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Im Rhein ruht ein Vulkan

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Thomas Engel vom Naturhistorischen Museum untersucht Gestein im Rheinbett.
Thomas Engel vom Naturhistorischen Museum untersucht Gestein im Rheinbett. © Bernd Eßling

Wissenschaftler untersuchen Gestein von der Insel Kisselwörth / Ausbruch vor 55 Millionen Jahren

Von Irmela Heß

Ein Vulkan vor den Toren der Stadt – ein spannendes Thema. Doch auch, wenn es sich ein bisschen so anhört: Gefahr droht den Menschen von Mainz und Umgebung durch den Vulkanrest nicht.

Steine von der Südspitze der Insel Kisselwörth im Rhein zwischen Nackenheim und Nierstein ließen Wissenschaftler schon vor Jahrzehnten stutzen, weil sie nicht so richtig in die Umgebung passten. Unter Leitung des Naturhistorischen Museums konnten Steine und Fundort schließlich genauer untersucht werden – dank des Niedrigwassers im vergangenen Jahr.

Tropischer Urwald

Mit folgenden Ergebnissen: Die Lapillituff-Steine, die charakteristisch für Vulkane sind, sind beim Ausbruch vor 55 Millionen Jahren entstanden, das Umgebungsgestein „Rotliegend“ (Namensgeber für den Roten Hang zwischen Nierstein und Nackenheim) wird auf rund 275 Millionen Jahre geschätzt.

Zur Zeit des Ausbruchs war das Klima anders als heute – es herrschte global ein Treibhausklima, und die Region war von einem tropischen Urwald bedeckt. Und auch die Erdoberfläche lag damals höher: Rund 300 Meter, so schätzen die Experten, wurden in Millionen Jahren abgetragen und ausgewaschen, so dass im Vulkanrest heute keine Seeablagerungen mit Fossilien mehr zu finden sind. Die Wissenschaftler sehen also heute nicht den oberen Kraterrand, sondern den Querschnitt des Vulkanschlotes, der zu seiner Entstehungszeit tief verborgen in der Erde lag.

Das Besonders am Kisselwörth-Vulkan – einem sogenannten Maar-Vulkan: Er liegt – als einziges bisher bekanntes Beispiel – genau auf einer bis tief in die Erdkruste reichenden Bruchfläche, einer sogenannten Störung oder „Grabenrand-Hauptverwerfung“, die heute den nördlichen Oberrheingraben im Westen begrenzt.

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass der Bruch in der Erdkruste bereits vor 55 Millionen Jahren „aktiv“ war, der Oberrheingraben begann sich aber erst vor rund 36 Millionen Jahren zu bilden. Entlang dieser Bruchfläche ist die damalige Landoberfläche abgesunken. Bereits früher wurden in unmittelbarer Nachbarschaft des Kisselwörth-Vulkans Reste von fünf weiteren Vulkanen gefunden – drei stromab im Rheinbett, einer bei Astheim und einer auf einer Anhöhe nördlich von Nierstein. Untersucht wurden sie bisher aber nicht.

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