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Ortsbeirat favorisiert Neubau

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Das Moritz-Lang-Haus.
Das Moritz-Lang-Haus. © Michael Schick

Das Personal und die Bewohner des Moritz-Lang-Hauses verlangen Planungssicherheit. Der Ortsbeirat favorisiert einen Neubau.

Von Oliver Beckhoff

Eine Frau mit weißen Haaren legt den Arm um einen älteren Herrn. Sie sehen glücklich aus. Daneben ist eine Hand zu sehen, die eine andere Hand hält. Das Titelbild der Homepage der Altenhilfe Wiesbaden (AHW) hat Symbolcharakter. „Altern in Würde“, könnte ein passender Titel lauten. Doch ob ein „Altern in Würde“ in Wiesbaden in Zukunft möglich ist, steht aus Sicht der städtischen Altenhilfe infrage.

„Wie geht es weiter mit unserem Haus?“ Diese Frage beschäftigt die Betriebsräte des Moritz-Lang-Hauses derzeit am meisten. Das gleiche gilt für das Toni-Sender-Haus in Biebrich. Beide Heime sind bei der AHW angesiedelt, Schimmel, marode Wasserleitungen und Putz, der von den Wänden bröckelt: Die Liste der Mängel ist lang.

Zumindest für das Moritz-Lang-Haus schien die Zukunft gesichert. Ein Neubau galt lange als ausgemacht. Doch der Neustart unterhalb der Helios Horst-Schmidt-Kliniken scheiterte. Kurz bevor die Bagger anrückten stoppte die Große Koalition im Sommer 2015 das Vorhaben. Seit 2007 hatte die Stadt den Neubau geplant. Die Begründung: Große Pflegeheime mit 120 Betten und mehr seien nicht mehr zeitgemäß. Eine Renovierung des Altbaus aus den 1970er Jahren sollte geprüft werden. Inzwischen rechnet die Altenhilfe jedoch mit einem steigenden Pflegebedarf. Bis zu 200 neue Pflegeplätze werden demnach in den kommenden zehn Jahren benötigt.

Jetzt fordert auch der Ortsbeirat Dotzheim eine schnelle Entscheidung über die Zukunft des Hauses – und das nicht zum ersten Mal. „Wir haben im letzten Jahr im Ortsbeirat sechs Anträge gestellt und Beschlüsse gefasst, damit Bewegung in die Sache kommt“, sagte Carola Pahl (Grüne) der FR. „Wir erwarten jetzt, dass schnellstmöglich etwas passiert“, sagte sie.

Lohnt eine Renovierung?

Die Stadt Wiesbaden sucht seit Sommer 2015 per Ausschreibung nach einem Gutachter, der untersuchen soll, ob sich eine Renovierung des maroden Gebäudes an der Karl-Arnold-Straße lohnt. Bis zu 100 000 Euro darf die Expertise kosten, erklärt der zuständige Gesundheitsdezernent Axel Imholz (SPD). Aus Sicht des Betriebsrates des Moritz-Lang-Hauses ist die Investition vermeidbar. Die Vorsitzenden, Heike Mader und Regine Kuglstatter, halten einen Neubau für alternativlos.

Als das Projekt unterhalb der Kliniken gestoppt wurde, sei die Enttäuschung groß gewesen. „Alle Mitarbeiter hier haben zweieinhalb Jahre an dem Projekt mitgearbeitet“, sagt Sebastian Schmitz, der auch im Betriebsrat des Pflegeheims sitzt. „Wir fühlen uns allein gelassen“, fügt Mader hinzu.

An der Notwendigkeit des Gutachtens zweifelt auch Pahl: „Ich weiß nicht, ob es nötig ist, noch einmal so viel Geld auszugeben. Ich glaube, man kann sich auf das verlassen, was über den Zustand des Gebäudes bereits bekannt ist.“ Noch deutlicher formuliert es Hildegard Niedenthal, die für die CDU im Ortsbeirat sitzt: „Eine Renovierung ist weder dem Personal noch den Bewohnern zuzumuten.“

Auf das Gutachten möchte Niedenthal deshalb gerne verzichten. Es sei zu teuer. Ohnehin gehen die Kosten für verworfene Planungen und Kredite bereits in die Millionen.

Auch die Betriebsräte drängen auf eine schnelle Entscheidung. Mit jedem Monat steige die Gefahr, von der Heimaufsicht geschlossen zu werden. Denn seit die Stadt 2007 mit den Planungen für einen Neubau begann, wurde kaum noch in die Gebäudesubstanz investiert. Doch auch wenn die Stimmung in Ortsbeirat und Pflegeheim deutlich zugunsten eines Neubaus ausfällt, will Gesundheitsdezernent Imholz der Entwicklung nicht vorgreifen. Er stellt klar: „Das Gutachten kommt. Wir werden sowohl einen Neubau als auch eine Sanierung ergebnisoffen prüfen.“ Für die Sorgen von Personal und Bewohnern zeigt Imholz Verständnis: „So wie das Haus jetzt dasteht, kann es auf Dauer nicht weiterbetrieben werden“, sagt er. „Wir retten uns jetzt über die Zeit und stopfen im wahrsten Sinne des Wortes die Löcher.“

Bewohner und Personal, so Imhof, könnten sicher sein, dass alle akuten Mängel zeitnah behoben würden. Dass die vielen Doppelzimmer im Haus nicht mehr zeitgemäß seien, sei nur eines der Probleme, die zu lösen seien. „Aber ich werde der Bewertung durch den Gutachter auf keinen Fall vorgreifen“, sagt Imholz.

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