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Patientenzahlen gehen zurück

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Von: Arne Löffel

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Der Weg zur HSK ist nicht immer ein Grund zur Freude.
Der Weg zur HSK ist nicht immer ein Grund zur Freude. © Rolf Oeser

Die Geschäftsführung der Helios HSK begibt sich in den kommenden Wochen und Monaten auf eine Roadshow durch Wiesbaden. Hier will sie Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort stehen, was an der HSK gebaut wird und passiert. Den Anfang machte sie im Rathaus.

Corinna Glenz, Regionalgeschäftsführerin des Helios-Klinikkonzerns, sieht müde aus, als sie am Dienstagabend im Stadtverordnetensitzungssaal Platz nimmt. Im ersten Teil des langen Abends gilt es, den Frauenausschuss davon zu überzeugen, dass eine Frauenquote in der Führungsetage der Wiesbadener Klinik nicht nötig sei. Bei der Auswahl der Führungskräfte gehe Qualifikation vor Geschlecht, gerade in der Medizin, so die erfolgreiche Managerin. Die Frauen im Ausschuss sehen das nicht so. Eine Einigung zwischen den schnell verhärteten Fronten gibt es mangels gesetzlicher Grundlage nicht.

Nach diesem für alle Beteiligten anstrengenden Einstieg in den Abend steht der eigentliche Höhepunkt noch aus: Der Beteiligungsausschuss will noch über den derzeit laufenden Neubau der HSK in Dotzheim informiert werden. Grüne und Linke im Ausschuss hoffen darauf, im Zuge dessen auch Fragen zu den aktuellen Aufregern in der Klinik stellen zu können – insbesondere zur Besiedelung von neun Frühchen mit MRSA und den Berichten des RTL-Formats „Team Wallraff“ über angeblich desaströse Zustände in der Notaufnahme. Freude bereitet das der Helios-Managerin augenscheinlich nicht.

Opposition lässt nicht locker

Auch Kristian Gäbler sowie Lutz Hammerschlag, beide Mitgeschäftsführer der HSK, und Ralf Jäger, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft für ein Gesundes Wiesbaden (EGW), haben nur mittelmäßig Spaß daran, sich den bohrenden Fragen des Ausschusses zu stellen. Helios-Hauptredner ist aber Gäbler. Nachdem der junge Mann zügig die den meisten Anwesenden bereits bekannte Neubau-Präsentation vorgeführt hat, soll es ans Eingemachte gehen. So haben sich das zumindest Grünen-Fraktionschefin Christiane Hinninger und die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Manuela Schon (Linke) gedacht. „Sind die Patientenzahlen im Zuge der Medienberichte zurückgegangen und was wollen Sie dagegen tun?“, will Hinninger wissen.

Auch ist für Schon und Hinninger von Interesse, wie sich die Zahl der Überstunden und Belastungsanzeigen verändert haben, seit Helios den Stellenabbau vorantreibt. Und natürlich, was nun los ist, in Notaufnahme und Frühchenstation.

Doch offensichtlich ist nicht allen an der zügigen Beantwortung dieser Fragen gelegen. Nachdem auf Drängen der SPD zunächst lange über mögliche Positionen für die Bushaltestelle am Neubau debattiert wird und auch es ein Stadtverordneter der Grünen, geschickt angestachelt von Klinikdezernent Axel Imholz (SPD), beim ökologischen Bauen ganz genau wissen will, verweist Hans-Joachim Hasemann-Trutzel (CDU) gegen 23 Uhr auf die vorgerückte Stunde und fordert erzürnt den Abbruch der Debatte. Sie habe die Grenze des Zumutbaren erreicht.

Unbequeme Fragen

Fast sieht es so aus, als kämen die vier Gesundheitsmanager um die auch für die Große Koalition unbequemen Fragen herum. Unbequem deshalb, weil in ihnen der Vorwurf mitschwingt, dass die von CDU und SPD befürwortete Teilprivatisierung der Klinik zu dem medialen Übel geführt hat, das laut Hinninger den Ruf Wiesbadens als Gesundheitsstandort beschädigt. Nur dem energischen Nachhaken von Schon und Hinninger ist geschuldet, dass überhaupt Antworten auf die Fragen gegeben werden.

Sichtlich widerwillig spricht Gäbler schließlich von der „skandalisierenden Berichterstattung des Teams Wallraff“, die aber „nicht zu massiven Rückgängen bei den Patientenzahlen“ geführt habe. Weder Glenz noch er lassen sich festnageln, was „massiv“ genau zu bedeuten hat. Das Krankenhausgeschäft sei zu unstet, um verlässliche Vergleiche ziehen zu können, so Glenz.

Bei der Belastung der Klinik mit MRSA betont Gäbler, dass die HSK sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Alle Richtlinien seien befolgt worden und darüber hinaus nun auch der spezielle Infektionsweg über einen wahrscheinlich von einer Reinigungskraft kontaminierten Still-Stuhl geschlossen worden. Dass bei den angehäuften Überstunden noch Handlungsbedarf besteht, räumt Glenz ein. „Sie krempeln eine Klinik nicht einfach so um“, sagt sie.

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