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Ökobetrieb mit Vorzeigecharakter

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Der Agrarökonom und gelernte Landwirt Thomas Dosch leitet die Domäne Mechtildshausen.
Der Agrarökonom und gelernte Landwirt Thomas Dosch leitet die Domäne Mechtildshausen. © Michael Schick

Die Domäne Mechtildshausen erzeugt, verarbeitet und vertreibt Lebensmittel lokal. Für Leiter Thomas Dosch spielt ökologischer Landbau eine zentrale Rolle.

Von Mirjam Ulrich

Die Domäne Mechtildshausen erzeugt, verarbeitet und vertreibt Lebensmittel lokal. Für Leiter Thomas Dosch spielt ökologischer Landbau eine zentrale Rolle.

Die Zukunft hat Hörner und mampft Silage aus Heu und Mais. Es sind Milchkühe der Rasse Montbéliard, und sie, das Heu und der Mais sind „bio“ – wie alles, was auf der Domäne Mechtildshausen wächst und gedeiht – und außerdem auch dort verarbeitet und verkauft wird. Aus diesem Grund ist der Erbenheimer Betrieb für dessen Leiter Thomas Dosch ein Zukunftsmodell.

„In 30 Jahren wird sich ein Ballungsraum wie das Rhein-Main-Gebiet allein schon wegen der Energiepreise anders mit Lebensmitteln versorgen als heute“, sagt der Agrarökonom und gelernte Landwirt. Da biete es sich an, dass sich viele kleine Betriebe zusammenschließen, um Lebensmittel lokal zu erzeugen, lokal zu verarbeiten und zu vertreiben. Zudem spiele künftig der ökologische Landbau eine größere Rolle, weil mineralischer Stickstoff als Dünger zu teuer werde. Dessen Produktion benötige viel Energie.

„Ökologischer Landbau ist nicht nur ein Vermarktungsbegriff, sondern eine hochmoderne Landbaumethode, um Lebensmittel herzustellen“, sagt Dosch. Der 52-Jährige war bis März 2011 zwölf Jahre lang Präsident des ökologischen Anbauverbands Bioland, nach dessen Regeln auch die Domäne arbeitet. 150 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, davon 90 Auszubildende in mehr als 20 Berufen. Der Ökobetrieb wird von der Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW) bewirtschaftet.

Er umfasst insgesamt 650 Hektar an vier Standorten. In Erbenheim gibt es neben einem Hofladen eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Käserei, ein Café und ein Restaurant sowie ein Gästehaus. Außer Getreide bauen die Mitarbeiter 80 Gemüsesorten an, ebenso rund ein Dutzend Obstsorten – von Äpfeln über Himbeeren und Pfirsiche bis zu Zwetschgen.

Außer den Montbéliard-Rindern züchten sie noch andere Rinderrassen, wie etwa die vom Aussterben bedrohten Glan-Kühe. Wer will, kann ihre Ställe besichtigen, Dosch liegt Transparenz am Herzen. Er erläutert Kunden auch gern die neue Reinigungsanlage für Milchflaschen, die er sofort anschaffte, nachdem es vorige Woche bei der früheren Anlage zu Verunreinigungen kam.

Schweine, Ziegen, Pferde, Esel, Hühner, Enten und Gänse finden sich ebenfalls auf dem Hof. Die 55 Zuchtsauen und etwa 500 Mastschweine ziehen im Laufe des kommenden Jahres um: Ihr Stall liegt nahe am neuen Wohngebiet der US-Armee, die ihn nicht vor der Nase haben will.

„Die Amerikaner wissen vermutlich nicht, dass Schweine, die auf Stroh gehalten werden, gar nicht stinken“, sagt Dosch dazu. Der Schweinestall wird deshalb 400 Meter südlich neu gebaut und erweitert. Wenig Zukunft bleibt hingegen den etwa 200 jetzt noch verbliebenen Gänsen – sie werden am Samstag in der hauseigenen Schlachterei ihr Leben lassen.

www.domaene-mechtildshausen.de

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