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Neues Zuhause für Fledermäuse

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Das Zuhause ist fertig, jetzt fehlen nur noch die Bewohner.
Das Zuhause ist fertig, jetzt fehlen nur noch die Bewohner. © Michael Schick

Einst wurde der Wasserstollen in Wiesbaden von Hessenwasser genutzt, nun bekommt er eine neue Bestimmung: Künftig soll er Fledermäusen als Schlupfwinkel dienen.

Von Tim Niendorf

Manfred Ernst scherzt. „Sesam öffne dich“, sagt der Dotzheimer Ortsvorsteher, als er vor der Tür des ehemaligen Wasserstollens im Graurod steht. Doch mit einem bloßen Zauberspruch lässt sie sich nicht öffnen, Ernst muss schon Hand anlegen und die Pforte aufstoßen, damit Ordnungs- und Grünflächendezernent Oliver Franz (CDU) hier das neue Fledermausquartier eröffnen kann.

Den einst von Hessenwasser genutzten, aber schon vor geraumer Zeit aufgegebenen Stollen, in dem die fliegenden Säugetiere künftig ein Zuhause finden sollen, hatte die Stadt 2013 für einen symbolischen Euro übernommen. „Das Quartier ist ein ökologisches Vorzeigeprojekt“, sagt Franz. „Wir müssen den Wald als ganzes Ökosystem begreifen, zu dem auch der Artenschutz gehört.“ Manchmal brauche es gar nicht so viel Aufwand, um sich für den Naturschutz einzusetzen.

In Deutschland sind 25 Fledermausarten beheimatet, acht davon leben im Wiesbadener Stadtwald. Zum Beispiel das Braune Langohr, das Große Mausohr und die Fransenfledermaus – die Namen sind so kurios wie treffend, denn sie vermitteln eine sehr genaue Vorstellung vom Aussehen der Tiere.

Dass sie bereits seit 1936 gesetzlich unter Schutz stehen, hat nicht verhindert, dass sie nach wie vor gefährdet sind. Ihre Lebensräume werden immer kleiner, gerade auf der Suche nach Winterquartieren werden die Tiere immer seltener fündig. Fledermäuse benötigen Höhlen und Spalten als Schutzräume, Zufluchtsorte, die moderne Häuser nicht bieten. Auch junge Bäume sind mangels Schlupfwinkel ungeeignet.

Viel Lob für die Helfer

„Wir mussten die Gelegenheit beim Schopfe packen“, sagt Sabine Rippelbeck, Abteilungsleiterin Forst des Grünflächenamts. „Es wäre ein schöner Erfolg, sollten hier seltene Arten ein Zuhause finden.“ Die Unterhaltung des Stollens koste nichts, „wir warten also nur noch auf die Ankunft der Fledermäuse“. Und auf diese warten aufeinander getürmte Hohlblocksteine, die passende Nischen bereithalten. Revierförster Tim Brunsch erklärt den Vorteil der Anlage: „Die Betonwände sorgen dafür, dass es in dem Quartier warm bleibt. Außerdem fließt in den Stollen immer noch zehn bis elf Grad warmes Wasser, das die Temperatur hochhält.“

Lediglich 670 Euro habe der Umbau gekostet, vor allem die Waldjugend packte tatkräftig an. Die jungen Helfer brachten Äste, Laub und Steine in den Stollen, um auch Kleinstlebewesen anzulocken. Durch ein Loch und über eine kleine Rampe können Feuersalamander, Mäuse und Schlangen in das Gebäude gelangen. „Uns war wichtig, eine multifunktionale Nutzung zu ermöglichen“, sagt Brunsch.

Oliver Franz ist voll des Lobes für die Helfer: „Es freut mich, dass das Fledermausquartier durch das große Engagement der Beteiligten entstanden ist“, sagt der Dezernent. Und wenn es nach Tim Brunsch geht, wird sich das Engagement schon sehr bald auszahlen. Schließlich biete das Gebäude ideale Bedingungen, um sich vor winterlicher Kälte zu schützen – und diene im Sommer als Balzplatz. „Sobald ein paar Fledermäuse das Quartier gefunden haben, wird es sich unter ihnen schnell herumsprechen“, sagt der Revierförster. Um ins Gebäude zu gelangen, brauchen die Tiere keine offene Tür. Ein Flug durch einen kleinen Spalt genügt vollkommen aus.

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