Neues Anflugverfahren

Ein Reißverschluss am Himmel

OB Müller und Dezernent Goßmann begrüßen neues Landeverfahren / Grüne kritisieren: Entlastung minimal

Von Franziska Richter

Ein neues Anflugverfahren soll die Lärmbelastung durch landende Flugzeuge verringern. Dies hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) mitgeteilt. „Point Merge“ heißt die Technik, bei der die Flugzeuge in relativ großer Höhe gesammelt und anschließend kontinuierlich sinkend wie beim Reißverschlussverfahren zur Landung geleitet werden. Das Verfahren wird zurzeit am Flughafen in Oslo getestet. Da die Anflüge in größerer Höhe geführt würden, könnten auch die Abflüge schneller an Höhe gewinnen und am Boden weniger Lärm verursachen, heißt es von der DFS.

Entlastung im Januar erwartet

Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD) begrüßen die Pläne der Deutschen Flugsicherung: „Vor allem erwarten wir von der kurzfristigen Einführung des kontinuierlichen Sinkflugverfahrens eine erste Entlastung bereits im Januar.“

Der Oberbürgermeister betonte, in seinen Augen sei mit der Einführung des „Point Merge“-Verfahrens „eine der beiden Kernforderungen der Stadt ein gutes Stück erfüllt.“ Die Flugzeuge würden gerade auf den Gegenanflugstrecken ohne Triebwerkslärm sinken, „sozusagen im Segelflug.“

Das sehen die Wiesbadener Grünen anders: Die Freude von Müller und Goßmann über die Ankündigung der DFS, das neue Anflugverfahren einzuführen, sei „verfrüht und überzogen“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Ronny Maritzen.

Flugbewegungen nehmen zu

Die Ankündigung der DFS rieche nach „Augenwischerei“, die die Bürgern glauben machen solle, man könne durch veränderte Landemanöver die Belastung „wirklich relevant verändern.“

Die Einführung des „Point-Merge“-Verfahrens könne nur eine minimale Entlastung bringen, aber „für die Kommunen und Städte zwischen Offenbach und Mainz wird sich so gut wie nichts an der Situation ändern.“ Maritzen fordert daher von Müller und Goßmann, etwas gegen die Zunahme der Flugbewegungen von 85 auf 126 in der Stunde zu tun.

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