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Da stehen schon einige Fahrzeuge, es sollen mehr werden: Parkplatz Kahle Mühle.

Wiesbaden

Pendler sollen Fahrzeuge am Wiesbadener Stadtrand abstellen

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Park-and-ride-Plätze sind ein wichtiger Baustein des Luftreinhalteplans.

Der Parkplatz Kahle Mühle ist ein unwirtlicher Ort. Obendrüber braust die A643, Saarstraße und Erich-Ollenhauer-Straße kreuzen sich daneben. Aber immerhin, Autos lassen sich auf der notdürftig befestigten Fläche gut abstellen. Das macht sie zu einem wichtigen Ort für den Luftreinhalteplan. Die Landeshauptstadt möchte erreichen, dass die Pendler ihre Wagen an den Park-and-ride-Plätzen stehen lassen und mit dem Bus in die City fahren. An der Kahlen Mühle kein Problem: Fünf Stadtbuslinien und eine Buslinie des Rhein-Main-Verkehrsverbunds fahren dort im Minutentakt.

Die Stadt möchte den Platz nun erweitern und mit Pflaster und Beleuchtung verschönern, die Stadtverordneten haben bereits ihr Okay gegeben. Anstatt wie bisher 185 sollen künftig 288 Autos parken können. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein, der Umbau soll rund 1,7 Millionen Euro kosten. Verkehrs- und Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) ist guter Dinge, dass die Stadt es schafft, in diesem Sommer die Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten, „auch ohne die Corona-Effekte“.

Verkehrswende

Die meisten Projekte des Luftreinhalteplans wurden schon umgesetzt oder sind in Bearbeitung.

Bundesweite Aufmerksamkeit: Seit dem Winter sind bei Eswe-Verkehr zehn Elektrobusse in Betrieb. Bis Ende 2020 sollen insgesamt 56 eCitaro von Daimler Buses gekauft werden. 2023 sollen alle 223 Busse elektrisch fahren. Ein geleaster Brennstoffzellenbus ist im Einsatz, die Infrastruktur dafür wurde gebaut.

Busspuren wurden zwischen der Schiersteiner Straße und dem Hauptbahnhof, in der Wilhelm-, Friedrich-, Luisen- und Bahnhofstraße eingeführt, auf denen Radfahren erlaubt ist.

Das digitaleVerkehrssteuerungssystem wird nach und nach eingerichtet, so dass der Verkehr flüssiger wird.

Wiesbaden hat zwar im Februar 2019 erreicht, aufgrund seines ambitionierten Luftreinhalteplans das drohende Dieselfahrverbot abzuwenden. Aber es ist nicht vom Tisch. Die Deutsche Umwelthilfe, die viele Städte wegen hoher Stickstoffdioxidwerte vor Gericht zog, behält sich eine Wiederaufnahme vor, sollte Wiesbaden die versprochenen Pläne nicht verwirklichen. „Mehr als die Hälfte der 111 Maßnahmen sind umgesetzt oder in Umsetzung“, sagt Kowol der FR. Die Stadtbusse wurden auf Euro-6-Norm umgerüstet, das Elektrobusprogramm zur vollständigen Umstellung auf emissionsfreie Antriebe im öffentlichen Nahverkehr läuft, Busspuren wurden eingeführt, Radwege gebaut und der Verkehr innerstädtisch auf den äußeren Ring umgeleitet.

Die Einrichtung der Park-and-ride-Plätze ist ein bedeutender Baustein im System. Eigentlich sollten diese nahe am Herkunftsort der Pendler und an ÖPNV-Stationen liegen, die Pendler also an der Peripherie abfangen. „Wir sind abgerückt von dieser Philosophie, wir wollen nicht warten, bis die Region so weit ist“, erklärt Kowol. Wiesbaden ist eine Einpendlerstadt. 77 000 Personen reisen täglich zur Arbeit in die Landeshauptstadt, ergab unlängst eine Studie. Vor allem für Pendler aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und Mainz-Bingen bestehe Bedarf. „Für Walluf und Eltville ist das ganz dringend“, sagt Kowol. An der Kahlen Mühle könnten Pendler aus diesen Regionen ihr Fahrzeug bequem abstellen. Kostenfrei, wie der Dezernent betont.

Weitere Park-and-ride-Plätze sind geplant. Südlich des Schiersteiner Bahnhofs wird nach einer Fläche Ausschau gehalten, der Platz am Bahnhof Kastel soll erweitert werden, und nach Abschluss der Arbeiten an der Schiersteiner Brücke könnten auf dem ehemaligen Baufeld 400 Parkplätze entstehen. Auch mit der Region sei die Stadt im Gespräch. Nachdem der Platz am Rhein-Main-Theater in Niedernhausen nicht verwirklicht werden konnte, sollen nun 350 in der Innenstadt von Niedernhausen und einige am dortigen Bahnhof entstehen. Zudem seien Plätze auf der Platte in Taunusstein in der Diskussion. Zurzeit können Pendler ihr Fahrzeug am Moltkering (190 Plätze), am Stadion Berliner Straße (100), in der Mainzer Straße Ost (120), der Mainzer Straße West (50), der Kleinaustraße in Schierstein (70) und an der Kahlen Mühle abstellen.

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