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Klimaförster Jan Borchert zeigt, wie die kleinen Bäume in die Erde gesetzt werden müssen. Foto: Renate Hoyer
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Klimaförster Jan Borchert zeigt, wie die kleinen Bäume in die Erde gesetzt werden müssen.

Wiesbaden

Neue Bäume für einen klimastabilen Wald

  • VonMirjam Ulrich
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Auf der Hohen Wurzel bei Wiesbaden pflanzen Freiwillige mit dem gemeinnützigen Start-up Planted junge Erlen. Das Unternehmen will mehr Bewusstsein für den Klimawandel schaffen.

Drei heiße Sommer hintereinander und das ganze Jahr über zu wenig Regen. Für die Bäume im Wald um Wiesbaden bedeutet dies Stress pur, für die Borkenkäfer ein großes Fest. Die Bäume vermögen ihnen kaum Widerstand entgegenzusetzen, selbst die gesunden nicht. Normalerweise versuche der Baum den Schädling „auszuharzen“, also den Käfer mit Harz zu umkleiden, erläutert Forstdirektor Ralf Bördner von Hessen Forst. „Doch die Bäume bekommen alle nicht genug Wasser, um Harz zu bilden.“ Bördner leitet das Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus, das auch für den Wald auf der Hohen Wurzel verantwortlich ist.

Dort mussten im Herbst 2020 wegen der Borkenkäfer zahlreiche Fichten, aber auch Lärchen und alte Buchen gefällt werden. Zum einen, damit die Schädlinge nicht in diesem Jahr weiter fressen, die überwinternden Larven überleben Kälte bis zu -25 Grad Celsius. Zum anderen wegen der Verkehrssicherheit von Wanderwegen und Straßen. Rund 20 000 Hektar Waldfläche sind deshalb auf der Hohen Wurzel kahl.

„Mir blutet das Herz“, sagt Jan Borchert bei dem Anblick. Der Forstwissenschaftler, der sich selbst als „Klimaförster“ bezeichnet, arbeitet für das gemeinnützige Start-up Planted HQ. Es hat mit Hessen Forst einen Sponsoring-Vertrag geschlossen und 10 000 neue Bäume wie Eichen, Hainbuchen oder Kirschen bezahlt. Gemeinsam mit einem Dutzend Freiwilligen pflanzt Borchert am Samstag die letzten 100 Bäume auf der Hohen Wurzel selbst. Diesmal handelt es sich um Erlen, denn das abgeholzte Areal am Hang ist sehr feucht. „Bevor hier nach dem Zweiten Weltkrieg Fichten angepflanzt wurden, standen hier Erlen“, weiß Borchert.

Planted HQ

Die Monatspakete kosten 9, 18 oder 36 Euro und sind monatlich kündbar. Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.

Die CO2-Zertifikate bezieht das gemeinnützige Start-up nach eigenen Angaben über ein UN-Klimaprojekt in Indien, wo ein Windkraftwerk entsteht.

Weitere Informationen unter: https://planted.green

Er zeigt den Helferinnen und Helfern, wie tief sie graben müssen, um die etwa 80 Zentimeter großen Erlen zu setzen. Jedes Bäumchen bekommt einen Holzstab zur Stütze und einen Schutz drumherum, damit Rehe nicht die Blätter abfressen. Der Abstand zum nächsten Baum beträgt immer vier Meter, schließlich soll dazwischen auch noch Platz für andere bleiben. Mit der Zeit versamen sich dort noch andere Arten, „natürliche Verjüngung“ nennen das Waldexperten. „Das Ziel ist ein klimastabiler Mischwald“, erläutert der Forstwissenschaftler. Auf größeren Kahlflächen werden daher gezielt Bäume angepflanzt, um den Wald dabei zu unterstützen. Bei einem Hektar mit Eichen kostet das laut Forstdirektor Bördner 15 000 bis 20 000 Euro.

Jan Borchert verteilt die vom Forstamt geliehen Spaten. Heinrich Rauh und Wilhelm Hammes markieren mit weiß-orangefarben gestreiften Stäben die Punkte, an denen die Erlen eingepflanzt werden sollen. Die beiden 33-jährigen Kölner haben mit Jan Borchert und Cindy Schüller Planted HQ im Januar gegründet, um mehr Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. Sie bieten Privatleuten und Firmen eine niederschwellige Kombination aus CO2-Zertifikaten und Wiederaufforstung an, um klimapositiv zu werden. Die CO2-Zertifikate werden im Ausland gekauft, die Bäume in Deutschland gepflanzt. Die ersten 10 000 überwiegend im Taunus, weil Jan Borchert in Wiesbaden wohnt.

Der regionale Aspekt überzeugte Benjamin Koch aus Neu-Isenburg. „Man kann mit anpacken und wir können die Bäume besuchen“, sagt der Geschäftsführer von Capanova. Das kleine Unternehmen für zertifizierte naturkosmetische Hairstyling-Produkte für Männer unterstützt bereits zwei Naturschutzprojekte in Südamerika.

Die Idee mit den Bäumen, habe ihn sofort gepackt, sagt auch Dragan Šakotic. Der gebürtige Kölner lebte als Kind vier Jahre bei seinem Großvater in Bosnien. Der Bauer brachte ihm bei, wie man Bäume pflanzt, und vermittelte ihm ein Bewusstsein für die Natur. „Man kann nicht immer nur jammern, man muss etwas tun“, findet der Ingenieur.

Künftig will Planted HQ auch Workshops und Seminare zum Thema Klimawandel anbieten. „Umso mehr das Bewusstsein dafür bei jedem einzelnen greift“, sagt Forstdirektor Bördner dazu, „desto besser ist es für den Wald.“

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