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Rewe in Wiesbaden: Kräuter und Fisch vom Supermarktdach

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Von: Andrea Rost

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Basilikumpflanzen aus dem Erbenheimer Gewächshaus werden an 500 Rewe-Märkte geliefert.
Wiesbaden: Basilikumpflanzen aus dem Erbenheimer Gewächshaus werden an 500 Rewe-Märkte geliefert. © Michael Schick

In Wiesbaden hat Rewe seit einem Jahr einen Pilotsupermarkt. Das „Greenfarming-Konzept“ soll es jetzt auch an weiteren Standorten geben.

Wiesbaden – Der Rewe-Pilotsupermarkt in Erbenheim läuft ein Jahr nach seiner Eröffnung erfolgreich. Jetzt plant der Konzern das „Greenfarming-Konzept“ auch an weiteren Standorten. In Reih und Glied stehen die Basilikumpflanzen auf großen Tischen auf dem Dach des Rewe-Gebäudes in Wiesbaden-Erbenheim. 732.000 von ihnen sind seit der Eröffnung des Supermarkts an der Berliner Straße im Glashaus herangewachsen.

Bis aus den Samen eine stattliche Pflanze wird, die an Kundinnen und Kunden in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern verkauft werden kann, braucht es knapp vier Wochen. Fünf Menschen kümmern sich um die Kräuter, versorgen sie regelmäßig mit Wasser, das aus der ein Stockwerk tiefer liegenden Fischfarm stammt.

Rewe: In Wiesbaden gibt es Fisch vom Dach

Afrikanische Buntbarsche werden dort in 13 schwarzen Bottichen gezüchtet. Stecknadelkopf groß sind sie, wenn sie ins Wasser gesetzt werden, zwischen 400 und 600 Gramm wiegen sie nach sieben Monaten, wenn sie geschlachtet und an Rewe-Fischtheken im gesamten Rhein-Main-Gebiet geliefert werden.

Von einem „aquaponischen Kreislauf“ spricht Jannis Grothaus von „Frisch vom Dach“. Das Tochterunternehmen der Berliner ECF-Farm betreibt die Kräuter- und Fischzucht auf dem Erbenheimer Supermarktdach. Das Wasser für die Fischbottiche stamme aus der Regenwasserzisterne des Marktes.

Von den Fischen zu den Pflanzen: Auf dem Rewe-Dach in Wiesbaden funktioniert alles als Kreislauf

Das Ammonium, das die Fische durch ihre Ausscheidungen produzieren, werde mittels Bakterien zu Nitrat umgewandelt, das die Basilikumpflanzen dünge. Die CO2-reiche Luft aus der Fischzucht werde ins Gewächshaus geleitet, um das Pflanzenwachstum zu beschleunigen, berichtet Grothaus. Seit kurzem würden auch Petersilie und Dill auf dem Dach angebaut. „Wir wollen das Angebot ausweiten.“

Pilot-Rewe in Wiesbaden

Der Erste in Europa: Der Rewe in Wiesbaden-Erbenheim ist der erste in Europa, der den Verkauf mit einer ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion auf dem Dach kombiniert.

Lebendiges Dach: Auf dem Rewe in Wiesbaden ist eine Aquaponikfarm. Hier leben Barsche Seite an Seite mit Basilikumpflanzen.

Blühender Parkplatz: Zwischen den Parkplätzen in Wiesbaden befinden sich Blühflächen. In dem Rewe-Markt selsbt wurde vor allem Holz verbaut.

Bei einem Termin für Presse und Politik, zu dem auch Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) und der Wiesbadener Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Oliver Franz (CDU) gekommen waren, sprach der Vorsitzende der Geschäftsleitung Rewe-Mitte, Jürgen Scheider, gestern von einer Erfolgsgeschichte.

Umsatz auf hohem Niveau in Wiesbaden: Rewe als „Store of the year 2022“ ausgezeichnet

„14 Monate nach der Eröffnung bewegt sich der Umsatz des Erbenheimer Markts bereits auf einem Niveau, das für das dritte Jahr geplant war“, sagte Scheider. Kund:innen reisten bis zu 30 Kilometer weit an. Mit 2000 Produkten sei das Angebot regionaler und biologischer Lebensmittel besonders groß.

Stefan Zizek, der zunächst als Marktleiter angestellt war, ist seit 1. Juli selbstständiger Betreiber. Der Handelsverband Deutschland hat den Erbenheimer Supermarkt mit dem Titel „Store of the year 2022“ ausgezeichnet. Von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen soll er als Green Building demnächst mit der Platin-Plakette zertifiziert werden.

Rewe-„Musterbau“: In Wiesbaden fällt Tageslicht auf die Verkaufsfläche

Für den Rewe-Konzern ist der Erbenheimer Markt ein „Musterbau“. Er ist aus zertifiziertem Lärchen- und Fichtenholz errichtet, durch das Glasdach des Atriums fällt Tageslicht auf die Verkaufsfläche und reduziert den Energieverbrauch für künstliche Beleuchtung. Holzdecke und Stützen im Inneren des Gebäudes erinnern an eine Markthalle.

„Der Raum wirkt weniger anonym, die Menschen mögen das“, sagt Architekt Friedrich Ludewig. 30 bis 40 Supermärkte nach dem Erbenheimer Vorbild wolle der Konzern in den nächsten Jahren errichten, kündigte Jürgen Scheider an. Kurzfristig soll in allen sieben Rewe-Verkaufsregionen ein Greenfarming-Markt in nachhaltiger Bauweise entstehen. (Andrea Rost)

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