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Geht doch: Junge Männer spielen friedlich American Football vor dem Staatstheater.
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Geht doch: Junge Männer spielen friedlich American Football vor dem Staatstheater.

Wiesbaden

Polizei in Wiesbaden vertreibt Jugendliche mit greller Beleuchtung

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Nach den Vorfällen am Warmen Damm sucht die Stadt nach anderen Treffpunkten und möchte mehr auf Sozialarbet setzen. Die Polizeiaktionen stoßen auf Kritik.

Die Polizeiaktionen am Warmen Damm treffen in Teilen der Wiesbadener Politik auf wenig Gegenliebe. Die Landespolizei ist dort seit Oktober an Freitag- und Samstagabenden nicht nur stark präsent, sie lässt den Platz neben dem Staatstheater mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks auch mit grellen Scheinwerfern ausleuchten; zeitweilig erschallt klassische Musik. Damit will die Polizei verhindern, dass sich große Gruppen Jugendlicher dort treffen.

Seit Juni war es dort zu zahlreichen Delikten gekommen, darunter laut Bürgermeister und Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) gefährliche Körperverletzung, Schlägereien und Bedrohungen, Raub, Beleidigungen und sexuelle Belästigung von Frauen. „Das sind nicht nur feiernde Jugendliche, sondern auch Stressmacher und Störenfriede“, sagte Franz, der die Vorfälle der bis zu 500 Personen am Warmen Damm mit den Krawallen auf den Heidelberger Neckarwiesen und der Kölner Domplatte vergleicht. „Bitte berücksichtigen Sie die Opferperspektive“, ruft Franz den Kritikerinnen und Kritikern zu.

Der Stadtverordneten Gesine Bonnet (Grüne) kommen eher Szenerien an Grenzsicherungsanlagen in den Sinn. Von „Vergrämung“ der Jugendlichen ist die Rede. „Alle jungen Menschen (…) unter Generalverdacht zu stellen und sie mit martialischen Mitteln zu vertreiben, behebt die Problematik nicht, sondern verlagert sie bestenfalls“, sagt sie. Silvana Sand (SPD) hat Verständnis dafür, dass die Polizei gegen Straftaten vorgeht, Verbote aber seien keine Lösung, sagt sie. Sand fordert Konzepte, wie Jugendliche die Stadt beleben könnten.

„Wir überlassen die Jugendlichen der Straße“, stellt Tiffany Bunzel fest, die als Mitglied des Jugendparlaments Rederecht hat. Jugendliche bräuchten Orte, wo sie sich ohne kommerziellen Zwang austoben könnten. Die gebe es in Wiesbaden aber nicht. Es bleibe der Kurpark mit dem Warmen Damm und, wenn es kalt werde, ein Schnellrestaurant. Die Jugendlichen wollten aber mitreden, wenn es um sie gehe.

Der Vorschlag von Grünen, SPD, Linken und Volt lautet, leere Geschäfte oder andere verlassene Gebäude temporär Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Vielleicht eigne sich das stillgelegte Parkhaus City I für Konzerte, Graffitigalerien oder eine Skaterbahn. Neben ordnungsrechtlichen Aspekten solle der Magistrat auch an soziale Arbeit und Prävention denken. „Das Zauberwort ist Verhältnismäßigkeit“, sagt Sozialdezernent Christoph Manjura, der die Polizeiaktionen nicht verurteilt, aber sagt, er habe gute Erfahrungen gemacht, wenn Sozialarbeit und Polizei kooperierten.

Die Polizeieinsätze waren in Gesprächsrunden mit Mitgliedern aus Stadtverwaltung, Polizei und Staatstheater im Juli und September vereinbart worden. Juliane Gaebler, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit am Theater, sagte, dass das Theater an der Umsetzung der Aktionen nicht beteiligt sei und auch mit der Musikbeschallung nichts zu tun habe. Die Polizei teilt mit, dass ihre Präsenz, die Ausleuchtung sowie die Aufforderung, den Platz zu verlassen, Erfolg zeige. An den letzten Wochenenden hätten sich die Jugendlichen im Stadtgebiet verteilt.

Der Antrag, nach besseren Orten für junge Leute zu suchen und die Sozialarbeit zu verstärken, wird dennoch angenommen – mit großer Mehrheit.

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