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Neue Äcker für die „SoLaWie“ in Wiesbaden

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Beikraut muss raus: Die Mitglieder packen mit an, der Gärtner alleine kann die Arbeit nicht schaffen.
Das Beikraut muss raus: Die Mitglieder packen mit an, der Gärtner alleine kann die Arbeit nicht schaffen. © Michael Schick

Der Verein bewirtschaftet jetzt Flächen einer früheren Gärtnerei und eine Wiese in Bierstadt

Die Frau sucht sich einen Spitzkohl aus, wiegt die Tomaten ab und packt Aubergine und Paprika ein. In dem Lädchen an der Ecke Grundweg/Wiesenstraße herrscht Betrieb. Eine andere Frau trägt eine gefüllte Tasche nach draußen. Es ist wieder Abholtag in der Solidarischen Landwirtschaft Wiesbaden („SoLaWie“). Die Mitglieder holen sich ihren Anteil an der Ernte ab: Kürbis, Paprika, Brokkoli und anderes. Dass der Ertrag reichlich ausfällt, ist nicht selbstverständlich.

Der 2019 gegründete Verein hat eine schwere Zeit hinter sich. 2021 kündigte der Eigentümer ihrer Äcker und Gewächshäuser wegen Eigenbedarfs den Pachtvertrag für etwa Zwei Drittel der Anbaufläche. Der Gärtner schmiss hin, einige Mitglieder verließen die Gemeinschaft, verzweifelt wurden neue Flächen gesucht. „Das war eine kritische Situation“ erinnert sich „SoLaWie“-Mitglied Peter Niemeyer.

Die Solidarische Landwirtschaft Wiesbaden, die sich „SoLaWie“ mit einem E am Ende nennt, hatte Glück. Die Eigentümerin einer ehemaligen Gärtnerei gegenüber ihrer früheren Anbaufläche stellt etwa 6000 Quadratmeter Gartenland zur Verfügung. Der Verein zog lediglich über den Feldweg und bleibt mitten in der Stadt. Zudem erhielt die „SoLaWie“ ein Wiesengrundstück in Bierstadt. Darauf möchte sie nächstes Jahr Obstbäume pflanzen und Kartoffeln anbauen.

Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft ist, Lebensmittel nicht mehr den Kräften des Marktes zu überlassen, sondern in einen eigenen Kreislauf zu überführen. Die Kund:innen zahlen den Monatsbetrag für die Arbeit auf dem Acker, nicht für die einzelne Frucht. Dafür gehört die Ernte ihnen. Dieses Prinzip schützt den Landwirt oder Gärtner vor Risiken wie Hagel oder Trockenheit. Im Falle der Wiesbadener hat der Verein einen Gärtner angestellt. In anderen wird ein selbstständiger Landwirt durch die festen Zahlungen unterstützt. Nach Angaben des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft gibt es 410 „SoLaWies“ in Deutschland, 98 befinden sich in der Gründung. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr.

Vergangenen Winter haben die Mitglieder der „SoLaWie“ ordentlich angepackt, um die Produktion auf neue Füße zu stellen: Sie haben das Gewächshaus auf dem neuen Grundstück entrümpelt, ein Folienhaus aufgebaut und Felder bestellt. „Sogar die ersten Anzuchten für Kohl, Salat und Kohlrabi haben wir selbst gemacht und pikiert“, sagt Niemeyer. Zurzeit zieht die Gemeinschaft Gemüse für 65 Mitglieder. Seit Mai hat sie einen neuen Gärtner.

Die Mitglieder sind außer des Monatsbeitrags von zurzeit 55 Euro zu zehn Stunden Mithilfe im Monat verpflichtet, sofern sie diese Aufgabe nicht mit Geld ablösen. Auch an jenem Abholtag treffen sich einige zum Arbeitseinsatz. Der Boden unter einem ehemaligen Gewächshaus soll für die Saat im Frühjahr vorbereitet werden. Männer und Frauen graben mit Spaten und Grabgabeln die Erde um, lesen die Beikräuter heraus und schaffen sie schubkarrenweise davon. „Wir haben jetzt viele neue und motivierte Mitglieder“, berichtet Niemeyer zufrieden. Die Zukunft der „SoLaWie“ scheint gesichert.

Die „SoLaWie“ nimmt neue Mitglieder auf. Auf einer Hofführung am 22. Oktober gibt es Infos. www.solawie.org

Jede Woche ein Teil der Ernte.
Jede Woche ein Teil der Ernte. © Michael Schick

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