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Reparieren statt wegwerfen

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Die Schneiderin Naeema Rahat ändert eine Jeans.
Die Schneiderin Naeema Rahat ändert eine Jeans. © Michael Schick

Im Repair-Café on Tour richten Freiwillige im Umweltladen kaputte Dinge wieder her. Gemeinsam reparieren die Teilnehmer defekte Alltagsgegenstände, Elektrogeräte, Spielsachen und Kleidung.

Von Mirjam Ulrich

In der Luft liegt der Geruch von Kaffee und heißem Lötzinn. Auf einigen Tischen stehen Kuchen und Kürbisstrudel, auf anderen Nähmaschinen oder Handwerkszeug. Der Umweltladen an der Luisenstraße ist am Samstagmittag voller Menschen: Zum ersten Mal macht dort das mobile Repair-Café on Tour Station. Gemeinsam reparieren die Teilnehmer defekte Alltagsgegenstände, Elektrogeräte, Spielsachen und Kleidung. „Wir wollen damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten“, erläutert Manfred Rosental. Er engagiert sich in der Initiative „Transition Town Wiesbaden im Wandel“, die bereits im Westend im „Anderswo“ ein Repair Café ins Leben gerufen hat.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das nichtkommerzielle Projekt leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Wer handwerklich nicht so geschickt ist oder wem die entsprechenden Kenntnisse fehlen, bekommt Anleitung und Hilfe von Fachleuten wie Naeema Rahat. Die Schneiderin floh vor zwei Jahren aus ihrer Heimatstadt Ribwa, weil in Pakistan die Angehörigen der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinschaft verfolgt werden. „Arbeit ist eine gute Ablenkung“, sagt die 27-Jährige und schneidet ein Stück von einer Jeans ab. Sie ändert zwei Hosen für Nura Nasir aus Eritrea. Sie sind der schlanken Frau zu weit und zu lang. „Ich kann nicht gut nähen“, erzählt die 29-jährige Mutter von zwei Kindern, die aus Mhyau stammt. Naeema Rahat lässt die Nadel der Nähmaschine über den Stoff flitzen.

„Es geht hier auch darum, vorhandene Fähigkeiten zu teilen und ins Gespräch zu kommen“, sagt Manfred Rosental. Zusammen mit Klaus Wollner stellte er das Repair-Café auf Räder, um gemeinsam für und mit geflüchteten Menschen in Wiesbaden aktiv zu werden. „Nur in der Flüchtlingsunterkunft herumzusitzen ist langweilig und frustrierend.“

Repair-Café als Ort der Begegnung

Die beiden Männer und die anderen sechs regelmäßigen Helfer luden Handwerkszeug und Nähmaschinen in einen Transporter und fuhren zur Flüchtlingsunterkunft an der Hollerbornstraße. Es habe keine halbe Stunde gedauert, bis Frauen an den Nähmaschinen saßen, berichtet Manfred Rosental. Mit mehrsprachigen Faltblättern wirbt das mobile Repair-Café dafür, mitzumachen. Es arbeitet mit dem Umwelt- und Sozialdezernat zusammen. Der Kreis der Einheimischen und Neuankömmlinge, die sich begegnen, erweitert sich durch das monatliche Reparaturangebot im Umweltladen.

Dort tüftelt der Elektroingenieur Martin Wellsandt am Plattenspieler von Christian Cook. Er höre lieber Platten als CDs, sagt der Wiesbadener. Leider sei der Geschwindigkeitsregler kaputt und Ersatzteile gebe es für das Gerät keine mehr. Wellsandt behebt für ihn den Defekt: „Es macht Spaß, Sachen wieder zum Laufen zu bringen, und man kann anderen damit etwas Gutes tun.“ Cook freut sich. Er findet es gut, dass dank Repair Cafés Geräte nicht auf dem Müll landen.

Müll und Wertstoffe gehören zum Arbeitsalltag von Christine Schulte von der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde. Sie ist eigens nach Wiesbaden gekommen, um sich Tipps zu holen. „Wir planen etwas Ähnliches mit Flüchtlingen und wollen das Wiesbadener Projekt als Blaupause nutzen.“ Unterstützung braucht auch das mobile Repair Café. Es benötige Geld- und Sachspenden wie Werkzeuge, Nähmaschinen, Bügeleisen und -bretter, sagt Rosental. „Außerdem suchen wir Lagerräume und Kleintransporter, die wir mitbenutzen können.“

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