndem Brandschutz muss es 2015 geschlossen werden.

Eine Generalsanierung oder ein Neubau würden laut einem Gutachten Wiesbadener Architekten rund 20 Millionen Euro kosten. Vier Millionen Euro hat die Große Koalition für die Schule im Haushalt bereitgestellt, das würde laut Gutachten für den Funktionserhalt reichen. Die Großkoalitionäre CDU und SPD hatten sich jedoch nach langem Streit darauf geeinigt, zu prüfen, ob die Carl-von-Ossietzky-Schule als eigenständige Schule bestehen bleiben, räumlich aber mit dem zweiten Wiesbadener Oberstufen-Gymnasium, der Martin-Niemöller-Schule, zusammengelegt werden kann. In einem Mediationsverfahren sollte dies geprüft werden.

Das Verfahren brachte jedoch bisher keine Ergebnisse. In der Presse wurde berichtet, dass nun doch eine Zusammenlegung der beiden Schulen geplant sei.

Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) will sich zu den Spekulationen nicht äußern. „Wir gehen davon aus, dass wir das Verfahren relativ zeitnah, eventuell noch in diesem Jahr abschließen können“, sagt die Dezernentin. „Wir sollten die Ergebnisse des Mediationsverfahrens abwarten“, fordert sie.

Der Schulelternbeirat ist jedoch alarmiert und wirbt kräftig für den Erhalt der Schule. „Wenn wir mehr Schüler zum Abitur bringen wollen, brauchen wir die Plätze an den Oberstufengymnasien“, argumentiert Elternbeirätin Andrea Schobes. Gerade an der Ossietzky-Schule hätten auch Real- und Gesamtschüler gute Chancen, das Abitur zu machen, sagt Schobes. Schüler und Eltern pflichten ihr in dieser Feststellung bei. Sie sprechen von dem guten Lernklima und der familiären Atmosphäre an der Einrichtung, die sich durch ihre besonders vielfältige und auch engagierte Schülerschaft auszeichne.

Doch die guten Argumente für das Oberstufengymnasium könnten bald nicht mehr ausreichen. Aktuell informieren die weiterführenden Schulen in der Stadt Eltern über ihre Angebote. An der Ossietzky-Schule fürchtet man, dass die unsichere Zukunft Schüler abschrecken könnte. „Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Rektor Niko Lamprecht. Elternbeirat Peter Lamel pflichtet ihm da bei: „Man darf die Schule nicht am ausgestreckten Arm verhungern lassen.“

Die Ossietzky-Schule wird zur Zeit von 440 Schülern besucht. An der Martin-Niemöller-Schule, die an der Bierstadter Höhe neu aufgebaut wurde, gäbe es noch Platz für 240 weitere Schüler. Somit wären sinkende Anmeldezahlen ein guter Grund dafür, die Zusammenlegung der beiden Schulen zu forcieren.

Das wollen aber weder Eltern, Lehrer noch Schüler der Carl-von-Ossietzky-Schule. Zahlreiche Solidaritätsbekundungen werden am Mittwoch laut – sie kommen auch von politischer Seite. Sven Gerich, Fraktionsvorsitzender der Wiesbadener SPD, erklärt seine Solidarität mit der Schule: „Ich will, dass die Carl-von-Ossietzky-Schule an ihrem Standort erhalten bleibt“, sagt er und verspricht, sich beim Koalitionspartner CDU für eine schnelle und zufriedenstellende Lösung einzusetzen.

Auch Vertreter der Fraktionen von Linke&Piraten und Grünen sprechen sich am Mittwochabend für den Erhalt der Schule am bisherigen Standort Klarenthal aus und bieten Gerich an, im Stadtparlament gemeinsam für einen entsprechenden Antrag zu stimmen. Das lehnt der SPD-Kandidat jedoch ab – aus Rücksicht auf den Koalitionspartner CDU, der am Mittwochabend trotz Einladung keinen Vertreter geschickt hat. „Die Debatte ist noch nicht beendet“ – mit dieser Feststellung schließt Schulleiter Lamprecht die Versammlung.

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