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Museum Wiesbaden präsentiert Ausstellung zum Wasser im Jugendstil

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Von: Madeleine Reckmann

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Urgewalt der Natur: Die Rosse des Neptun.
Urgewalt der Natur: Die Rosse des Neptun. © Michael Schick

Rauschende Fluten und todbringende Tiefen – die Kunst offenbart, wie vielfältig die flüssige Materie wahrgenommen wird.

Es plätschert, fließt, baut sich zu gefährlichen Wellen auf und rinnt still dahin; es beherbergt Leben – Fische, Muscheln, Hummer – und nimmt das Leben. Die Kunst des Jugendstils thematisiert die widersprüchliche Kraft des Wassers mannigfach. Emilio Longoni lässt es in seinem Gemälde „Die Melodie des Flusses“ in einem Wasserfall in die Tiefe stürzen, Hans Völcker in seinem Ölbild „Riviera IV“ als Meeresbrandung in die Felsen schwappen und Charles-Amable Lenoir die antike Dichterin Sappho darin ertrinken. Das Museum Wiesbaden präsentiert anlässlich des Jahrs des Wassers 2022 in der hessischen Landeshauptstadt die reichhaltigen Wasserdarstellungen in der Ausstellung „Wasser im Jugendstil – Heilsbringer und Todesschlund“.

Mal wird Wasser als Lebensquell, Sehnsuchts- und Freiheitsort dargestellt: „Die Windsbraut“ von Max Nonnenbruch lässt Wind und Sonne an die Haut und genießt es sichtlich, kein Korsett mehr tragen zu müssen. Dann mythologisch und todbringend wie auf dem Gemälde von Paul Quinsac, der die tote Ophelia im Wasser düster und schön abbildet. „Die Rosse des Neptun“ von Walter Crane verschwimmen mit der Meeresbrandung zu einer gefährlichen Welle.

Zwei Ausstellungen

Das Museum Wiesbaden ist ein Zwei-Sparten-Haus mit einem naturkundlichen und einem Kunstmuseum. Anlässlich des Jahrs des Wassers präsentiert das Museum daher zwei Ausstellungen.

„Vom Wert des Wassers – Alles im Fluss?“ widmet sich dem Thema aus naturwissenschaftlicher Sicht und läuft bis 5. Februar 2023.

Die Ausstellung „Wasser im Jugendstil – Heilsbringer und Todesschlund“ ist bis 23. Oktober 2022 zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind Dienstag und Donnerstag von 10 bis 20 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Das Museum Wiesbaden liegt in der Friedrich-Ebert-Allee 2. mre

Außer Gemälden haben Kurator Peter Forster und sein „Wasserteam“ Besteck, Vasen, Kacheln, ein Fenster und einen Wandteppich mit der typisch verspielten Formensprache aus diversen Museen und Sammlungen zusammengetragen. 200 Exponate werden ausgestellt. „Wo man den Jugendstil anfasst, ist Wasser drin“, sagt Forster. Insbesondere „das weite, tiefe, geheimnisvolle Meer wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts endgültig zum Labor“, berichtet er. Zu der Zeit als Naturforscher die Meerestiefen und das Leben darin entdeckten, gestalteten die Künstler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Vasen mit klaffenden Fischmäulern und klammerndem Hummer und Fischbesteck wird mit Krebsen, Muscheln und Hummerschwänzen aus Silber verziert.

Die Künstler:innen hätten gespürt, dass Unheil aufzog, berichtet Forster. Sie hätten die Schattenseite der Industrialisierung verstanden, zudem sei das Leben in den Städten schmutzig und schwierig gewesen. Die Künstler:innen hätten Trost in der Natur gesucht und deren reichhaltigen Formen künstlerisch verarbeitet. Sie wollten Kunst und Leben zu einer Einheit verschmelzen und schufen Alltagsgegenstände mit Jugendstilornamentik.

Mit dieser Sonderausstellung möchte das Museum Wiesbaden Besucher:innen auch auf die Dauerausstellung der Jugendstilsammlung von Ferdinand Wolfgang Neess aufmerksam machen. Seit 2019 beherbergt das Museum Gemälde, Pastelle und Aquarelle von Künstlern aus ganz Europa, auch Möbel und Objekte aus Glas und Keramik. „Das Museum Wiesbaden gehört zu den Topadressen auf der internationalen Landkarte des Jugendstils“, sagt Museumsdirektor Andreas Henning. Auch in der Dauerausstellung ließen sich Bezüge zum Wasser als Lebenselement beobachten.

Narziss entdeckt sein Spiegelbild in einer Quelle: Werk von Charpentier.
Narziss entdeckt sein Spiegelbild in einer Quelle: Werk von Charpentier. © Michael Schick

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