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Neues Bildungszentrum eröffnet

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Sozialdezernent Arno Goßmann und HSK-Chefin Corinna Glenz (Mitte) am Brutkasten.
Sozialdezernent Arno Goßmann und HSK-Chefin Corinna Glenz (Mitte) am Brutkasten. © Helios HSK

An den Horst-Schmidt-Kliniken lernt das Personal an modernsten Apparaten. Die Freude über das neue Bildungszentrum der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken ist allgegenwärtig. Die Baukosten belaufen sich auf drei Millionen.

Von Peter H. Eisenhuth

Ursula Heimann ist begeistert. „Unser alter Demonstrationsraum befand sich mitten im Gebäude, es gab nur künstliches Licht und eine Klimaanlage.“ Jetzt steht die Lehrerin für Pflegeberufe mit ihren Schülerinnen in einem geräumigen Zimmer mit vielen Fenstern, es ist hell, die Atmosphäre angenehm. „Ich glaube, das wird sich auch positiv auf die Motivation der Auszubildenden auswirken“, sagt sie.

Die Freude über das neue Bildungszentrum der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) war bei der gestrigen Eröffnung allgegenwärtig. Die einen freuten sich über die rasche Umsetzung des Projektes: „Planung und Bau haben nur knapp ein Jahr in Anspruch genommen“, sagte Helios-Regionalgeschäftsführerin Corinna Glenz. Andere waren angetan von der Bedeutung, die das Unternehmen dem Thema Aus-, Fort- und Weiterbildung beimisst: „Wir müssen dem Fachkräftemangel, der auf uns zukommt, entgegensteuern, um die Zukunft des Gesundheitsstandortes zu sichern“, betonte Bürgermeister Arno Goßmann.

Eigenfinanziertes Projekt

Drei Millionen Euro hat der zweigeschossige Neubau gekostet, „wir haben ihn komplett aus Eigenmitteln finanziert“, berichtete Glenz. Den Nutzern stehen auf rund 1350 Quadratmetern sieben Unterrichtsräume, ein großer Praxisübungsraum, eine Bibliothek, mehrere Büros und Lehrerzimmer sowie Sozialräume zur Verfügung. Ausgebildet werden hier Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger, Hebammen und Operationstechnische Assistenten. „Jährlich nehmen etwa 160 Auszubildende am Unterricht teil“, sagte Regina Ludy, die Leiterin der Schulen für Gesundheitsberufe.

Allerdings seien immer weniger junge Leute bereit, diese anspruchsvollen und anstrengenden Berufe zu erlernen. „Das neue Bildungszentrum ist ein Anziehungspunkt, der helfen wird, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen“, hofft Ludy.

Bei Jenny Berger muss sie keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. Sie gehört zu jenen Schülerinnen, die am 1. Oktober ihre Ausbildung an den HSK begonnen haben. Von Ursula Heimann lassen sie und ihre Mitschülerinnen sich den behutsamen Umgang mit im Brutkasten liegenden Frühgeborenen erklären, geübt wird an einer kleinen Puppe zum Beispiel das Fiebermessen. Angst habe sie davor nicht, sagt Jenny Berger, „aber Respekt. Den muss man auch haben“. Was man alles falsch machen kann? „Alles“, ruft eine Mitschülerin dazwischen, Jenny Berger wird etwas konkreter. „Ich habe jetzt zum Beispiel schon gelernt, dass man den Babys die Beine nicht anheben soll. Das ist nicht gut.“

Sechs Wochen Einführung gehen dem ersten Einsatz auf einer Station voraus, wo Praxisanleiterinnen die Auszubildenden beim Übergang von der Übung mit Puppen zum Dienst am Menschen begleiten. Nicht nur Kevin Zenkert ist heilfroh, dass sich die Suche nach einem geeigneten Gelände fürs Bildungszentrum in der Stadt zerschlagen hatte, der Bau stattdessen in unmittelbarer Nachbarschaft des Klinikums errichtet werden konnte und die Pflegeschüler jetzt nur wenige Meter zwischen Unterrichtsräumen und Stationen zurücklegen müssen.

Weite Fahrtwege quer durch Wiesbaden wären wenig attraktiv gewesen, merkt der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung der HSK an. Die jetzige Lösung aber sei infrastrukturell, von der technischen Ausstattung und vom pädagogischen Konzept her optimal. Und das sei unabdingbar, denn: „Die Qualität der Ausbildung von heute ist die Qualität der Fachkräfte von morgen.“

Die Unterrichtsräume des Zentrums befinden sich im Obergeschoss. Eveline Schlick-Soffner steht vor der Klasse und tippt mit den Fingern auf einem überdimensionierten Bildschirm herum – dort, wo früher eine Tafel hing, befindet sich jetzt ein sogenanntes Smartboard. „Wir haben unsere eigene ,Lernbar‘“, sagt die Lehrerin, „damit können wir unseren Unterricht interaktiv gestalten.“

Papierfreie Ausbildung

Das funktioniert, weil die HSK allen Schülern ein iPad zur Verfügung stellt, das nach bestandenem Examen in deren Besitz übergeht. Kreide war gestern, „jetzt wollen wir papierfrei werden“, sagt Schlick-Soffner. „Das kostet nämlich zu viel Geld und fliegt doch nur in der Gegend herum.“ Mit der neuen Technik lasse sich wesentlich effektiver lernen, mehr Spaß mach es obendrein. „Ich möchte jedenfalls nicht mehr darauf verzichten.“

Im Demonstrationsraum hat sich derweil Arno Goßmann zu jener Gruppe von Auszubildenden gesellt, die gerade den Umgang mit einem Blutdruckmessgerät lernt. Als Mann der Tat fackelt er nicht lange, sondern setzt sich auf einen Stuhl und stellt seinen linken Arm zur Verfügung. „Rechts ist besser“, sagt die angehende Krankenschwester. Hemdsärmel hochkrempeln, Manschette anlegen, pumpen, warten – dann weiß der Dezernent, ob er zum nächsten Termin kann oder doch besser eine Pause einlegt. Der Wert unterliegt selbstverständlich der Schweigepflicht.

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