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Leckerei für Bienen: Wildkräuter am Stresemann-Ring.

Wiesbaden

Parkanlagen werden zu Bienenweiden

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Zehn Prozent der städtischen Grünflächen in Wiesbaden sollen zu Lebensraum für Insekten umgewandelt werden.

Die derzeitige Kälte hat das Wachstum der Keimlinge vorübergehend gestoppt. Aber das Saatgut mit den regionaltypischen Wiesenpflanzen ist angegangen. Bald wird daraus eine bunte Blumenwiese. Ihr Standort ist eher ungewöhnlich: Die Grünfläche am Gustav Stresemann-Ring vor den städtischen und Landesbehörden. Daneben hat das Grünflächenamt den Rasen aus den letzten Jahren einfach stehen gelassen. Die Gräser wachsen hoch, dazwischen recken Wildkräuter ihre Köpfe gegen die Sonne. Blüten der Sternmiere und Nesseln zeigen sich. Insekten surren herum. Gemäht wird erst Ende Juni.

Dieses Bild städtischen Grüns werden die Bürger künftig öfter zu sehen bekommen. Um das dramatische Insektensterben aufzuhalten, hat der Umweltausschuss beschlossen, dass mindestens zehn Prozent der innerstädtischen Grünflächen dauerhaft den Insekten als Nahrungsquelle und Unterschlupf dienen soll. Das bedeutet, das mehr Wildpflanzen gepflanzt, Stauden erst im Frühjahr geschnitten, Trockenmauern und Sandhaufen angelegt werden und Totholz herumliegen soll. Gabriele Wolter, Leiterin des Grünflächenamts, kann sich vorstellen, dass die Grünzüge im Dichterviertel und in Schierstein und die Reisingeranlagen sich als Bienenweide eignen könnten. Das Grünflächenamt erarbeite gerade eine Liste mit möglichen Flächen, erklärte sie im Umweltausschuss. Auch die Friedhöfe müssten sich verändern; dort müssten andere Pflanzen wachsen.

Zudem sollen auf zehn Prozent der landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen in der Wiesbadener Gemarkung Blühstreifen ausgesät werden, damit sich Insekten dort tummeln können. Entsprechende Regeln sollen in die Pachtverträgen mit den Kleingartenanlagen aufgenommen werden. Die Stadt soll auch mehr Überzeugungsarbeit leisten und gemeinsam mit Ortslandwirten und Kleingärtnern darauf hinwirken, dass Bauern und Gärtner keine insektenschädliche Pflanzenschutzmittel mehr benutzen.

Dass Letzteres nicht einfach umzusetzen ist, ist den Worten der Umweltamtsleiterin Jutta Maria Braun zu entnehmen. „Wir müssen davon ausgehen, dass Landwirte die Mittel einsetzen, die erlaubt sind“, sagte sie, neben Glyphosat auch die anderen chemischen Pflanzenschutzmittel. Eine Statistik darüber, wer welche Stoffe ausbringt, gebe es nicht. Auf die Landwirte, die keine städtischen Böden bearbeiten, habe die Stadt sowieso kein Zugriffsrecht, so Braun.

Wer städtische Felder beackert, bekommt von der Stadt allerdings die Rote Karte gezeigt. Wiesbaden hat bereits im Dezember 2017 beschlossen, beim Abschluss neuer und der Verlängerung alter Pachtverträge mit Landwirten den Verzicht auf Glyphosat zu verlangen. Sicher ist indes, dass das Grünflächenamt kein Glyphosat benutzt. Auch die meisten städtischen Gesellschaften und die Dr. Horst Schmidt-Kliniken kommen auf ihren Grünflächen ohne den Insektenkiller aus.

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