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Neue Kunst für Wiesbadener Freiluftgalerie

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Von: Mirjam Ulrich

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Für solche großen Bilder haben sich auch mal Kunstschaffende zusammengetan.
Für solche großen Bilder haben sich auch mal Kunstschaffende zusammengetan. © Renate Hoyer

90 internationale Künstlerinnen und Künstler malen beim beim Graffiti-Festival „Meeting of Styles“. Erstmals gibt es eine eigene Wand für Sprüherinnen.

Spraydosen klackern, es riecht nach Farbe und Lösungsmitteln: In der größten Freiluftgalerie des Rhein-Main-Gebiets entstehen wieder neue Werke. Rund um den Kasteler Brückenkopf gestalten Künstlerinnen und Künstler aus 26 Ländern beim Streetart- und Graffiti-Festival „Meeting of Styles“ 3000 Quadratmeter Betonfläche um.

Einer der Kreativen ist Timo Tyynismaa aus dem finnischen Oulu. Er ist zum ersten Mal in Wiesbaden dabei und teilt sich eine große Wand mit zwölf anderen, die er zuvor nicht kannte. „Wir diskutierten vorab über WhatsApp, wie wir die Wand gestalten“, berichtet der Architekt.

Insgesamt 450 Sprayer:innen aus Deutschland und Europa, Afrika, Asien sowie Nord- und Südamerika bewarben sich für das diesjährige Festival. „Wir wählten rund 90 von ihnen nach Stil, Originalität und Herkunftsland aus“, sagt Manuel Gerullis, Gründer und Organisator des Festivals. In den vergangenen Jahren nahmen „stets zehn bis 15 Frauen teil, aber die gingen immer etwas unter.“ Deshalb gibt es zum ersten Mal eine „Female Wall“, an der zwölf Künstlerinnen arbeiten.

Dass Männer die Streetart-Szene dominieren, bezeichnet die freischaffende Künstlerin Natalie aus Chicago als herausfordernd. „Es gibt einem mehr Antrieb, obwohl ich denke, wir Künstlerinnen sollten uns nicht so sehr beweisen müssen“, sagt die 34-Jährige. Unter dem Pseudonym Urban Warrior erschafft sie in den USA vor allem Wandgemälde. In Kastel sprüht sie ein Rentier mit einem Geweih aus Pilzen.

Gelder und Touren

Die Farbe stammt aus rund 1500 Spraydosen, die beim Festival zum Einsatz kommen.

Die Stadt und die Ortsbeiräte von Kastel und Kostheim fördern das „Meeting of Styles“ mit insgesamt 25 000 Euro. Zudem unterstützt das Team vom Kinder- und Jugendzentrum das Festival mit Logistik, Infrastruktur und Verpflegung.

Graffiti-Touren werden mehrmals im Jahr angeboten. Termine und Informationen sind unter kontext- wiesbaden.de zu finden. miu

Ein Stück weiter links von ihr gestaltet die Grafikdesignerin Jocky eine Frau, die eine „máscara del jaguar“ trägt – eine traditionelle Jaguar-Tanzmaske. Die stamme aus der Region Guerrero in Mexiko und spiele bei manchen landwirtschaftlichen Zeremonien eine Rolle, erläutert die 25-jährige Mexikanerin.

Die Graffitikünstlerin Honey wiederum hat sich seit vier Jahren dem Stylewriting verschrieben. Buchstaben seien nicht so gern gesehen, weil sie mit Vandalismus in Verbindung gebracht werden, weiß die Berlinerin. Gutes Stylewriting sei jedoch auch eine Kunst. „Man versucht, das begrenzte Set von 26 Buchstaben tanzen zu lassen und ihnen eine eigene Tonalität zu geben“, erläutert sie.

Unter dem Geländer zur Unterführung arbeitet der Sprayer SEZK an seinem Namenszug. Der 45-jährige Mainzer nahm schon am ersten Festival 1997 im Schlachthof teil, das damals noch „International Wall Street Meeting“ hieß. Ihm gefällt besonders der Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern aus anderen Ländern und Kulturen: „In der Graffitiszene habe ich die interessantesten Menschen kennengelernt.“

Auf der anderen Seite der Unterführung steht Pixeljuice mit Spraydosen auf einem kleinen Gerüst. „Streetart ist nicht nur ein Hobby, das man als Jugendlicher betreibt“, sagt der 46-Jährige aus Mainz. Er findet die großen Flächen attraktiv. „Und wir bekommen die Dosen gesponsert, das heißt, man hat auch das Material dazu.“ Dass jemand über die Werke vom „Meeting of Styles“ sprühe, passiert seiner Beobachtung nach eher selten. Für die meisten Sprayer und Sprayerinnen zähle das Foto, damit seien die auch zufrieden.

Auf der Wand gegenüber kreiert die TSF Crew ein Kunstwerk, das überwiegend in Blautönen gehalten ist. Ein Mädchen liest in einem Aufklappbilderbuch und erweckt die Phantasiewelt zum Leben. Unter ihr ist eine Stadt zu sehen, wer genauer hinschaut, erkennt die Kuppel der Mainzer Christuskirche und einen Bogen der Theodor-Heuss-Brücke. Die fünf Franzosen fahren auch zu „Meeting of Style“-Festivals in anderen Ländern. „Aber Wiesbaden ist einfach das Original.“

Die Künstlerin Hidra aus Spanien will Frauen sichtbar machen.
Die Künstlerin Hidra aus Spanien will Frauen sichtbar machen. © Renate Hoyer

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