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Gabriele Müller (links) geht in den Ruhestand, Anja Eli-Klein übernimmt als Geschäftsführerin das Hospiz Bärenherz.
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Gabriele Müller (links) geht in den Ruhestand, Anja Eli-Klein übernimmt als Geschäftsführerin das Hospiz Bärenherz.

Wechsel an Spitze

Pionierarbeit für das Hospiz Bärenherz

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Die langjährige Geschäftsführerin Gabriele Müller geht in den Ruhestand.

Schon bei ihrer ersten Aufgabe für das Kinderhospiz Bärenherz hat Gabriele Müller ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. 900 000 Mark Spenden sollte sie 2001 zusammentragen, um die ersten Räume für das zweite deutsche Kinderhospiz im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim einzurichten. Das Thema „schwerkranke und sterbende Kinder“ berührt die Menschen. Die Sozialpädagogin hat aber auch die Wege und die Worte gefunden, um Menschen von der Bedeutung eines Kinderhospizes zu überzeugen. Es war das Jahr, als die Währung umgestellt wurde: Müller brachte 900 000 Euro zusammen, das Doppelte. Für sechs Kinder konnten Zimmer eingerichtet und drei Appartements für die Familien angemietet werden. Die Arbeit konnte beginnen. 

„Wir arbeiten nicht mit den Kindern und ihren Familien, wir sorgen dafür, dass die Arbeit möglich ist“, sagt Müller sachlich, aber bescheiden und auch ein bisschen stolz. Unter ihrer Leitung wuchs die kleine Spendeninitiative zur angesehenen Organisation. Anfang April ist sie nach 17 Jahren als Geschäftsführerin der Bärenherz-Stiftung in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin ist Anja Eli-Klein, seit zehn Jahren ihre Stellvertreterin.

Spenden reichten sogar für ein zweites Hospiz

Bereits früh gab es Unterstützung von Ehrenamtlichen, die Spendenquittungen schrieben oder die Spendendosen abholten, berichtet Müller. In den Anfangsjahren stemmte sie die Arbeit als einzige Hauptamtliche jedoch alleine. Auf den Gebieten Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit leistete sie Pionierarbeit. Müller war zuvor Abteilungsleiterin beim Verein Inklusion durch Förderung und Betreuung (IFB), dort hatte sie mit Spendenbeschaffung nichts zu tun. Sie besuchte Kurse und Kongresse, fuchste sich in das Aufgabenfeld hinein. Inzwischen wurde aus der Spendeninitiative die Stiftung Bärenherz. Es wurden so viele Spenden akquiriert, dass ein zweites Kinderhospiz in Markkleeberg bei Leipzig etabliert und die Pflegeeinrichtung Kinderhaus Nesthäkchen im Taunus finanziert werden konnten. 

2012 wurde ein neues Kinderhospiz-Gebäude in der Erbenheimer Bahnstraße gebaut, wo Platz für zehn Kinder und ihre Familien ist. Die Kosten von vier Millionen Euro sind bereits abbezahlt. 2,6 Millionen Euro schüttet die Stiftung jährlich aus, die weitgehend auf Spenden beruhen. Gab es 2002 fünf Krankenschwestern, sind es heute 19 Pflegerstellen. „Die Arbeit hat sich entwickelt, auch inhaltlich und konzeptionell“, berichtet Müller. Allmählich erkannten die Pflegerinnen und Betreuer, mit welchen Problemen Eltern, aber auch Geschwister und Großeltern durch den Tod eines Kindes konfrontiert sind. Die Geschäftsführerinnen versuchten, die Umsetzung der Ideen zu finanzieren. Die Arbeit mit den Geschwistern wurde eingeführt. Der ambulante Dienst entstand, der Familien berät und unterstützt, die ihre schwerkranken Kinder zu Hause pflegen. Musiktherapie hat heute einen festen Stellenwert. „Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, das Spendenaufkommen kontinuierlich zu steigern und das Interesse wachzuhalten“, sagt Müller. 

Das alles müssen betroffene Familien und die Öffentlichkeit erfahren und verstehen. „Das Wichtigste an unserer Arbeit ist die Information, wir tragen die Inhalte nach außen“, sagt Anja Eli-Klein. Die Geschäftsführerinnen haben ihren eigenen Stil der Spenderbindung entwickelt. Sie freuen sich über den persönlichen Kontakt, Interessierte können Einblick nehmen in den Geschäftsbericht und die Leiterinnen kennenlernen. In der Geschäftstelle sind heute acht Hauptamtliche beschäftigt. 

Die Öffentlichkeitsarbeit hat sich gewandelt, nicht nur durch die neuen Medien. Inzwischen ist die Zahl der Kinderhospize bundesweit auf 18 gestiegen. Das bedeutet, es gibt mehr Bewerber um die gleichen Spender. 

Müller reicht das Staffelholz an Eli-Klein weiter. Deren Ziel ist es, das Erreichte zu bewahren. Zudem soll auch die ambulante Arbeit ausgeweitet werden. Familien mit schwerkranken Kindern sollen in Zusammenarbeit mit den Helios-Horst-Schmidt-Kliniken eine bessere sozialmedizinische Versorgung nach dem Klinikaufenthalt erhalten. Die 50-jährige Bankkauffrau arbeitete zunächst als Assistentin des IFB-Geschäftsführers Wolfgang Groh und engagierte sich zusätzlich ehrenamtlich im Hospiz Bärenherz. 2009 stieg sie als Stiftungsmanagerin in die Bärenherz-Geschäftsführung ein. 

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