Wiesbaden

Nachverfolgung von Infektionsketten in Wiesbaden nicht mehr möglich

  • vonDiana Unkart
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Mitarbeiter:innen aus der Stadtverwaltung und Soldaten unterstützen das Team des Gesundheitsamtes. Dessen Arbeit leidet unter einer fehlenden digitalen Infrastruktur.

Das System der Kontaktnachverfolgung bricht wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen vielerorts zusammen. In Wiesbaden kann das Gesundheitsamt Infektionsketten inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Technische Möglichkeiten, die den Gesundheitsämtern helfen würden, blieben ungenutzt, klagte Amtsleiterin Kaschlin Butt kürzlich in der Sendung „Anne Will“.

„Die meisten Menschen wissen nicht, wo sie sich angesteckt haben könnten“, sagt ein Sprecher. Für den Verlauf der Pandemie bedeute dies, dass sich das Virus leichter ausbreiten könne, wenn Erkrankte nicht mehr in Quarantäne geschickt werden könnten. Hotspots würden aber, so es sie gibt, weiter identifiziert.

Dreißig bis vierzig Mitarbeiter:innen kümmern sich derzeit im Gesundheitsamt um die Nachverfolgung von Kontakten. Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung übernehmen die Quarantäneanrufe und die Besetzung des Servicetelefons. Künftig werden noch 15 Bundeswehrangehörige aushelfen. Der erste hat am Dienstag seinen Dienst angetreten. Andere Angebote des Gesundheitsamtes bleiben auf der Strecke.

Die externen Mitarbeiter:innen sind eine Hilfe für das Team des Amtes, gleichwohl braucht ihre Einarbeitung Zeit. Bis sie die Besonderheiten kennen und wissen, wie sie beispielsweise mit Kontaktpersonen in Kliniken oder in Schulen umgehen müssen, vergehen rund zwei Wochen.

Um die Situation der Gesundheitsämter zu verbessern, seien digitale Schnittstellen zwischen Laboren, Ärzt:innen und zwischen den Gesundheitsämtern nötig, sagt der Sprecher. Weil unterschiedliche Software eingesetzt werde, fehlten diese Schnittstellen. Das gesamte Pandemiemanagement müsse digital sein. Dazu gehöre zum Beispiel das automatisierte Versenden von Quarantäneverfügungen an Infizierte. Laborbefunde sollten direkt in ein Programm eingespielt werden. Die Realität ist eine andere: „Aktuell erhalten wir noch Faxe aus den Laboren, die händisch in drei verschiedene Tabellen eingetragen werden müssen.“ Die Gesundheitsämter untereinander informieren sich mit einzelnen E-Mails über Kontaktpersonen.

Die Corona-Warnapp, klagte Leiterin Kaschlin Butt kürzlich, bringe den Gesundheitsämtern keinen Nutzen bei der Kontaktnachverfolgung. Sie appelliert, den Datenschutz nicht in dem Maße wie bislang über den Infektionsschutz zu stellen.

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