Das Interesse der jungen russischen Gäste an Deutschland ist groß.
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Das Interesse der jungen russischen Gäste an Deutschland ist groß.

Wiesbaden

Die Herzen erreichen

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Beim Schüleraustausch mit jungen Russen geht es nicht um Politik. Zwölf Jugendliche sind derzeit zu Gast in Wiesbaden.

„Ich möchte die deutsche Kultur kennenlernen und meine Sprachkenntnisse verbessern“, sagt Vladislav, ein Neuntklässler aus Moskau, der gerade am Austauschprogramm mit der Carl-von-Ossietzky-Schule (CvO) in Wiesbaden teilnimmt. Vladislav ist neugierig auf Deutschland. Seine Mitschülerin Victoria möchte hier gerne nach dem Abitur Architektur studieren, weil ihr der Bauhaus-Stil so gefällt. Und ein anderes russisches Mädchen sagt das Loreley-Gedicht von Heinrich Heine auf.

Das Embargo des Westens gegen Russland und militärische Großübungen der Nato und Russlands, vom jeweils anderen als Bedrohung aufgefasst, können der Freundschaft der Carl-von-Ossietzky-Schule und einer Moskauer Schule nichts anhaben.

Seit 31 Jahren reisen Schüler- und Lehrergruppen hin und her, das Interesse am jeweils anderen Land und seiner Kultur ist ungebrochen groß. Gerade sind zwölf russische Jugendliche zu Gast. „Es wollten mehr am Austausch teilnehmen“, sagt die russische Deutschlehrerin Tatjana Milaeva, „aber es gab nicht mehr Plätze.“ Auch die deutschen Schüler haben hohes Interesse an Russland. „Das ist ein vielfältiges und buntes Land, über das ich mehr erfahren möchte“, sagt Catharina. An der CvO wird Russisch als zweite Fremdsprache gelehrt, 27 Schüler sitzen in der Russischklasse. Stets gehört das Fach für einige zur Abiprüfung.

„Der Austausch ist eine Freundschaftsbrücke, die wir pflegen, auch wenn es draußen regnet oder schneit“, sagt CvO-Schulleiter Niko Lamprecht. Ohne naiv zu sein, gehe es darum, die Herzen der Menschen zu erreichen. Politik spiele keine Rolle. Putin und Merkel seien nicht Thema, sagt ein deutsches Mädchen. Roman, ein russischer Junge, sagt: „Alle Menschen sind sehr freundlich und stellen viele Fragen. Es ist gut, wenn Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen.“

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