Wiesbaden

Opfer erwartete Racheakt

Ein mutmaßlicher Bombenleger soll sein Opfer vor der Tat bereits bedroht haben. Der Angeklagte will nicht aussagen.

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Bombenleger in Wiesbaden hat das Opfer von Drohungen gegen sich und seine Frau berichtet. Der 47-Jährige sagte als Zeuge am Donnerstag vor dem Landgericht, dass es vor der Tat anonyme Zettel, Droh-SMS und Anrufe gegeben habe.

Dem Angeklagten wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft hat er im April 2018 einen selbst gebauten Sprengsatz am Auto seines Opfers platziert.

Als der 47-Jährige das Gehäuse einer Taschenlampe von der Motorhaube nehmen wollte, explodierte es. Dadurch wurde der Mann an der Hand und im Gesicht verletzt. Er habe sofort vermutet, dass die Konstruktion von dem 57-Jährigen stammen könnte, erinnerte sich der Zeuge.

„Ich bin davon ausgegangen, dass mir ein Schrecken eingejagt werden sollte“, sagte er. Er habe aber lediglich eine Rauch- oder Signalbombe als Racheaktion erwartet.

Hintergrund der Tat sei eine Affäre zwischen seiner Frau und dem Angeklagten gewesen, erklärte der 47-Jährige. Als die Frau den 57-Jährigen im Dezember 2017 abgewiesen und sich für ihn entschieden habe, sei der Nebenbuhler zum Stalking übergegangen. Trotz eines gerichtlich verhängten Kontaktverbots habe er seine Nachstellungen fortgesetzt. Der Zeuge erzählte, er habe aggressive SMS von dem 57-Jährigen bekommen. Zu einer Arbeitskollegin der Ex-Geliebten habe der Beschuldigte gesagt, er werde die Eheleute vernichten. Diese Drohung nahm das Opfer allerdings nicht wörtlich. „Dass er versucht, mich zu töten, habe ich ihm nicht zugetraut.“

Die Verteidigung brachte die Möglichkeit ins Spiel, das Opfer selbst könnte die Tat fingiert haben, um den Stalker loszuwerden. Das sei absurd, antwortete der 47-Jährige mit leiser Stimme. „So weit wäre ich nicht gegangen, niemals.“ Auch Dritte kämen nicht infrage. „Ich habe keine Feinde. Niemanden, der mir so etwas antun will.“

Der Angeklagte hatte über seinen Verteidiger angekündigt, nicht aussagen zu wollen. (dpa)

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