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Raum zum Ankommen

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Von: Christina Franzisket

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Für 260 Flüchtlinge hat die Stadt Wiesbaden zusammen mit der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) innerhalb von drei Monaten ein Containerdorf in Biebrich aufgebaut. Bezugstermin ist im Januar.

Nackte, weiße Wände, ein Stockbett aus Metall, ein Tisch, zwei Stühle, zwei Spinde. Gemütlich sind sie nicht, die Zimmer der Containerbauten in der Otto-Wallach-Straße. Aber darum geht es nicht. Die Flüchtlinge, die aus den Krisenregionen der Welt nach Deutschland und auch nach Wiesbaden kommen, brauchen erstmal ein Dach über ihren Köpfen, einen Ort zum Ankommen.

Für 260 Menschen hat die Stadt Wiesbaden zusammen mit der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) innerhalb von drei Monaten ein Containerdorf in Biebrich aufgebaut. Mitte Januar werden voraussichtlich die ersten Flüchtlinge hier einziehen. „Wer das sein wird, können wir aber noch nicht sagen. Das erfahren wir erst etwa eine Woche vorher“, sagt Bürgermeister und Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD).

Da immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, wächst der Druck auf die Kommunen, Unterkünfte bereitzustellen. Laut Goßmann stieg die Zahl der Neuankömmlinge in Wiesbaden in den vergangenen vier Jahren enorm. „2010 kamen 39 Flüchtlinge und im kommenden Jahr rechnen wir mit über tausend“, sagt Gossmann.

Deshalb werde im Amt für Soziale Arbeit unter Hochdruck nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Eine große Sammelunterkunft für Flüchtlinge gibt es bereits seit vielen Jahren an der Mainzer Straße. „Doch die ist mit 350 Menschen schon voll belegt“, sagt Matthias Betanski, Leiter der Arbeitsgruppe Sozialdienst Asyl. Weitere Sammelunterkünfte konnte die Stadt in einem alten Krankenhaus nahe dem Toni-Sender-Haus in Biebrich und in einer alten Polizeistelle in Kastel einrichten. „Hier sind einmal 58 und einmal 56 Flüchtlinge untergebracht“, sagt Betanski. Neben den Sammelunterkünften mietet die Stadt zusätzlich Wohnungen an, um Flüchtlinge unterzubringen. „Es wird häufig nach dezentraler Unterbringung verlangt. Und die bieten wir bereits, jedoch funktioniert es nicht für alle“, sagt Goßmann.

Dass Wohnraum für Flüchtlinge dringend nötig sein würde, wusste man in Wiesbaden schon im August 2014. Da fiel nämlich der Beschluss, das Containerdorf in der Otto-Wallach-Straße zu bauen. „Am 6. Oktober haben wir Baurecht erhalten und am 7. Oktober rollten hier die ersten Bagger an“, sagt Michael Frank, Projektentwickler bei der SEG. „Gut, dass wir so zeitig angefangen haben“, meint Frank. „Derzeit haben nämlich die Containerfirmen wegen großer Nachfrage Lieferschwierigkeiten und es gibt lange Wartezeiten.“

Nur zweieinhalb Monate, nachdem die ersten Bagger rollten, sind die Container nun bezugsfertig. Der Geschäftsführer der SEG, Roland Stöcklin, präsentiert das Ergebnis. Die Einheiten sind zweigeschossig. Im Erdgeschoss befinden sich jeweils 18 Doppelzimmer, im ersten Stock sind es 17 Doppelzimmer und ein Technikraum. „Wir haben uns für Doppelzimmer entschieden, da wir damit am flexibelsten sind“, sagt Betanski. Bei der Belegung der Zimmer werde darauf geachtet, dass Paare oder Familien mit kleinen Kindern ein gemeinsames Zimmer bekommen. Männer und Frauen würden ansonsten getrennt untergebracht und bei Einzelpersonen, die sich ein Zimmer teilen, werde darauf geachtet, dass sie miteinander zurecht kommen.

Jedes Stockwerk hat zwei Bäder mit Duschen und zwei Toilettenräume, „jeweils ein Bad für Männer und eins für Frauen“, erklärt Stöcklin. Außerdem gibt es zwei Küchen pro Geschoss. „Es sind Industrieküchen aus Edelstahl, extra für eine intensive Nutzung gedacht“, sagt Stöcklin.

Im Inneren der Containersiedlung wurde eine freie Fläche angelegt. Die wird zur Zeit noch gestaltet. „Da kommen eine Schaukel hin und ein Basketballkorb“, sagt Goßmann. Außerdem werde die Anlage begrünt, verspricht Frank. Im Erdgeschoss eines Containerblocks befinden sich zwei Aufenthaltsräume, Waschräume sowie die Büros für Hausmeister und Sicherheitsdienst. „Ein Hausmeister und der Sicherheitsdienst werden rum um die Uhr vor Ort sein“, sagt Betanski. Mit der Firma, die hier den Sicherheitsdienst stellen wird, arbeite die Stadt bereits seit 20 Jahren zusammen und habe gute Erfahrungen gemacht, versichert er.

Erst vor gut einer Woche habe die Stadt Nachbarn, ortsansässige Kirchengemeinden sowie Vereine zur Besichtigung der Containeranlage in Biebrich eingeladen, erzählt Betanski. „Das Interesse war überwältigend“, sagt er.

Überhaupt freue er sich sehr über die große Bereitschaft der Wiesbadener und Wiesbadenerinnen, Neuankömmlinge willkommen zu heißen. „Viele bieten ihre Hilfe an“, sagt Betanski. Er habe bereits in den 90er Jahren für den Sozialdienst Asyl der Stadt gearbeitet und damals schon eine Flüchtlingswelle erlebt. „Da gab es nicht so eine Offenheit und Hilfsbereitschaft“, erinnert er sich. Alle Hilfsangebote würden von der Stadt aufgenommen, verspricht er. Doch er bittet auch die Bürgerinnen und Bürger darum, sensibel zu sein. „Sie sollten nicht einfach in die Containersiedlung hereinlaufen, um Hilfen anzubieten. Am besten melden sie sich mit Angeboten beim Sozialdienst der Stadt.“ Von Januar an werde es eine Zentrale Koordinationsstelle für Hilfen geben, sagt Betanski. Nachbarn, Kirchengemeinden und Vereine aus Biebrich wollten zudem einen runden Tisch organisieren und so die Hilfe bündeln. „Am meisten würden uns Menschen helfen, die sich zutrauen Deutschkurse zu geben“, sagt Betanski.

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