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?Balangiga:Howling Wilderness? erinnert an die Kolonialisierung der Philippinen.

Wiesbaden

Die Philippinen im Fokus

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Das Exground Filmfest zeigt 180 Filme aus 42 Ländern, darunter einige Europa- und Deutschlandpremieren. Schwerpunkt ist das philippinische Filmschaffen

Den Anfang des Philippinen-Schwerpunkts auf dem 31. Exground-Festival macht der Film „Neomanila“, der die heutigen Probleme des bei Deutschen so beliebten Ferienziels drastisch beschreibt: Im Drogenkrieg marodieren Selbstschutzgruppen durch Manila. Gedungene Mörder patrouillieren als Hilfstruppen der Polizei. Ziele sind kleinkriminelle Dealer. Man tötet sie, bevor sie auspacken können, wie die Drogengangs organisiert sind.

24 philippinische Filme hat das Wiesbadener Festival in diesem Jahr im Programm. Was bei uns kaum bekannt ist: Die Philippinen gehören zu den ältesten Filmnationen der Welt und zählen im südostasiatischen Raum zu den Ländern mit der lebendigsten und kreativsten Filmwirtschaft. Seit hundert Jahren werden dort Filme produziert. Das Festival zeigt herausragende Filme aus den vergangenen vier Jahrzehnten, wie etwa „Miracle“ von 1982 und zeitgenössische Produktionen. Alle wurden mit deutschen Untertiteln versehen. Wie immer bei Exground haben die Filmkünstler Gelegenheit, ihre Werke dem Publikum persönlich vorzustellen.

Mutig beziehen sie Stellung zu den sozialen und politischen Missständen und erzählen Geschichten von Not und Gewalt, auch staatlicher Gewalt, Zensur, Unterdrückung, Korruption und außergerichtlichen Morden. „Wir haben den Hang, Schwerpunktländer mit schwierigen politischen Situationen auszuwählen“, sagt Andrea Wink vom Exground-Organisationsteam. Im vergangenen Jahr stand die Türkei im Fokus des Festivals. Dort habe sich die politische Situation inzwischen so verschlechtert, dass es keine Kontakte mehr zu den regierungsunabhängigen Akteuren aus der Filmbranche gebe, weil sie alle entlassen worden seien. Zum Fokus Philippinen gehört auch das Panel „100 Jahre philippinische Filmgeschichte“, ein Vortrag über die Menschenrechtslage und die Ausstellung „Paradise Lost“ im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden.

Unter den insgesamt 180 unabhängig produzierten Lang- und Kurzfilmen aus 42 Ländern sind in diesem Jahr 57 Premieren, davon 16 Welt-, drei Internationale und elf Europapremieren. Viele greifen brisante Themen auf. Besonders sehenswert ist der kenianische Film „Rafiki“ von Wanuri Kahiu von 2018. In Kenia ist er verboten, wurde aber in Cannes als Entdeckung gefeiert. Er handelt von zwei Freundinnen, die von einer selbstbestimmten Zukunft träumen, und als sie sich ineinander verlieben, sich zwischen Glück und Sicherheit entscheiden müssen. Auch der afghanische Film „The black Kite“ zählt zu den herausragenden Werken. Er erzählt die Geschichte eines Drachenbauers, der von den Taliban zum Tode verurteilt wird, weil das Drachenbauen nach ihren Gesetzen verboten ist. Gezeigt werden auch 64 deutsche Filme. Vor jedem Langfilm ist ein Kurzfilm zu sehen.

Das Exground Filmfestival lobt sieben Wettbewerbe mit Preisen für insgesamt 20 000 Euro aus, darunter zwei Jugendfilm- und drei Kurzfilm-Wettbewerbe. Finanziell unterstützt wird das von Ehrenamtlichen organisierte Festival maßgeblich von dem Kulturfonds Rhein-Main, dem hessischen Ministerium für Kunst und Wissenschaft und der Landeshauptstadt Wiesbaden.

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