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Noch Mädchen und schon Mutter

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Von: Christina Franzisket

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Erste Ansprechpartnerin bei Problemen ist die Freundin.
Erste Ansprechpartnerin bei Problemen ist die Freundin. © KEYSTONE

Zum Internationalen Mädchentag werden Probleme von jungen Frauen thematisiert. Pro Familia nutzt den Tag, um besonders das Thema Schwangerschaft bei Minderjährigen zu thematisieren.

Zum Internationalen Mädchentag werden Probleme von jungen Frauen thematisiert. Pro Familia nutzt den Tag, um besonders das Thema Schwangerschaft bei Minderjährigen zu thematisieren.

Tim und Lea (Namen von der Redaktion geändert) hatten sich auf einer Jugendfreizeit ineinander verknallt. Als der Urlaub vorbei war, war Tim wieder zu Hause in Wiesbaden und Lea schwanger. Das 16-jährige Mädchen bekam schlimmen Ärger mit den Eltern, deshalb nahm Tim sie mit zur Wiesbadener Beratungsstelle von Pro Familia. Dort traf das verzweifelte junge Paar auf Schwangerenberaterin Heidrun Metzler: „Die beiden wollten das Baby“, erinnert sie sich.

Pro Familia nutzt den heutigen zweiten internationalen Mädchentag und greift mit einer Filmvorführung im Caligari das Thema „junge Mütter“ auf. „In den Medien wird es immer als besonders problematisch dargestellt wenn Minderjährige schwanger werden“, sagt Metzler, „dabei muss es nicht dramatisch ablaufen.“ In ihrem Beruf habe sie die Erfahrung gemacht, dass es mit Rückhalt aus der Familie durchaus gut funktionieren könne, wenn Mädchen Mütter werden. „Der Film geht sehr differenziert und sensibel mit dem Thema um“, sagt Metzler, „er zeigt, dass eine junge Mutterschaft auch Freude sein kann.“

Insgesamt würden in Wiesbaden und bundesweit häufiger Mädchen mit geringer Bildung und schlechten Berufschancen früh schwanger. Doch egal ob arm oder reich – der Schock bei den Eltern sei oft erstmal groß: „Eltern sind entsetzt und sehr besorgt.“ In ihrer Beratung überlegt Metzler dann mit den Familien gemeinsam, wie es weiter gehen kann: „Die jungen Menschen müssen verstehen, dass sie mit der Geburt eines Kindes auch Verantwortung übernehmen müssen.“

In Wiesbaden gibt es für junge Schwangere, aber auch für alle anderen Probleme von Mädchen mehrere Anlaufstellen. Einige, wie Pro Familia oder der Verein Mädchentreff nutzen den Mädchentag um sich vorzustellen.

Juliane Philipp-Lankes ist als Referentin im kommunalen Frauenreferat auch eine Ansprechpartnerin und weiß was Mädchen in Wiesbaden bewegt: „Die Themen sind zahlreich“, sagt sie. Jedoch sei das Bewusstsein in der Bevölkerung für Mädchenprobleme eher gering, „es gibt Gleichberechtigung, Mädchen machen die besseren Bildungsabschlüsse und fallen wenn dann positiv auf“, sagt sie, doch das sei nur ein oberflächliches Bild: „Minderjährige Schwangere und Armut von Mädchen gibt es auch in einer reichen Stadt wie Wiesbaden “, sagt sie.

Dass Mädchen sogar im Berufsleben noch benachteiligt werden, erzählt Petra Bermel, sie ist Mitarbeiterin von Mädchentreff e.V.: „Wenn sich Mädchen heute für einen frauenuntypischen Beruf entscheiden, stehen sie immer noch Vorurteilen gegenüber“, sagt Bermel. Durch den Einfluss von Familie, Schule und Gesellschaft würden sie oft in die Richtung von Frauenberufen gelenkt: „Und das sind meist Berufe, die schlecht bezahlt sind.“

Für junge Mütter ist eine gute berufliche Zukunft besonders schwer zu erlangen. Deshalb waren die Eltern der 16-jährigen Lea gegen das Baby, erzählt Sexualberaterin Metzler. Doch das Mädchen wollte nicht abtreiben. Schließlich boten Tims Eltern Hilfe an, nahmen Lea bei sich auf und versprachen für das Kind zu sorgen, so dass die beiden eine Berufsausbildung absolvieren können. Und so zog Lea nach Wiesbaden und konnte ihr Baby bekommen.

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