Wasserschutzpolizei auf dem Rhein bei Wiesbaden.
+
Wasserschutzpolizei auf dem Rhein bei Wiesbaden.

Wiesbaden Unfall Rhein

Rätsel um Tod eines Kanuten

  • Regine Seipel
    vonRegine Seipel
    schließen

Der 66-Jährige, der am 16. Oktober im Rhein bei Wiesbaden starb, galt als erfahrener Wassersportler. Allerdings gilt die Strömung des Flusses im Bereich der Landeshauptstadt teilweise als unberechenbar.

Der 66-Jährige, der am 16. Oktober im Rhein bei Wiesbaden starb, galt als erfahrener Wassersportler. Allerdings gilt die Strömung des Flusses im Bereich der Landeshauptstadt teilweise als unberechenbar.

Bei den Vereinskollegen sitzt der Schock tief. Der Kanufahrer, der gestern im Rhein bei Wiesbaden ertrank, „war ein sehr erfahrener Paddler“, sagt Günter Renschin, ehemaliger Vorsitzender des Wassersport-Vereins Schierstein. Dort war der Verunglückte, ein 66-jähriger Mann aus Wiesbaden, langjähriges Mitglied, seinem Enkel habe er am Schiersteiner Hafen das Paddeln beigebracht, wie Renschin erzählt.

Warum er starb, ermittelt derzeit die Polizei. Gegen 14 Uhr war er mit seinem Kanu, einem Seekajak, der als besonders sicher gilt, so Renschin, zu seiner täglichen Tour um die Rettbergsaue, einer Insel auf dem Rhein, aufgebrochen. Am Abend suchte ihn seine Frau im Vereinsheim. „Die Kleidung hing im Umkleideraum, wir haben sofort die Rettungskräfte alarmiert“, sagt Renschin. Mit mehreren Booten, einem Hubschrauber und Feuerwehren wurde die Suche eingeleitet. Gegen 21 Uhr fanden die Einsatzkräfte zunächst sein Boot, kurz danach den Mann. Ein Notarzt versuchte ihn zu reanimieren, er wurde in die Uniklinik Mainz gebracht, wo er verstarb, so der Polizeibericht.

"Keine kritische Stelle"

Renschin kann keinen Grund dafür finden. Die Strecke sei für Geübte nicht besonders gefährlich gewesen. Viele Kanufahrer und Ruderer aus Mainz und Wiesbaden seien auf dem Flussabschnitt unterwegs, auf dem nur kleine Schiffe fahren. „Mit einer Unfallsituation hätte er zurechtkommen müssen“, glaubt Renschin.

Der Leiter der Ermittlungsgruppe der Wasserschutzpolizei, Station Wiesbaden, Michael Spahn, bestätigt: „Das ist keine kritische Stelle.“ Zwar müsse die Wasserschutzpolizei gelegentlich in Not geratenen Kanufahrern helfen. „Es kommt ab und zu vor, dass jemand nach dem Kentern nicht mehr ins Boot kommt, dann bringen wir ihn an Land.“

Regeln rekapitulieren

Dennoch sei der Rhein kein Gewässer für Anfänger, sagt Manfred Gleich, vom Frankfurter Kanu-Verein, einem der ältesten Kanuvereine Deutschlands. Die starke Strömung „ist nicht ungefährlich“, erklärt er, es entstünden bis zu eineinhalb Meter hohe Wellen, die von der Seite kommen und daher einen sicheren Umgang mit dem Boot erfordern.

Klare Regeln für die Sicherheit gibt es im Wassersport-Verein Schierstein schon lange. Von Oktober bis April bestehe Schwimmwestenpflicht. Die Anfänger trainieren nur am Hafen, Gruppen, die den Strom überqueren, werden von Begleitbooten eskortiert. „Es müssen immer erfahrene Kanuten dabei sein“, sagt Renschin Im Gegensatz zu den Sportgruppen sind Wanderfahrer oft allein unterwegs. „Sie müssen verantwortlich fahren.“ Der tragische Unfall sei jetzt auch ein Anlass „alles, was wir an Regeln haben, noch mal zu rekapitulieren“, sagt Günter Renschin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare