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Hier stand es: Archäologe Frank Lorscheider (r.) und Mitarbeiter legen Fundamente frei.
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Hier stand es: Archäologe Frank Lorscheider (r.) und Mitarbeiter legen Fundamente frei.

Römer in Wiesbaden

Nobelgeschirr der Römer gefunden

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Hinter dem Walhalla-Theater in Wiesbaden finden Archäologen römische Siedlungsreste aus dem 2. Jahrhundert.

Frank Lorscheider ist gerade damit beschäftigt, in der kleinen Baulücke in der Hochstättenstraße den Baggerfahrer einzuweisen. „Das neue Zeugs muss ’raus, das andere muss bleiben“, sagt der Archäologe. Im Erdreich auf der Rückseite des Walhalla-Theaters stießen Arbeiter beim Verfüllen maroder Keller auf römische Siedlungsreste. Lorscheider untersucht nun, wie weit die Fundstelle reicht und was noch alles zu entdecken ist.

In einer Tiefe von einem bis 1,80 Metern liegen Fundamente aus Natursteinen, die zu einem römischen Wohnhaus gehörten. Brandreste lassen darauf schließen, dass das Haus noch in römischer Zeit abbrannte. Lorscheider geht davon aus, dass es sogar zweimal großflächig brannte. In dem sechs mal acht Meter großen Grabungsfeld lagen auch Scherben, rote Terra Sigillata und Terra-Nigra-Keramik aus Ostgallien, „das Nobelgeschirr der Römer“.

Das Geschirr ist so gut erforscht, dass es bei der zeitlichen Einordnung hilft. „Wir befinden uns im Jahre 100 bis 150 nach Christi“, sagt der Archäologe. Wiesbaden war also schon zu römischen Zeiten ein reiches Pflaster. Ein Bade-, Amüsier- und Geschäftszentrum, nur eine Stunde zu Pferd von der Hauptstadt, dem heutigen Mainz, entfernt. „So schön, dass die Römer den Ort noch lange nach dem Fall des Limes hielten“, sagt Lorscheider.

Die Baulücke ist eigentlich als Baustellenabstellplatz eingeplant. Im April soll die Hochstättenstraße neu gepflastert werden, Tiefbauarbeiten stehen an. Lorscheider rechnet damit, dass der Termin eingehalten werden kann. Der Fund war keine große Überraschung. Da die Hochstättenstraße in dem Bereich der römischen Siedlung Aquae Mattiacorum liegt, hatten Archäologen bereits die Probebohrungen des Kampfmittelräumdienstes begleitet, berichtet Beate Leinthaler vom Denkmalschutzamt. Auch die dahinter liegenden und zum Walhalla-Theater gehörenden fünf Meter tiefen Keller hat das Denkmalschutzamt überprüft, aber für nicht schützenswert erachtet. Da sie einsturzgefährdet sind, müssen sie schleunigst verfüllt werden. Bei den Bauarbeiten für das Walhalla-Theater im 19. Jahrhundert war das jetzige Fundgelände terrassiert worden.

Das erschwert Lorscheider heute die Arbeit. Er untersucht auch, ob sich unter der Sohle eines in den 1980er Jahren abgebrochenen Kellers archäologisch wertvolle Schichten befinden. Die Römer besiedelten Wiesbaden etwa 20 nach Christus. „Auf dieser Ebene sind wir noch nicht“, sagt Lorscheider. Da die Menschen oft auf die Siedlungen der vorangegangenen Generation bauten, könnte es sein, dass er noch ältere Baureste findet. Lorscheider will also tiefer graben. Eine abschließende Beurteilung der Funde ist noch nicht möglich.

„Wir sehen die Grabungen mit einem lächelnden und einem weinenden Auge“, sagt Andreas Rettig, technischer Leiter der WVV Holding, der das Areal gehört, „lächelnd, weil die gewonnenen Erkenntnisse interessant sind; weinend, weil die Grabungen Geld kosten.“ Die Baulücke soll für die nächsten zwei Jahre frei bleiben und erst bebaut werden, wenn das Konzept für das Walhalla-Theater steht. Dieses ist aber noch in weiter Ferne.

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