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Mit Fackeln und Trillerpfeifen protestieren Anwohner des Army-Flugplatz in Wiesbaden-Erbenheim gegen Fluglärm.

US-Militär Fluglärm

Protest gegen Hubschrauber-Lärm

Mehr als 100 Menschen demonstrieren in Wiesbaden-Erbenheim gegen Fluglärm durch US-Hubschrauber. Sie fordern am Army-Flugplatz ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr.

Von Alexandra Ehrhardt

Gabi Wahler hat sich ihr Nachthemd über Jeans und Pulli gezogen. In der linken Hand hält sie eine Laterne. So demonstriert sie gegen den schlafraubenden Lärm, der bei den Trainingsflügen der US-Armee in Erbenheim entsteht. Sie ist nicht allein: Gut 150 Lärmbetroffene halten Fackeln in den Händen. Es trötet und trillert, dass die Ohren schmerzen.
Unter dem Motto „Bürger gegen Lärm“ hatten die Wiesbadener Grünen zusammen mit der Bürgerinitiative gegen Lärm und Gefahren durch US-Flugzeuge (BiLGUS) am Mittwoch ab 21 Uhr zu einer Protestkundgebung gegen den Lärm durch Trainingsflüge der US-Armee auf der Airbase aufgerufen. Anwohner der östlichen Vororte und Sympathisanten aus der Umgebung machten ihren Forderungen vor dem Haupttor der Clay-Kaserne lautstark Luft. Ziel der Aktion war es, den Helikopterlärm, dem die Anwohner in den Nachtstunden ausgesetzt sind, symbolisch an die Lärmverursacher zurückzutragen.

Hintergrund der Aktion ist die Verlagerung des US-Hauptquartiers von Heidelberg nach Erbenheim, durch die sich die Zahl der Trainingsflüge deutlich erhöht hat. Noch bis August fliegen die Helikopter sogar bis 2 Uhr morgens. Die Demonstranten forderten die Einhaltung der Nachtruhe und ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

"Lasst uns schlafen"

Auch Gabriela Schulthalter-Eicke ist dabei und bläst unnachgiebig in eine Trillerpfeife, weil sie ihre Abende schon lange nicht mehr ruhig auf ihrer Terrasse ausklingen lassen kann. Zwar stört sie nicht der Fluglärm der Airbase, sondern der des Frankfurter Flughafens, dennoch hat sich die Wiesbadenerin für die Demo ihren Schlafanzug übergezogen und sich Lockenwickler in die Haare gedreht. „Lärm ist Lärm. Und der muss dringend aufhören“, schreit sie gegen den Krach ihrer Mitdemonstranten an, die bei der Kundgebung ihre Forderungen mit Vuvuzelas, Kuhglocken und Trommeln untermalten. Um sicherzugehen, dass sie von den Amerikanern auch verstanden werden, hatten die Demonstranten ihre Banner und Schilder auf englisch beschriftet und erklärten: „We can not sleep at home“ und „Let us sleep“.

Im Morgenmantel appellierte BiLGUS-Chef Bernd Wulf an die Amerikaner, in einen konstruktiven Dialog mit den Anwohnern zu treten. Auch wies er auf die Risikofaktoren durch die Flugroute über den Industriepark Kalle-Albert hin. Ein Helikopterabsturz könne hierbei verheerende Folgen haben. Stellvertretend für die Bürgerinitiative forderte er eine Mitarbeit in der Lärmschutzkommission, um auf das zukünftige Geschehen in Sachen Erbenheimer Fluglärm Einfluss nehmen zu können.

Obwohl lediglich 150 statt der angemeldeten 250 Demonstranten an der Aktion teilnahmen, waren die Veranstalter zufrieden. Sehr gestört fühlten sich die Amerikaner von der nächtlichen Aktion jedoch offenbar nicht: „Wir haben mit mehr Menschen und Krach gerechnet. Es war ja doch harmlos“, kommentierte eine Mitarbeiterin des Kasernen-Wachpersonals. Auf den Protest reagierten die Amerikaner während der Kundgebung nicht. Erst nach der Demo, gegen 23 Uhr, starteten laut Wulf Helikopter zu nächtlichen Übungsflügen. „Das kann ich nur als symbolischen Stinkefinger werten.“, sagte er. ]

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