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Ein Prozent für Spitzensportler

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Sportliche Höchstleistungen verbinden Nationen.
Sportliche Höchstleistungen verbinden Nationen. © rtr

Hochschulen in Hessen sollen Studienplätze für Spitzensportler reservieren können. Einen entsprechenden Passus will die Landesregierung im Hochschulgesetz verankern. Die Hochschule Rhein-Main hat schon jetzt namhafte Athleten unter ihren Studenten.

Von Steffen Boberg

Der Präsident der Hochschule Rhein-Main, Detlef Reymann, lobt die sportlichen Leistungen seiner Studenten. 30 Sportlern und Kaderathleten spricht er einen Dank für die Vertretung der Hochschule aus. Staatssekretär Ingmar Jung kündigt bei dem Empfang auf dem Campus Kurt-Schumacher-Ring ein Gesetz an, dass die Bedingungen für eine Profilquote an hessischen Hochschulen schafft.

Im schwarz-grünen Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass Sportlern eine „duale Karriere“ ermöglicht werden soll. „Das ist praktisch eine Zusage für die Profilquote. Das Gesetz kommt“, sagte Ingmar Jung (CDU), Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Damit schaffe man die gesetzliche Grundlage, die es hessischen Hochschulen erlaubt, ein Prozent ihrer Plätze in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen für Spitzensportler zu reservieren. 2015 will die Landesregierung das Gesetz im hessischen Hochschulgesetz verankern. Die Einführung einer solchen Quote für Athleten der A-, B- und C-Kader obliegt anschließend den Hochschulen. In sieben Bundesländern gebe es eine solche Quote bereits, sagte Jung.

Europa- und Weltmeister

Die Idee stößt auf Zustimmung: „Wir sind sehr froh darüber, dass die von uns lange geforderte Quote eingeführt wird“, sagte Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen. Siebenkämpferin Claudia Rath, die bei der Weltmeisterschaft 2013 Vierte wurde, lobte die Maßnahme: „Das schafft die Bedingungen, die Sportler brauchen, um studieren zu können. Meine Note hätte damals nicht gereicht. Ich bin nur mit einem Härtefallantrag reingerutscht.“

Studierene Spitzensportler sind in Deutschland keine Seltenheit. So seien bei den olympischen Spielen in London 2012 42 Prozent des deutschen Kaders Studierende gewesen, sagte Roland Joachim vom Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (ADH). Das unterstreiche die Bedeutung, die diese Statusgruppe im deutschen Sport habe.

Unter den 30 Wettkämpfern der Hochschule Rhein-Main finden sich zahlreiche Titelträger, Europa- und Weltmeister, Teilnehmer der deutschen Hochschulmeisterschaften und Olympioniken. Die Athleten seien jedoch weit entfernt vom Klischee eines typischen Studenten, hob Reymann hervor. „Ich habe noch keinen erlebt, der ein ‚Studium lite‘ machen oder irgendetwas geschenkt haben will“, sagte der Präsident der ersten Fachhochschule in Hessen, die die Kooperationsvereinbarung „PartnerHochschulen des Spitzensports“ mit dem Olympiastützpunkt Hessen und dem adh unterzeichnete. „Diese Partnerschaft nehmen wir sehr ernst. Das merkt man an der unproblematischen Hilfe für Studenten in den Fachbereichen“, sagte Reymann. Dass von 30 Sportlern sieben zum Empfang kamen, entschuldigte der Hochschulsportbeauftragte Klaus Lindemann mit angesetzten Pflichtveranstaltungen.

Hochschule zeigt sich flexibel

Zehnkämpfer Jan-Felix Knobel war beim Empfang dabei und lobte die Unterstützung seiner Hochschule. Während der neun Semester, die er nun Architektur studiere, habe er schon mehrfach profitiert, sagt der Olympia-Teilnehmer und Juniorenweltmeister.

Bei der Gestaltung flexibler Rahmenbedingungen für die Sportler wandelt die Hochschule Klausuren in Hausarbeiten um oder verschiebt Termine. „Das kommt uns sehr entgegen“, sagt Knobel, „wir brauchen einfach ein zweites Standbein“. Das meint auch Siebenkämpferin Claudia Rath: „Zuletzt war ich acht Wochen am Stück auf einem Lehrgang. Da ist es super, dass Klausuren verschoben oder Gruppenarbeiten ersetzt werden können“, sagt die Studentin der sozialen Arbeit.

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