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Wiesbaden: Polit-Skandale werden auf die Bühne gebracht

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Für Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters, haben die Korruptionsvorwürfe im Rathaus Shakespear’sche Diemensionen. 

Macht, Ehre und Korruption - Die Vorwürfe gegen Politiker und den Chef der Wiesbaden Holding sind aus einem Material, das wie gemacht scheint fürs Theater. Den Intendanten Uwe Eric Laufenberg inspirierten sie zu einem Bühnenstück.

Herr Laufenberg, Sie möchten die Skandale der Wiesbadener Kommunalpolitik auf die Bühne bringen. Ihr Arbeitstitel ist Casino Wiesbaden. Welche Rolle spielen Sie?

Nein, ich spiele nicht mit, ich spiele nicht so gerne Bösewichte. (lacht)

Woher wissen Sie, wer der Bösewicht ist?

Wir werden erst mal abwarten, wie die Geschichte ausgeht. Noch sind wir ja mittendrin. Wahrscheinlich wird es so wie in Shakespeares Julius Caesar eine Konstellation unterschiedlicher Charaktere geben wie den schlauen Intellektuellen, den Redner und Blender, den treuen Mitläufer, die etwas zusammenmengen, was sie dann nicht mehr ins Gute gemengt kriegen. Einen Bösewicht kann man da nicht ausmachen. Das ist ja auch der interessantere Fall.

Halten wir mal fest: In Wiesbaden kandidiert der SPD-Oberbürgermeister nicht mehr, weil ihm der frühere Stadtwerkegeschäftsführer droht, unangenehme Details auszupacken. Der war vorher vom OB gefeuert worden. Gleichzeitig ist der Freund des Geschäftsführers als CDU-Fraktionschef zurückgetreten. Die Geschichte ist kompliziert und hat eine lange Vorgeschichte mit Urlauben, Vergünstigungen und lukrativen Verträgen. Wo fangen Sie an?

Wenn wahr ist, was alle sagen, dann ist die Unterstützung des Geschäftsführers und CDU-Fraktionschefs für den SPD-Oberbürgermeister im Wahlkampf der Urknall. Dann kommen Verabredungen und Deals und irgendwann werden aus „Freunden“ Todfeinde. Es gibt Züge von Vendetta und Zeichen für Wahnsinn - fürs Theater sind das hochinteressante shakespearsche Elemente. Anfangs dachte ich, es würde eine Politsatire, im Moment ist es eher eine Tragikomödie.

Was ist das Spannende an dem Stoff?

Das Grundproblem der Kommunalpolitik ist, dass mit den Stadtverordneten Ehrenämtler Politik machen. Mit Ehrenämtern sind die großen Städte aber nicht mehr regierbar. Die Geldsummen, die bewegt werden, sind zu groß. Die hauptamtlichen Dezernentenposten sind viel geringer dotiert als Geschäftsführerposten. Da wird viel Geld hin- und herbewegt. Das ist eine große Gefahr. Die Gehälter der handelnden Politiker sind zu klein. Schwierige Jobs müssten anständig bezahlt sein. Politikverdrossenheit und Zweifel an der Demokratie nehmen zu, das Vertrauen geht verloren, die Ehre ist dahin.

Der Oberbürgermeister steht in der Kritik, weil er sich angeblich vom Stadtwerkegeschäftsführer einen luxuriösen Spanienurlaub spendieren ließ. Mit einem Oberbürgermeistergehalt kann man sich locker einen Urlaub leisten.

Da hatte das Spiel doch schon begonnen, die Personen waren schon verstrickt. Außerdem ist der Urlaub marginal. Der größere Deal ist, dass Posten verschafft wurden. Wenn nicht danach entschieden wird, was gut für die Stadt ist, sondern was gut für mich und meine Freunde ist, ist das der größere Skandal. Wir müssen auch danach fragen, ob Uneigennützigkeit in der Demokratie nicht eine Illusion ist. Machtpositionen verleiten vielleicht dazu, im eigenen Interesse zu handeln. Ich werde die Hauptakteure in der Politik einladen, mir ihre Sichtweise der Dinge zu erzählen.

Und Sie meinen, sie nehmen die Einladung an?

Warten wir es ab, ich bin gespannt.

Dass nur Geld die Menschen zu gutem Handeln motiviert, ist aber ein negatives Menschenbild ...

Ich stamme aus Köln und habe ein Buch über den Kölner Klüngel geschrieben, es heißt Palermo. Köln gilt ja als die nördlichste Stadt Italiens. Es hat sich gut verkauft.

Werden Sie auch eines über Wiesbaden schreiben?

Das hieße dann Ravenna. (lacht)

Die Geschichte ist ja ein reines Männerding ....

Das ärgert die Regisseurin auch. Aber da sind ja eine Journalistin und eine Angestellte des Geschäftsführers, die die Geschichte auffliegen lassen.

Es gibt also schon eine Regisseurin.

Den Namen gebe ich noch nicht bekannt, sie überlegt noch. Im April machen wir das öffentlich.

Sind Sie der Autor?

Nein, wir - das sind das Team aus Regisseurin, Schauspielern und mir - überlegen noch, ob es einen Autor geben soll oder ob sich die Akteure das Stück aus der Materialsammlung erarbeiten.

Sie haben die Schauspieler schon im Blick?

Die Hauptrollen sind schon besetzt. Die Schauspieler lesen jetzt also fleißig Zeitung, um sich hineinzuversetzen. Die Geschichte schreibt sich ja noch.

Dieses Stück wird bestimmt das Theater füllen.

Künstlerisch birgt der Stoff ein Risiko, weil es so viele Sichtweisen auf die Dinge gibt. Wenn der Stoff aber auf der Straße liegt, hat das Theater die Pflicht, damit so umzugehen, dass alle ihn verstehen. Kunst kann an der Wirklichkeit scheitern, weil Wirklichkeit noch verrückter ist, als Kunst es darstellen kann.

Wann soll das Stück auf die Bühne?

Premiere soll im Januar 2020 und das Ende des Theaterstücks soll die Oberbürgermeisterwahl im Juni 2019 sein.

Haben Sie eigentlich keine Angst, dass gegen die Aufführung des Stücks geklagt wird?

Nein, das Stück bleibt ja fiktiv. Wir behaupten ja nicht, dass es so war. Wir spielen doch nur.

Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters - Zur Person

Uwe Eric Laufenberg (58) ist seit August 2014 Intendant am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Der Schauspieler und Regisseur war zuvor Intendant in Potsdam und an der Kölner Oper.

Von 1981 bis 1983 lernte er an der Folkwanghochschule in Essen Darstellende Kunst. mre

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