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Karl Maletz   setzt sich ehrenamtlich  schon seit vielen Jahren für andere ein.
Karl Maletz setzt sich ehrenamtlich schon seit vielen Jahren für andere ein. © M. Schick

Eine Gruppe Ehrenamtler unterstützt Hilfsbedürftige schnell und unbürokratisch

Von Bernd Schmid

Karl Maletz ist ein gefragter Mann. Ständig klingelt sein Mobiltelefon, dauernd ist er auf Achse. Erst sollen gespendete Lebensmittel angeliefert werden, dann will jemand einen Tipp, wohin man sich wenden kann, wenn einem der Strom abgestellt werden soll. Der 60-Jährige weiß Rat – „meistens jedenfalls“, schränkt er ein. „Die Zahl der Hilfsbedürftigen hat in den vergangenen Jahren in Wiesbaden stark zugenommen, wir kümmern uns gerade um diejenigen, die durch das soziale Netz gefallen sind“, beschreibt Maletz die Aufgabe, die er und sein Verein „Landesverband Hilfe zum Leben und Prävention“ sich gestellt haben – eine Sisyphusarbeit.

Das Angebot der Helfer kommt an. Wie viele Personen der Verein unterstützt, können seine Mitglieder nur schätzen: 200, 300, 900 – man einigt sich auf 500 Personen, die in der einen oder anderen Weise von den Aktivitäten profitieren. Und die sind weit gefächert: sie reichen von der regelmäßigen Essensausgabe für Bedürftige und Unterstützung im Haushalt über Hilfe bei Behördengängen und Stellensuche bis zur Gründung und Betreuung von Wohngruppen. Ein fester Kern von zwei Dutzend Ehrenamtlichen kümmert sich um sozial Schwache vor Ort im Westend, aber auch darüber hinaus.

2004 haben sich einige Engagierte um Maletz zusammengetan und ihr Hilfsangebot auf die festere organisatorische Basis eines Vereins gestellt. Dass man den gleich als Landesverband gegründet hat, habe weniger mit eigenem Expansionsstreben, sondern der Einsicht zu tun, dass das Hilfsangebot auch in anderen Städten dringend vonnöten wäre, erzählt Maletz. Der war schon vor der Gründung im Wiesbadener Westend für sein soziales Engagement bekannt. „Die Leute kamen zu ihm, wenn sie nicht mehr weiter wussten und dringend Hilfe benötigten. Er war schon damals, was er heute noch ist – ein ehrenamtlicher Sozialarbeiter“, sagt Jürgen Scibisz, der im Verein für neue Projekte zuständig ist.

Acht Jahre später hat der Verein ein Büro in der Walramstraße 6 und eine Begegnungsstätte in einem Hinterhaus in der Bleichstraße. Ihre Zielgruppe ist die gleiche geblieben: Obdachlose zählen dazu, aber auch vereinsamte Alte oder Menschen mit Suchtproblemen. Durch das niedrigschwellige Angebot und die langjährigen Kontakte könne man eben auch diejenigen erreichen, die sonst den Kontakt zur Stadt und zu anderen karitativen Einrichtungen eher mieden. Schon deswegen verstehe man sich auch nicht als Konkurrenz zu anderen wohltätigen Institutionen, sondern als eine Ergänzung, sagt Maletz.

Wer bei ihnen Hilfe suche, brauche keine Sorge zu haben, aus formalen Gründen abgewiesen zu werden, ergänzt der engagierte Mann, der schon in seinem Berufsleben als selbstständiger Gärtner straffällig gewordene Jugendliche in seinen Betrieb geholt hat. Berührungsängste hat er offenbar auch heute nicht: „Wer Hilfe braucht, dem wird geholfen. Bei uns werden keine Berichte geschrieben und die Fortschritte überwacht.“ Finanzielle Unterstützung durch Stadt oder Land bekommt der Verein anders als die meisten anderen wohltätigen Organisationen nicht. Stattdessen finanziert er sich laut Maletz über Spenden und eigene Dienstleistungsangebote wie Reinigungs- und Reparaturarbeiten oder die Entrümpelung von sogenannten Messie-Wohnungen.

„In der Vergangenheit wollten wir der Stadt zeigen, dass helfen auch in Eigeninitiative geht, aber jetzt stoßen wir an unsere Grenzen“, stellt Maletz fest. Dass der Verein weiterhin dringend gebraucht werde, zeige sich in der zunehmenden Zahl von Hilfsanfragen. „Die Armut in Wiesbaden hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Oft ist Arbeitslosigkeit dabei der Einstieg in den sozialen Abstieg“, sagt Maletz. Und der Beginn einer Abwärtsspirale, die vor allem bei Älteren zu totaler Vereinsamung führen könne.

Landesverband Hilfe zum Leben und Prävention e.V. , Walramstraße 6, Spendenkonto 2025604, Wiesbadener Volksbank, BLZ 51090000

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