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Neue Chancen für die Aartalbahn bei Wiesbaden

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Von: Madeleine Reckmann

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Am Bahnhof Dotzheim könnte ein Haltepunkt der künftigen Aartalbahn sein.
Am Bahnhof Dotzheim könnte ein Haltepunkt der künftigen Aartalbahn sein. © michael schick photo

Die Bauwerke entlang der Strecke sind in gutem Zustand. Aber bis Züge fahren, vergehen Jahre.

Die Bauwerke entlang der Aartalbahnstrecke im Wiesbadener Stadtgebiet sind in einem besseren Zustand als erwartet. Bahnsteige, Brücken, Bahndämme und Gleise, die für den Betrieb der Aartalbahn benötigt würden, haben Gutachter bei einer ersten Ortsbegehung angeschaut und als gut erhalten eingeordnet. Nur die Brücke in der Flachstraße weise größere Schäden auf.

Es gibt die begründete Hoffnung, dass die Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn von Bund und Ländern gefördert werden kann. Dieses Zwischenergebnis der Machbarkeitsstudie über den Südabschnitt der Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach hat Peter Forst vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im Mobilitätsausschuss bekannt gegeben. Bis die Bahn wieder auf der 54 Kilometer langen und unter Denkmalschutz stehenden Strecke pendeln kann, werden aber noch viele Jahre vergehen.

Die Sichtung für die Machbarkeitsstudie prüft den Zustand der Bauwerke nicht detailliert. Über den Sanierungsaufwand könne daher keine Aussage getroffen werden, teilt Forst der FR auf Anfrage mit.

Die Untersuchung soll darüber Aufschluss geben, welche technischen Neuerungen notwendig sind, damit wieder planmäßig Personenzüge fahren können. Die Studie war im Dezember 2021 vom RMV, der Landeshauptstadt und dem Rheingau-Taunus-Kreis in Auftrag gegeben worden. Mit konkreten Ergebnissen wird zum Jahresbeginn 2023 gerechnet. Die Untersuchung ergänzt eine vor drei Jahren erfolgte Untersuchung des Abschnitts von Bad Schwalbach bis Diez, die wegen der damals noch geplanten Citybahn den Südabschnitt nicht betrachtet hatte.

Da der Bund das Fördergesetz für die Reaktivierung von Bahnstrecken novellierte, habe sich die Chance auf finanzielle Unterstützung erhöht, führte Forst aus. Das Bewertungsverfahren berücksichtige jetzt die Auswirkungen auf das Klima und den volkswirtschaftlichen Nutzen stärker. Neu sei zudem, dass der Flächen- und Energieverbrauch für den motorisierten Individualverkehr im Vergleich mit dem Öffentlichen Nahverkehr stärker beachtet werde. Auch touristische Aspekte fänden Niederschlag. „All das lässt erwarten, dass die Voraussetzungen für einen günstigen Ausgang des Reaktivierungsvorhabens gestiegen sind“, sagt Forst. Ohne diese öffentliche Subventionierung kann der Bahnbetrieb nicht wieder starten.

Züge mit Brennstoffzelle

Offen sei noch, an welchen der ursprünglich 19 Haltepunkten bis Bad Schwalbach die Bahn stoppen wird. Ebenso ungeklärt sei, ob die Aartalbahn am Wiesbadener Hauptbahnhof oder am Ostbahnhof ihre Endstation haben werde. Für den Hauptbahnhof sprechen die zahlreichen Umsteigemöglichkeiten in verschiedene Richtungen, allerdings fehlen ein paar Hundert Meter Gleise in den Sackbahnhof hinein. Für den Ostbahnhof sprechen die schnelleren Verbindungen nach Mainz und Frankfurt. Die Strecke soll eingleisig bleiben; die Züge sollen an einigen Orten wie dem früheren Güterbahnhof, in Dotzheim, Bad Schwalbach und an den Endstationen Ausweichgleise nutzen können.

Sicher aber sei, so Forst, dass die Bahn mit emissionsfreiem Antrieb fahren werde, mit Brennstoffzelle oder Batterie. Die Strecke müsse nicht elektrifiziert werden. Bis Klarheit über die Förderfähigkeit der Aartalbahn herrscht, würden laut Forst weitere anderthalb Jahre ins Land gehen. Erst dann beginnt die Detailplanung. Landeshauptstadt und Rheingau-Taunus-Kreis versprechen sich von der Reaktivierung, die Verkehrsprobleme zu lösen. 60 000 Autos passieren täglich den Taunuskamm, es kommt oft zu langen Staus.

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