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"Es gab nirgendwo Entlassungen"

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Günther Craß ist Geschäftsführer von Infraserv in Wiesbaden.
Günther Craß ist Geschäftsführer von Infraserv in Wiesbaden. © FR/Schick

Der Chef von Infraserv in Wiesbaden, Günther Craß, zieht im FR-Interview Bilanz und erzählt, warum er trotz Wirtschaftskrise positv ins neue Jahr blickt.

Herr Craß, was sind Ihre Vorsätze für das neue Jahr?

Wenn dieses Jahr so wird wie das letzte, bin ich schon zufrieden. Die Finanzkrise hat uns glücklicherweise nicht so hart getroffen. Die Zahl der Aufträge, bezogen vor allem auf Infraserv, ist auf hohem Niveau geblieben - unsere Umsätze sind insgesamt nur um 10 Prozent gesunken. Betroffen war vor allem der Energiebereich. Die im Industriepark ansässigen Unternehmen haben einfach etwas weniger bestellt.

Es scheint also, dass nicht alle Unternehmen die Krise so einfach wegstecken konnten. Wie ist die Stimmung im Industriepark Kalle-Albert?

Natürlich hatten einige Firmen Probleme mit sinkenden Auftragszahlen. Aber die gute Nachricht ist: Es gab meines Wissens nirgendwo Kündigungen. Ein Stellenabbau hat nur über die Fluktuation stattgefunden - das heißt, Stellen von Mitarbeitern, die etwa in Rente gegangen sind, wurden nicht immer wiederbesetzt. Aber es ist zu erwarten, dass auch wieder eingestellt wird, sobald sich die Produktionslage normalisiert.

Wie sieht es mit Kurzarbeit aus?

Die hat es nur in wenigen Fällen gegeben. Derzeit wird wieder fast in allen Betrieben Vollzeit gearbeitet.

Das klingt tatsächlich so, als sei der Industriepark recht glimpflich davon gekommen. Wie erklären Sie sich das?

Wir haben Glück, dass die meisten Unternehmen hier konsumnah produzieren. Dort machen sich die Absatzschwierigkeiten längst nicht so stark bemerkbar wie bei der investitionsnahen Produktion. Nehmen wir zum Beispiel das Chemieunternehmen Clariant, dass hier am Standort unter anderem Waschhilfsmittel herstellt - gewaschen wird bekanntlich auch in der Krise.

70 Unternehmen beherbergt der Industriepark derzeit. Ändert sich in diesem Jahr daran etwas?

Das Pharmaunternehmen Chemagis mit seinen 70 Mitarbeitern plant, seinen Standort komplett nach Indien zu verlegen. Größere Neuzugänge haben sich derweil nicht angekündigt. Es gibt momentan noch fünf bis acht Prozent vor allem an Bürofläche zu vermieten - der Standort ist also insgesamt recht gut ausgelastet, und daran ändert sich wohl auch nichts.

Ihr 96 Hektar großer Industriepark ist mit 5600 Mitarbeitern einer der größten hierzulande und zahlt jährlich 155 Millionen Euro Gewerbesteuer. Die meisten Wiesbadener nehmen davon jedoch keine Notiz. Um also noch einmal auf Ihre Vorsätze für 2010 zurückkommen: Bräuchten Sie nicht mal eine Imagekampagne?

Von Werbung hätten wir nicht allzu viel - denn es kaufen ja nur wenige direkt im Industriepark ein. Was uns wichtig ist: Wir leben im Einklang mit der Bevölkerung, und frühere Probleme, etwa mit unserem einst "geruchsintensiven" Klärwerk, sind längst aus der Welt geschafft. Vor allem die Stadt weiß natürlich, was sie an uns hat. Um das klarzustellen: Es gibt kein Imageproblem.

Aber vielleicht bald ein Umweltproblem - ihr Industriepark deckt immerhin ein Drittel des städtischen Energieverbrauchs ab. Wo doch alle vom Klimawandel reden.

Wir arbeiten mit 25 Prozent erneuerbaren Energien. Damit haben wir das derzeit mögliche Maximum erreicht. Und was die CO2-Emissionen anbelangt: Die sind an einem solchen Industriestandort natürlich immens. Aber die ansässigen Unternehmen investieren derzeit sehr viel in energiesparende - und damit auch CO2-emmissionsreduzierende - Produktionstechniken. Wir von Infraserv sind ihnen dabei natürlich behilflich - auch wenn das für uns dann den wirtschaftlichen Nachteil hat, dass wir weniger Energie an unsere Kunden verkaufen können.

Interview: Bastian Beege

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