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Revolver in der Handtasche

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4090 Wiesbadener haben eine Waffenbesitzkarte. Sie sollen  alle drei Jahre überprüft werden.
4090 Wiesbadener haben eine Waffenbesitzkarte. Sie sollen alle drei Jahre überprüft werden. © ddp

1000 illegale Waffen haben die Wiesbadener Bürger beim Ordnungsamt abgegeben. Die Stadt plant jetzt auch Kontrollen bei legalen Besitzern. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Die Frist für die straffreie Abgabe nicht gemeldeter Waffen ist zum Jahreswechsel 2009/2010 bundesweit abgelaufen. In Wiesbadener Ordnungsamt wurden bis zum 31. Dezember rund 1000 nicht registrierte Waffen abgeliefert, teilte die Stadt mit.

Allerdings gibt es noch eine Vielzahl legal angemeldeter Waffen in der Landeshauptstadt, die sich in Privatbesitz befinden. Die Waffen, die beim Bundeskriminalamt, Landeskriminalamt und den Polizeistationen für Einsätze lagern, sind nicht beim Ordnungsamt meldepflichtig.

Nach Auskunft der Stadt verfügen in Wiesbaden 4090 Einwohner über eine Waffenbesitzkarte, auf der auch mehrere Schusswaffen eingetragen sein können. Wie viele Exemplare legal in Umlauf sind, kann die Stadt nicht sagen.

Die ältere Dame, die noch vor Ablauf der Frist mit einem Trommelrevolver in der Handtasche beim Ordnungsamt erschien, war eine dieser Waffenbesitzerinnen, die sich eines älteren, nie registrierten Familienstücks entledigen wollten. Allerdings waren die Mitarbeiter im Rathaus doch erschrocken, als die Frau den Revolver auf den Tisch legte. In der Trommel befanden sich sechs Schuss Munition, eine Patrone steckte noch zusätzlich im Lauf. Professionelle Waffenträger erhöhen so die Feuerkraft vor dem Nachladen um einen Schuss. Zudem hatte die Frau ihre Waffe entsichert ins Rathaus getragen.

Was gefährlich hätte enden können, wurde im Ordnungsamt rasch gelöst. "Denn dort war Vorsicht angesagt. Alle rund 1000 Waffen wurden gesichert und fachgerecht entladen, " erläuterte Stadtsprecher Siggi Schneider. So war es auch bei dem Revolver der alten Dame.

Gefährlich sind aber noch die ganz legalen Waffenvorräte in der Stadt. Über die Dunkelziffer wagt niemand eine Aussage. "Über 4000 Waffenbesitzkarten, das sind viel zu viele für eine Stadt wie Wiesbaden", findet Jürgen Aschenbrenner, Mitglied im Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Personalrat im Polizeipräsidium Westhessen. Die GdP hält Angaben über die Zahl der Waffenbesitzkarten für wenig aussagekräftig. Klarheit schaffe erst die Kenntnis, wie viele Waffen auf einer solchen Karte eingetragen sind.

Neben der Waffenbesitzkarte gibt es noch den Waffenschein, der zum Führen einer Waffe berechtigt, und eine Sondererlaubnis, die Sportschützen den Transport ihrer Gewehre oder Pistolen vom heimischen Waffenschrank - hoffentlich darin vorschriftsmäßig gesichert - zu sportlichen Ereignissen erlaubt. Dazu müssen Waffen und Munition extra verpackt sein. Die Waffe darf auch nicht griffbereit im Auto liegen.

Die Stadt weist die legalen Waffenbesitzer schon vorsorglich darauf hin, dass nun alle drei Jahre eine "Zuverlässigkeitsprüfung für die Inhaber waffenrechtlicher Erlaubnisse" fällig sein wird. Waffenbesitzer müssen dafür eine Mindestgebühr von 25,56 Euro bezahlen.

Der Polizei, so Aschenbrenner, sei es wichtig, alle Waffen ordentlich zu erfassen, damit man wisse, wie viele Exemplare ganz legal in Umlauf sind. Dass ein illegaler Waffenbesitzer nun seine Pistole registrieren lässt, gilt bei Stadt und Polizei als höchst unwahrscheinlich.

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